Prüfungskonzern drohen Sanktionen wegen unprofessionellen Verhaltens
Börsenaufsicht wirft Ernst & Young Verstöße vor

Die amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsicht SEC hat der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E & Y) die Verletzung von SEC-Regeln bei der Prüfung der US-Software-Firma Peoplesoft vorgeworfen. Die Anschuldigungen sollen vor einem Gericht behandelt werden. Das teilte die SEC jetzt mit.

dpa/HB NEW YORK. Während Ernst & Young als Prüfer von People Soft fungierte, hätten das Wirtschaftsprüfungs-Unterneh men und People Soft gemeinsam ein Softwareprodukt entwickelt und vertrieben. E & Y habe sich bereit erklärt, Peoplesoft Gebühren von 15 % bis 30 % für jeden Verkauf des neuen Software-Produktes zu zahlen. Außerdem sei eine garantierte Mindestsumme von 300 000 $ ausgehandelt worden.

Zusätzlich habe E & Y "Hunderte von Millionen Dollar" an Beratungs-Gebühren vereinnahmt, die aus der Einführung von Peoplesoft-Software bei anderen Geschäftspartnern resultierten. Wie weiter verlautete, handle es sich um den Zeitraum von 1994 bis 2000. E & Y habe die Unabhängigkeitsauflagen für Buchprüfer verletzt, erklärte die Aufsichtsbehörde. Die SEC verlangt eine Anordnung, dass E & Y von solchen Verstößen Abstand nimmt. E & Y soll zudem die in dem Zeitraum erhaltenen Buchprüfungs-Einkünfte abgeben. Die SEC fordert darüber hinaus Sanktionen wegen unprofessionellen Verhaltens.

E & Y zeigte sich "überrascht und enttäuscht", dass die SEC in dieser Sache aktiv geworden sei. Dies erklärte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in einer ersten Stellungnahme. "Unser Verhalten war nach den Branchenregeln völlig angemessen und zulässig", betonte der Wirtschaftsprüfungskonzern. Das Unternehmen verwies auch darauf, dass die Ereignisse keine Relevanz für das gegenwärtige Geschäft hätten. Das Consulting-Geschäft sei im Mai 2000 an Cap Gemini verkauft worden. E & Y wies auch die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Software-Lizenzabkommen zurück und bezeichnete das eigene Verhalten als "völlig angemessen". E & Y werde sich "energisch verteidigen", kündigte das Unternehmen in seiner Stellungnahme an.

Ernst & Young ist mit einem Umsatz von rund 10 Mrd. $ der viertgrößte Wirtschaftsprüfungskonzern. Peoplesoft beschäftigt weltweit bei einem Umsatz von rund 1,7 Mrd. $ mehr als 8 500 Mitarbeiter in über 50 Niederlassungen. Die Aktie hat an der New Yorker Börse Anfang der Woche die im Handelsverlauf begonnene Talfahrt auch am Dienstag um 3,1 % auf 21,16 $ fortgesetzt. Marktbeobachter erklärten die Abschläge mit den Fragen über die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers, die die SEC in ihrer neuen Untersuchung aufgeworfen habe. Nach dem Enron-Skandal wird in den USA die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer lebhaft diskutiert.

Quelle: Handelsblatt

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