Prüfverfahren greifen
Kassenärzte weisen Vorwurf des Abrechnungsbetruges zurück

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Vorwürfe des Abrechnungsbetrugs durch Ärzte scharf zurückgewiesen. Die Anschuldigungen der Krankenkassen seien "reine Stimmungsmache", sagte der KBV-Vorsitzende Manfred Richter-Reichhelm am Mittwoch in Berlin.

dpa/HB BERLIN. "Unsere Prüfverfahren greifen und wir setzen alles daran, schwarze Schafe zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen." Der KBV-Vorsitzende reagierte auf Aussagen des Leiters der Arbeitsgruppe "Abrechnungsmanipulation" der Kassen, Gernot Kiefer. Dieser hatte Anfang August während eines Seminars in Berlin erklärt, dass bis zu jede fünfte Arztrechnung falsch abgerechnet werde. Den Kassen entstehe dadurch jährlich ein Schaden von mindestens einer Milliarde Euro.

"Wir wehren uns gegen diese hohen Zahlen. Wie Herr Kiefer auf 20 Prozent fehlerhafte Abrechnungen kommt, ist mir völlig schleierhaft", sagte der KBV-Vorsitzende. Durch diese Aussagen entstehe in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass alle Ärzte betrügen. KBV-Sprecher Roland Stahl erklärte: "Der Generalverdacht hat viele Ärzte tief getroffen und hat zu großem Zorn und Unverständnis geführt." Auch den Forderungen nach mehr Kontrollen und härteren Strafen widersprach der KBV-Vorsitzende Richter-Reichhelm. Schließlich sei es ein Schwerpunkt der Arbeit des KBV, Abrechnungsbetrügereien vorzubeugen und zu unterbinden. "Wir plädieren schon seit langem dafür, mit den Krankenkassen in dieser Sache viel enger zu kooperieren, doch die Kassen haben sich bisher nicht dazu bereit erklärt", sagte Richter-Reichhelm.

"In erster Linie sind wir an Schadensregulierung interessiert", betonte der Vorsitzende der KBV. Schließlich würden die Ärzten alle aus einem gemeinsame Geldtopf bezahlt. "Ein falsch abrechnender Arzt fasst dabei nur seinem Kollegen in die Kitteltasche." Den Krankenkassen entstehe hingegen "kein müder Euro Schaden". Zudem werde eine engere Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung mit der Staatsanwaltschaft angestrebt.

Ersten Kontakt zur Staatsanwaltschaft hat die Kassenärztliche Vereinigung Nord-Württemberg (KVNW) unterdessen bereits aufgenommen. Die KVNW hat gegen Kiefer Strafanzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede gestellt. "Diese Anzeige ist ungefähr so, wie die Anzeige von Franz Münterfering gegen die "Bild"-Zeitung", kommentierte KBV-Hauptgeschäftsführer Rainer Hess am Mittwoch die juristische Vorgehensweise.

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