PS-Aktien ziehen in jünster Zeit an, Experten erklären dies mit Portfolioumschichtungen
Gelbes Licht für Autoaktien

Automobil-Aktien bewegten sich im Laufe der Woche kontinuierlich in Richtung ihrer Jahreshöchstkurse. Nur ein Wert machte diese Entwicklung nicht mit: Daimler-Chrysler. Aktien-Analysten bevorzugen bei Automobil-Aktien zurzeit eine klare Ausrichtung: Nischenstrategie statt internationale Zukäufe.

Steigender Ölpreis, sinkende Auto-Nachfrage - in diesem Umfeld waren Autoaktien für Investoren in den vergangenen Monaten nicht sonderlich attraktiv. Doch jetzt entdecken einige Anleger die Papier wieder. Trotz der jüngsten Renaissance zeigen sich Experten aber über die langfristigen Perspektiven der Branche skeptisch. Am ehesten versprechen sie sich noch Chancen bei profitablen Nischenanbietern wie Porsche.



"Seitdem viele Wachstumstitel stark nachgegeben haben, steht für Anleger wieder der Sicherheitsgedanke im Vordergrund", erläutert Hartmuth Höhn von der Berenberg Bank die jüngste Kurserholung. Auch Finanzanalyst Martin Haug von der BfG-Bank erklärt diesen Trend mit Portfolio-Umschichtungen. Weil Technologie-Titel zurzeit weltweit unter Druck gerieten, würden Anleger sich verstärkt traditionellen Werten zuwenden.



Dennoch müssten Anleger bei Auto-Werten einen langen Atem haben. Analyst Sebastian Stein, Experte für Automobil-Werte der Bankgesellschaft Berlin, bewertet die Auto-Aktien als "Haltepositionen". Er geht davon aus, dass es auch in der nächsten Zeit keinen großen Boom bei Auto-Titeln geben wird.



Dass es beispielsweise bei Volkswagen aufwärts geht, begründet Autoexperte Höhn nicht nur mit den vom Wolfsburger Konzern angekündigten Aktien-Rückkäufen und den guten US-amerikanischen Absatzzahlen: "VW hat sich aus den Löchern gewagt und angekündigt, den Fokus wieder mehr auf die Anleger-Rendite zu legen", sagte der Experte. So ist es kein Wunder, dass auch Fondsmanager den Wolfsburger Auto-Konzern in ihrem Portfolio übergewichten: "Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, um mit wehenden Fähnchen in Auto-Aktien zu investieren", sagte Harald Sporleder von der Fondsgesellschaft DIT, "doch innerhalb der Branche bevorzugen wir die VW-Aktie." Gleichwohl spekulieren auch die Experten, was VW mit dem angekündigten Aktienrückkauf bezweckt. Es sei noch immer nicht klar, wofür diese Aktien verwendet werden sollen, sagte Analyst Stein. Eine denkbare Möglichkeit sein die Aufstockung der Beteiligung an dem Lkw-Hersteller Scania. VW war im März mit 18,7 % bei dem schwedischen Konkurrenten eingestiegen.



Gute BMW-Zahlen bereits im Kurs enthalten



Äußerst positiv haben sich jüngst die Aktien von BMW und Porsche entwickelt. Und Experten versuchen bereits jetzt, einen Trend auszumachen: Sie führen die Entwicklung auf unterschiedliche Ausrichtungen in der Unternehmensstrategie zurück. Daimler-Chrysler und auch Volkswagen, die ihre internationalen Aktivitäten und Zukäufe aggressiv fortsetzen, werden von Fachleuten eher skeptisch beäugt. Die Nischenstrategie von BMW und Porsche hingegen scheint bei Anlegern und Aktienanalysten gleichsam gut anzukommen. Beide Anbieter bauen teure Luxusautos.



Georg Stürzer, Analyst von der Hypo-Vereinsbank, glaubt, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen kann: "Die Wachstumsstory bei BMW und Porsche ist intakt, beide Unternehmen sind mit ihren Modellreihen gut positioniert." Stürzer bestätigte daher seine Kaufempfehlung für die Münchener Autohersteller. Auch bei Porsche sieht er noch Kurspotenzial bis 4 600 Euro. Die Analysten Stein und Höhn hingegen glauben, dass die guten Absatzzahlen von BMW in den USA bereits in den jüngsten Kurssteigerungen enthalten sind.



Lediglich die Daimler-Chrysler-Aktie bleibt das Sorgenkind der Anleger. Die Aktie fiel diese Woche kurzzeitig auf ein neuen Jahres-Tief von 46,90 Euro. Nachdem eine Ergebnis-Warnung für die Chrysler-Sparte bekannt gegeben wurde, senkten zahlreiche Investment-Häuser ihre Gewinnschätzungen. Obwohl Analysten die Aktie fundamental als hoffnungslos unterbewertet beurteilen, spiegelt der Aktienmarkt jede schlechte Nachricht sofort in den Kursen wider. Auto-Analyst Stein geht davon aus, dass das die schwächeren Absatz-Zahlen von Chrysler die Aktie noch eine Zeit lang belasten dürfte: "Das gute Bild, dass wir von Daimler-Chrysler hatten, hat Kratzer bekommen", sagt Stein. Dennoch raten Analysten, den günstigen Kurs zurzeit zum Kauf zu nutzen. BfG-Experte Haug geht davon aus, dass ein Ende der schlechten Nachrichten von Unternehmensseite in Sicht ist. Auch Höhn von der Berenberg-Bank favorisiert Daimler vor VW und betont: "Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,5 ist ein Rezessions-KGV."

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