PSA-Gruppe ist Kooperationskönig
Kosten zwingen Autobranche zum Partnertausch

Das geschmeidige Aussehen eines Jaguars, das Herz eines Löwen: Vor Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass unter der Haube der britischen Luxusmarke ein Motor brummt, dessen Technologie zum Teil von einem französischen Massenhersteller stammt.

hof/brb FRANKFURT. Doch genau das wurde jetzt angekündigt: Der neu entwickelte 6-Zylinder-Diesel für Jaguar stammt aus einem Joint Venture zwischen PSA (Peugeot/Citroën) und der Jaguar-Mutter Ford.

In der Autoindustrie kann inzwischen jeder mit jedem. Es sind vor allem die hohen Kosten für die Entwicklung neuer Motorengenerationen und neuer Fahrzeugkonzepte, die die Autokonzerne in Kooperationen treiben. So schätzt Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Analyseinstituts CAR, die Entwicklungskosten für ein komplett neues Modell auf gut 2 Mrd. Euro, wobei rund 60 % auf die Entwicklung der Plattform entfallen. Eine neue Motorengeneration kostet laut Dudenhöffer bis zu 1,5 Mrd. Euro. Genug Anreiz, um Konzerngrenzen zu überwinden, sich den Aufwand zu teilen und bisherige Tabus zu hinterfragen. PSA-Chef Jean-Martin Folz räumte bei der Vorstellung des neuen Jaguar-Motors ein, dass es den Partnern als Einzelkämpfer nicht möglich wäre, breite Motorenpaletten allein zu finanzieren. Allein die Kosten für den neuen V6-Motor bezifferte er auf 350 Mill. Euro.

Alles, was die Markenidentität nicht gefährdet, weil es der Autokäufer nicht sofort wahrnimmt, steht auf der Wunschliste für Kooperationen. Immer mehr Barrieren fallen, obwohl sich "die Automobilindustrie traditionell gegen Standardisierung wehrt", sagt Michael Jedlicka, Autoexperte bei IBM. Er ist sich sogar sicher, dass schon in einigen Jahren selbst eine der letzten Bastionen fallen wird. So gelten Plattformen für neue Modellfamilien bislang noch als interne Konzernangelegenheit. Doch nicht mehr lange: "Die großen Hersteller werden sich mit ihren Plattformen durchsetzen und damit entstehen Quasi-Standards für die Branche", prophezeiht Jedlicka.

Willi Diez, Leiter des Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen, teilt diese Meinung. "Da die Produktprogramme der Hersteller immer breiter werden und immer mehr Nischenfahrzeuge auf den Markt kommen" bleiben Kooperationen laut Diez der einzige Ausweg aus der Kostenfalle. Denn auch Autos, die in kleineren Stückzahlen produziert werden, müssten schließlich aufwendig entwickelt werden.

Kooperationskönig ist die französische PSA-Gruppe, deren Chef Folz auf diese Weise die Eigenständigkeit des Unternehmens sicherstellen will. Am weitesten geht die Zusammenarbeit mit dem japanischen Marktführer Toyota. Gemeinsam wollen die Kontrahenten beim Kampf um den Kunden in Tschechien einen Kleinwagen bauen. Allein bei den Entwicklungskosten sparen die beiden Firmen nach den Worten von Folz jeweils etwa 250 Mill. Euro. Niedrigere Kosten in der Produktion kommen noch dazu.

Doch PSA hat noch andere Eisen im Feuer: Mit Ford werden Dieselmotoren in allen Größen entwickelt, zusammen mit BMW entsteht ein kleiner Benzinmotor. Bei großen Vans teilt man sich die Kosten mit der Fiat-Gruppe. Die Bayern ihrerseits greifen beim Diesel für den Mini auf eine andere Kooperation zurück. Partner dieses Mal: Toyota.

BMW-Konkurrent Daimler-Chrysler will beim großen Partnertausch nicht unbeteiligt daneben stehen. Zwar haben die Stuttgarter noch alle Hände voll zu tun, aus der eigenen Pkw-Gruppe mit Mercedes, Chrysler und Smart sowie den Beteiligungen an Mitsubishi und Hyundai ein schlagkräftiges Team zu formen. Doch hat das Unternehmen zuletzt auch die Entwicklungskooperation mit VW für Transporter erneuert.

Bei Cabriodächern macht Daimler dagegen mit den Kollegen von Porsche gemeinsame Sache, deren Kooperation mit VW bereits eine lange Tradition hat. Jüngstes Gemeinschaftsprojekt ist die Plattform der Geländewagen Porsche Cayenne und und VW Touareg.

Quelle: Handelsblatt

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