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Psychologe: Tatort hat meist etwas mit Kränkung zu tun

Auslöser für einen Amoklauf sind nach Erkenntnis der Psychologie meist Kränkungen. "Dabei zieht es Amokläufer bei ihrer Tat in der Regel an den Ort, der etwas damit zu tun hat", sagte Psychologe Steffen Dauer aus Halle am Freitag nach dem Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium in einem dpa-Gespräch.

dpa ERFURT/HALLE. "In den seltensten Fällen wird dabei aber auch der Mensch getötet, der tatsächlich diese Kränkung begangen hat." Die Täter seien meist intelligente und differenzierte Menschen, die jedoch Konflikte nicht selbst lösen könnten.

"Amokläufern sind einige Besonderheiten gemein: Sie sind sehr introvertiert, wenig im sozialen Umfeld integriert und haben über einen längeren Zeitraum Kränkungen erfahren und Enttäuschungen erlebt", sagte Dauer. Die Psychologie wisse jedoch nur bedingt etwas über die Empfindungen der Täter, da sie meist die Tat nicht überlebten und man auf die Aussagen ihrer Umfelds angewiesen sei. "Ein Choleriker wird jedoch nie Amokläufer werden", sagte Dauer.

Bei einem klassischen Amoklauf handle der Täter ungezielt und töte Menschen beliebig. "Die Tat dient dem Abbau von Spannungen." Das Verhalten des klassischen Amokläufers sei ferner darauf angelegt, selbst zu sterben - entweder durch Selbstmord oder durch den Zugriff der Polizei. "Eine geplante und gezielte Tötung mehrerer Menschen ist eine Serientötung." Darum könne hier eher von einer Schuldfähigkeit des Täters ausgegangen werden, sagte Dauer. Häufig werde aber der Eindruck eines Amoklaufs erweckt, weil es in Folge des Geschehens weitere Opfer gäbe.

Benutze der Amokläufer eine Schusswaffe, sei ihm der Umgang damit durch das soziale oder familiäre Umfeld vertraut. "Wir finden keinen Täter, der nicht schon vorher Kontakt zur Waffe hatte und sie sich extra für die Tat gekauft hat", sagte Dauer. Dafür sei die Hemmschwelle zu hoch. Dauer ist Fachmann für Rechtspsychologie und auch Sachverständiger für Gerichte.

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