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Psychologische Kriegsführung der USA in Afghanistan

"Wenn Sie sich ergeben, dann gehen Sie mit erhobenen Händen auf die US-Einheiten zu. Hängen Sie ihre Waffe mit dem Gewehrlauf nach unten gerichtet auf den Rücken. Entfernen Sie Ihr Magazin und entladen Sie die Waffe. Das ist Ihre einzige Chance zu überleben."

Reuters WASHINGTON. Diese und andere Botschaften in regionalen Dialekten sind seit Anfang der Woche in Afghanistan zu hören. Flugzeuge der US-Luftwaffe vom Typ EC-130CE fliegen langsam über das Land und senden über Rundfunk Mitteilungen, die sich an die Taliban-Kämpfer und die Mitglieder der Organisation El Kaida des moslemischen Extremisten Osama bin Laden richten. Andere Botschaften sind für die Zivilbevölkerung gedacht. Es wird ihnen geraten, wie sie sich beim Durchzug von US-Bodentruppen oder bei der Lebensmittelversorgung aus der Luft verhalten sollen.

Diese Mitteilungen sind neben Handzetteln die neue Front der USA, um gegen die Talibanregierung und Bin Laden psychologisch vorzugehen. "Halten Sie sich von militärischen Einrichtungen, Regierungsgebäuden, Lagern der Terroristen, Straßen, Fabriken oder Brücken fern," wird die Bevölkerung gewarnt, seitdem die Amerikaner die Lufthoheit über Afghanistan ausgerufen haben. "Wenn Sie in der Nähe dieser Plätze und Gebäude wohnen, müssen Sie wegziehen. Suchen Sie sich einen sicheren Platz und bleiben Sie allen möglichen Zielen fern. Wir wollen Ihnen keinen Schaden zufügen." In anderen Botschaften wird die Bevölkerung vor der Gefahr durch aus der Luft abgeworfene Lebensmittelpakete gewarnt. Die Bündel sähen vom Boden aus vielleicht klein aus, seien aber in Wirklichkeit sehr groß und schwer. "Stellen Sie sich nicht genau darunter", lautet der Rat.

Der Ton an die Taliban ist dagegen schärfer. Von den Amerikanern als verurteilt angesehen, wird dem einzelnen Kämpfer nur eine Wahl gelassen: "Ergeben Sie sich jetzt und wir geben Ihnen eine zweite Chance. Wir werden Sie am Leben lassen." Die USA rufen ebenfalls zum passiven Widerstand gegen Bin Laden und die Taliban auf. Die Bevölkerung solle ihn und seine Mitstreiter nicht mit Lebensmitteln, Wasser und Unterschlupf versorgen.

Die Sendeflugzeuge werden nicht das erste Mal von der US-Armee eingesetzt. Bereits in Grenada und Panama sowie auf Haiti und während des Golfkrieges wurden sie nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums erfolgreich eingesetzt worden.

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