Public Wireless LAN
Sind Hotspots der Schlüssel zu einem neuen Massenmarkt?

Hotspots - Orte, an denen man mit seinem Notebook oder PDA drahtlos im Internet surfen kann - sind eines der ganz heißen Themen der IT-Branche. Konkurrierende Angebote sind dabei eher gut fürs Geschäft. Doch es gibt auch warnende Hinweise: Alles nur heiße Luft!

DÜSSELDORF. "Versuchen Sie doch mal mit Ihrer Ausrüstung in einem ausländischen Hotel ins Internet zu kommen", weist Andreas Dippelhofer, Mitglied der Geschäftsleitung Acoreus AG, Düsseldorf, auf die alltäglichen Probleme als Geschäftsreisender hin. Das fängt an bei dem richtigen Stromadapter, setzt sich fort über den nicht passenden Telefonanschluss. Dann benötigt man noch einen Provider. "Dabei ließe sich das doch alles ganz einfach über ein Wireless LAN Hotspot erreichen", macht Dippelhofer klar und weist damit auf die "All-inclusive Lösung" hin, die der Düsseldorfer Dienstleister zusammen mit Toshiba auf den Markt bringt. Zudem WLAN ist technisch bereits weltweit als IEEE 802.1 standardisiert, mit Übertragungsraten von 11 Megabit pro Sekunde.

Die Idee: Die Kunden, das sind in diesem Fall beispielsweise Betreiber von Restaurants, Gaststätten oder Hotels, sollen ganz einfach einen Hotspot einrichten können, um so wiederum ihrer mit Notebook oder PDA ausgestatteten Kundschaft einen einfachen und schnellen Internet-Zugang zu ermöglichen. Hotspots - drahtlose öffentliche Internetzugänge - können aber auch an Flughäfen, Bahnhöfen oder anderen Stellen eingerichtet werden, an denen sich Menschen länger aufhalten. Vorteil für den Betreiber einer Location: Er stärkt sein Kerngeschäft, indem er wiederum seinen Kunden einen zusätzlichen Service bietet wie Zigaretten- oder Spielautomaten - und ihnen somit womöglich zum längeren Verweilen animiert. Und er erzielt damit möglicherweise sogar zusätzlichen Umsatz. Denn die Tarifhoheit wird ausdrücklich dem Betreiber des Hotspots, also dem Hausherrn der Örtlichkeit, überlassen.

Gartner sagt hohe Zuwachsraten voraus

Europas derzeit wohl größter WLAN-Hotspot mit 650 Zugangspunkten (Fachbegriff: Access Points) mit einer jeweiligen maximalen Reichweite von 100 Metern deckt den 140 Hektar großen Campus der holländischen Universität Twente ab. Studenten mit Notebook und WLAN-Karte erschließen sich damit völlig neue Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten. T-Online hat gerade mitgeteilt, dass man den Kunden den Internetzugang über WLAN in über 200 ausgewählten Frankfurter Gastronomiebetrieben ermöglichen werde. Vodafone rüstet alle 55 Lufthansa-Lounges weltweit aus. Die Deutsche Bahn baut ein WLAN-Netz zunächst für den eigenen Bedarf aus und wird über kurz oder lang dieses Netz wohl auch der reisenden Kundschaft öffnen.

Die Marktprognosen für Hotspots, von Gartner vorgenommen, sehen in den nächsten Jahren hohe Zuwachsraten voraus. Derzeit gibt es weltweit etwa 20 000 Orte, an denen man per WLAN ins Internet kommt, eine Zahl die sich bis Ende nächsten Jahres verdoppelt haben wird. In Deutschland gehen zur Zeit mindestens 150 000 Leute regelmäßiger an den schätzungsweise 800 Hotspots ins Internet. Im nächsten Jahr sollen es laut Gartner bereits über 580 000 Menschen sein, im Jahr 2005 sogar über 1,3 Millionen.

Obwohl einige Marktbeobachter diese Zahlen so interpreten, dass sie bei den Hotspots bereits von einer "Killer-Application" reden - einer Anwendung, die einer Technologie zum großen wirtschaftlichen Durchbruch verhilft -, kann man noch nicht von einem Massenmarkt reden. Die Berliner Consultants von Berlecon Research kommen in ihrer "Marktanalyse Public Wireless LAN - Die Zukunft des Hotspot-Marktes in Deutschland" zu dem Ergebnis, dass derzeit etwa 4,6 Mill. Surfer in Deutschland über WLAN-fähige Laptops verfügen, mithin 14 % der deutschen Internetnutzer. Allerdings könnte im Jahr 2005 schon jeder Vierte von dann rund 36 Mill. Mill. Internet-Nutzern über die technische Ausrüstung verfügen, um auch drahtlos ins Internet zu kommen

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Nur private Nutzer versprechen Gewinn

Da bislang die meisten Hotspots für die geschäftliche Nutzung eingerichtet wurden - etwa 35 größere Flughäfen, 23 größere Messeplätze oder rund 400 Kongresszentren - , werden daher gerade den kleineren Orten größere Marktchancen eingeräumt. Zudem kommen die Zuwachsraten beim Verkauf von Laptops und Notebooks, wie Toshibas Deutschland-Geschäftsführer Michael Fassbender anmerkt, zum überwiegenden Teil aus dem Verkauf an private Nutzer.

Die Schlussfolgerung der Marktforscher: Nur auf Geschäftskunden ausgerichtete Geschäftsmodelle werden nicht profitabel sein, nur das große Potenzial der privaten Nutzer verspricht einen Gewinn.

Es könnte sich also für Hotspot-Betreiber von Tag zu Tag mehr lohnen, in die entsprechende Ausrüstung zu investieren. Dennoch warnt Berlecon Research: "Hotspots werde nur für wenige Locations ein wirklich lukratives Zusatzgeschäft." Dass das dennoch kein unkalkulierbares Risiko ist, wollen Toshiba und Acoreus mit ihrem Alles-inklusive-Angebot deutlich machen. Mit einem Komplettpreis von 982 Euro geht?s zur Markteinführung los. Die Komplettlösung umfasst eine Kombination aus dem Toshiba Server Magnia SG20 und der Software und Dienstleistung von Acoreus. Wie Claas Eimer, Business Manager Solutions bei Toshiba, an einem Beispiel vorrechnet, reichen bei einer kleinen Installation bereits 1,7 Anwender am Tag aus, um eine Refinanzierung hinzukriegen.

Gratis surfen bei McDonalds

Damit ist beim Thema "Public Wireless LAN" womöglich eine weitere Hürde auf dem Weg zum Massenmarkt übersprungen - zumal inzwischen fast jedes neue Notebook standardmäßig mit WLAN-Karte ausgestattet ist. Intel baut diese Funk-Funktionalität bereits in den neuesten Prozessor Centrino ein. Zudem werden die kleinen PDA, Persönliche Digitale Assistenten, oder Smartphones, Handys mit einfachen PC-Funktionen, die Funkverbindung zum Hotspot ermöglichen.

Bleibt noch die Frage nach der Abrechnung. Die Lösung von Toshiba/ Acoreus sieht vor, dass der Standortinhaber ohnen großen Aufwand selbst Anbieter von WLAN-Diensten sein kann. Er soll die lokalen Zugangstarife somit auch selbst bestimmen, um das System entsprechend seinen Zielen (Service, Kundenbindung, zusätzliche Einnahmen) einsetzen zu können. Eine gemeinsame Lösung, wie sie gerade in Österreich angedacht wird, könnte ebenfalls der Schlüssel für den Durchbruch der Hotspots sein. Da haben 35 Internet- und Mobilfunkanbieter das Greenspot-Konsortium gebildet und ein Programm gestartet, um dem Anwender einen einzigen persönlichen Zugang zu ermöglichen. Auch bei dem Greenspot-Modell soll die Gestaltung der Tarife einzig und allein dem lokalen Betreiber des Hotspots überlassen bleiben.

McDonalds hat in den USA probeweise 100 Schnellrestaurants mit Hotspots ausgestattet und damit bereits ganz andere Erfahrungen gemacht. In der Testphase sollte nicht nur eruiert werden, wie das Angebot grundsätzlich angenommen wird, sondern auch, was die Kunden zu zahlen bereit sind. Nach der Probierphase lässt McDonald inzwischen seine Kunden erst einmal unbegrenzt gratis surfen. Das Bestreben: Wer länger surft, konsumiert auch mehr. Das würde aufwendige Abrechnungssysteme soagr gänzlich überflüssig machen.

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