Puma und Leoni sind die Favoriten vieler Analysten – Investoren sollten aber auf ausreichende Liquidität der Titel achten
Nebenwerte bringen Schwung ins Depot

Wenn der Konjunkturmotor stottert und bei Standardwerten Flaute herrscht, bieten kleinere Unternehmen, die in Nischenmärkten arbeiten, oft bessere Wachstumschancen als der breite Markt. Zurzeit gibt es im Index der mittelgroßen Werte MDax einige attraktive Titel, sagen Analysten.

FRANKFURT/M. Positive Überraschung für Börsianer und Analysten gab es gestern bei den Nebenwerten: Wella gab für die ersten neun Monate ein besser als erwartetes Ergebnis bekannt und will im kommenden Jahr seinen Wachstumskurs fortsetzen.

Bei Nebenwerten, die oft zu wenig analysiert und beachtet werden, gibt es gar nicht so selten positive Nachrichten - und daher gute Gewinnchancen. Zwar muss man darauf achten, nicht allzu kleine Titel mit sehr niedriger Liquidität zu erwischen. "Doch in puncto Risiko haben sie dem Sektor der Standardwerte voraus, dass weniger zyklische Titel darunter sind, bei denen die Unternehmensgewinne stark schwanken", sagt Peter Ott, erfolgreicher Nebenwerte-Fondsmanager bei UBS Invest. Deswegen sei auch der MDax mit einem Minus von gut 28 % seit Jahresanfang deutlich weniger eingebrochen als der Deutsche Aktienindex (Dax) mit einem Verlust von über 37,5 %.

Ott und Christoph Schlienkamp, Leiter der Aktienanalyse beim Bankhaus Lampe, weisen auch darauf hin, dass viele Titel eine beträchtliche Dividendenrendite bieten und günstig zu haben sind; zudem böten sich in einigen Nischenmärkten besonders gute Wachstumschancen.

Dabei sticht zunächst das astronomisch hoch anmutende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei Schwarz Pharma ins Auge. Wie Ott erklärt, resultiert dies daraus, dass die dort erfassten Gewinnschätzungen der Analysten noch nicht die neuesten Nachrichten des Unternehmens wiedergeben. Kürzlich sei eine wichtige Entscheidung gefallen: "Schwarz Pharma kann jetzt das Generikum Omeprazol, ein Magen- und Darmpräparat, auf den Markt bringen." Aus diesem Grund dürfte sich der Umsatz des Unternehmens im nächsten Jahr verdoppeln und der Gewinn verzehnfachen. Daraus ergebe sich ein KGV von fünf für 2003. Das Kursziel für zwölf Monate sieht Ott bei 50 Euro.

Unter dem Aspekt Dividendenrendite fällt nach Hugo Boss Leoni auf - ein Titel, den viele Analysten empfehlen, und der auch auf der Liste der "Top Picks Deutschland" bei HSBC Trinkaus & Burkhardt steht. Schlienkamp, der bei Leoni mit einem Einjahreskursziel von 40 Euro zum Kauf rät, gibt zwar zu, eine Schwäche sei die Abhängigkeit des Zulieferers von der Automobilindustrie. Außerdem liege das Ergebnis deutlich unter dem Vorjahr. Doch langfristig abgeschlossene Ausrüstungsverträge für Bordnetzsysteme, die 50 Prozent des Umsatzes ausmachten, dürften ab 2004 zu deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und Ertrag führen. "Viele wichtige Autohersteller wie Daimler, Audi/VW oder BMW zählen zu den Kunden von Leoni", betont Schlienkamp. Ein weiterer Pluspunkt: Der Nischenanbieter im Kabelbereich sei auf margenstarke Produkte fokussiert. Schlienkamp: "Kabel sind derzeit durch nichts zu ersetzen."

Beispiele für Unternehmen, die in viel versprechenden Nischen arbeiteten, sind Schlienkamp zufolge auch Südzucker und Vossloh. Südzucker als größter Zuckerproduzent Europas profitiere davon, dass die Verkaufspreise in der EU durch die Zuckermarktordnung bis mindestens 2006 gesichert seien. "Außerdem ist die Gesellschaft in Osteuropa gut positioniert", sieht der Experte Vorteile mit Blick auf die EU-Erweiterung. Zudem erwartet er starkes Wachstum im Bereich der zuckernahen Produkte. Kurzfristig könnte sich aber belastend auswirken, dass die Deutsche Bank ihren zehnprozentigen Anteil verkaufen will. Zudem gehe der Anleger das Risiko eines relativ geringen Free-Floats der Aktie ein.

Vossloh hat Schlienkamp zufolge als Weltmarktführer in verschiedenen Marktnischen Kurspotenzial, darunter etwa in der Schienenbefestigung und bei Dieselloks. Zudem sei der Markt unter wenige Wettbewerber aufgeteilt. Und im laufenden Jahr sei ein deutlicher Gewinnsprung festzustellen. Eine Schwäche der Gesellschaft sei allerdings ihre Kommunikation mit dem Kapitalmarkt, die müsse sich bessern, fordert der Banker.

Bei Puma lockt Schlienkamp zufolge nicht die Nische. Im Gegenteil - hier stört ihn eher der starke Fokus auf Footwear. Ein breiteres Produktportfolio würde die Gefahr verringern, dass Puma - derzeit trendy -, irgendwann einmal aus der Mode kommen könnte - ein Kritikpunkt, den auch Ott teilt. Doch beide Analysten - wie auch mehrere andere Banken - zählen Puma als "hochprofitables Markenunternehmen" zu ihren Favoriten. "Im Branchenvergleich ist die Aktie nach wie vor deutlich unterbewertet", sagt Herbert Sturm von der DZ Bank. Die Gesellschaft zeige ein "beeindruckendes Wachstum" bei Umsatz und Ergebnis, und ein hoher Auftragseingang sichere weiteres Wachstum, ergänzt Schlienkamp. Puma habe ja bereits zum vierten Mal in diesem Jahr die Prognosen erhöht - zur Überraschung der Börsianer.

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