Putin sichert Nordallianz Militärhilfe zu
Britische Bodentruppen sollen bald in Afghanistan einrücken

Der Einsatz britischer Spezialtruppen bei Kommandoaktionen in Afghanistan rückt allem Anschein nach näher. "Wir haben immer gesagt, dass Bodentruppen eine der Optionen sind", sagte Verteidigungsminister Geoff Hoon am Montag in London nach einer Sitzung des britischen Kriegskabinetts unter Vorsitz von Premierminister Tony Blair.

dpa/rtr LONDON/WASHINGTON. "Wir haben Soldaten, die sehr kurzfristig zu einem Einsatz bereit sind", sagte Hoon. "Aber ich werde keinen Zeitpunkt nennen. Wir haben noch keine konkreten Entscheidungen getroffen." Ein Sprecher Blairs sagte: "Von den militärischen Planern ist eine ganze Reihe von Optionen diskutiert worden. Und dazu gehört auch der Einsatz von Bodentruppen." Der Regierungssprecher wollte zu Berichten, der Einsatz werde innerhalb weniger Stunden erfolgen, nicht Stellung nehmen. "Dies ist kein Videospiel. Wenn man sich an einem militärischen Konflikt beteiligt, dann gibt es wahrscheinlich Opfer. Der Krieg ist keine saubere Sache und wir handeln, weil wir handeln müssen. Unsere Sache ist eine gerechte."

Der britische Außenminister Jack Straw forderte die internationale Gemeinschaft auf, "zu schnellem Handeln bereit zu sein", falls die Taliban-Regierung in Afghanistan stürze. Dazu gehöre auch die Entsendung einer Friedenstruppe. "Wir wissen, dass wir möglicherweise sehr schnell handeln müssen. Wenn das Ende der derzeitigen Regierung kommt, dann kann es schrittweise oder sehr plötzlich kommen." Straw sagte bei einem Vortrag in London, innerhalb der ersten 100 Tage nach dem Sturz der Taliban müssten Hilfsprojekte laufen, die der neuen Regierung Glaubwürdigkeit verschafften. Die Vereinten Nationen müssten im politischen Prozess die Führungsrolle spielen. Eine Friedenstruppe, ob als Blauhelmsoldaten oder aber als multinationale Truppe, müsse für längere Zeit die Sicherheit garantieren.

Verteidigungsminister Hoon zeigte sich zuversichtlich, dass bin Laden ergriffen und die Herrschaft der Taliban beendet werden kann. "Ich glaube, dass wir dem sehr viel näher sind als vor vier Wochen. Ich bin zuversichtlich, dass wir Bin Laden zu gegebener Zeit entweder ergreifen oder dass ihn uns jemand übergibt." Man rechne nicht damit, dass die Taliban nach wenigen Tagen des Krieges bereits aufgeben. "Der Druck durch die Luftangriffe wird aber Resultate haben und wir rechnen eher früher als später mit diesen Resultaten."

Russland sagt Nordallianz Militärhilfe zu

Russlands Präsident Wladimir Putin hat der Opposition in Afghanistan zusätzliche Militärhilfe zugesagt. Nach einem Gespräch mit dem Chef der Nordallianz, Burhanuddin Rabbani, sagte Putin am Montag in Tadschikistan, er sehe nicht, dass die regierenden Taliban eine Rolle in einer künftigen Regierung spielen könnten. Auch nach zwei Wochen Luftkrieg und dem Beginn von US-Kommandoeinsätzen auf afghanischem Boden ließen die Taliban keine Bereitschaft erkennen, den Moslem-Extremisten Osama bin Laden den USA auszuliefern. US-Präsident George W. Bush gab nach Informationen aus US-Regierungskreisen dem Geheimdienst CIA freie Hand bei der Verfolgung Bin Ladens.

"Wir alle wissen, dass Russland Rabbani unterstützt", sagte Putin, der auf seiner Rückreise vom asiatisch-pazifischen Gipfel in Schanghai Station in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe machte. Gleichzeitig sicherte Putin dem afghanischen Volk humanitäre Hilfe zu. Rabbani ist der von den Vereinten Nationen anerkannte Präsident Afghanistans. Er war 1996 von den Taliban gestürzt worden und führt derzeit die Nordallianz an. Bislang hat die Allianz keine größeren militärischen Vorteile gegen die Taliban aus den US-Luftschlägen ziehen können.

Nach Ansicht des außenpolitischen Beauftragten der Europäischen Union, Javier Solana, sollte der in Italien im Exil lebende afghanische Ex-König Mohammad Sahir Schah (87) nach Ablösung der Taliban-Regierung in Afghanistan eine neue Koalitionsregierung bilden.

Die Taliban-Regierung beschloss nach Angaben eines ihrer Minister am Sonntag, die Verteidigung gegen erwartete neue Kampfeinsätze von US-Bodentruppen auszuweiten. Das Taliban-Kabinett habe in einer Sondersitzung beschlossen, zusätzliche Raketenwerfer, Maschinengewehre und Flugabwehrkanonen in die Städte und Dörfer zu bringen, sagte Bildungsminister Mullah Amir Chan Muttaki der Nachrichtenagentur Reuters. Dadurch sollten Menschen in allen Bezirken, Dörfern und Provinzen gegen US-Kommandoeinsätze mobilisiert und ausgerüstet werden.

US-Außenminister Colin Powell sagte dem Fernsehsender Fox News, die USA wollten mit Hilfe ihres Militäreinsatzes die Taliban bis zum Wintereinbruch besiegen. Er schloss nicht aus, dass der Einsatz auch in den moslemischen Fastenmonat Ramadan reichen könne. Powell sagte, die Nordallianz werde sicherlich aggressiver auf Kabul vorrücken. Der Wintereinbruch in dem zentral-asiatischen Land wird in den kommenden Wochen erwartet, Ramadan beginnt Mitte November.

Mit Blick auf eine künftige Regierung in Afghanistan sagte Putin weiter, die Taliban seien wegen ihrer "Zusammenarbeit mit internationalen Terroristen" kompromittiert. Die USA machen den moslemischen Extremisten Bin Laden und seine Organisation El Kaida für die Anschläge vom 11. September verantwortlich, bei denen mehr als 5 000 Menschen starben.

Anweisung an die CIA

Aus US-Regierungskreisen verlautete am Sonntag, in einer Anweisung von Präsident George W. Bush werde der CIA eingeräumt, das zu tun, "was notwendig ist, um El Kaida und seine Führung zur Strecke zu bringen". Damit werde der CIA neuer Spielraum eingeräumt. "Das ist ganz schön weit reichend", hieß es in den Kreisen. Die "Washington Post" hatte berichtet, die CIA sei angewiesen worden, Bin Ladens Kommunikation, Sicherheitsapparat und Infrastruktur anzugreifen und sich auf tödliche verdeckte Aktionen zu konzentrieren.

Mit neuen Angriffen hatte die US-Luftwaffe am Sonntag die dritte Woche ihrer Militäraktion gegen die Taliban eingeleitet. Augenzeugen zufolge wurden mehrere Ziele in Kabul angegriffen. Die Taliban teilten mit, mindestens 18 Menschen seien bei den Angriffen getötet worden, 23 weitere verletzt worden. Nach Taliban-Darstellung wurden bislang rund 900 Zivilisten Opfer der US-Angriffe, die USA wiesen die Zahl als zu hoch zurück. Unabhängige Angaben liegen nicht vor.

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