Putin verurteilt Tat
41 Tote bei Anschlag in Tschetschenien

Beim schwersten Bombenanschlag in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien seit Monaten sind am Montag mindestens 41 Menschen getötet und bis zu 300 verletzt worden. Den Gesundheitszustand von 53 Schwerverletzten beschrieb der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef Achmed Kadyrow als "sehr schwierig".

HB/dpa MOSKAU. Unter den Toten waren nach Angaben der Zivilschutzbehörden auch 13 Frauen und sechs Kinder. Die Zahl der Verletzten lag nach unterschiedlichen Angaben zwischen 200 und 300.

Nach Angaben der Ermittler durchbrachen drei Selbstmordattentäter - unter ihnen eine Frau - mit einem schweren Lastwagen die Betonsperre vor der Kreisverwaltung im Ort Snamenskoje. Dort zündeten sie etwa eine Tonne Sprengstoff. Zu den Opfern zählten Zivilisten sowie Angehörige von Polizei und Geheimdienst.

Präsident Wladimir Putin verurteilte in Moskau den Anschlag als Versuch, "den Prozess einer friedlichen Lösung für Tschetschenien zu stoppen". Dies werde er nicht zulassen, sagte Putin im Fernsehen. Bis zum 1. Oktober solle die Regierung einen Vertrag ausarbeiten, der die Vollmachten zwischen der Zentralführung und der Teilrepublik Tschetschenien regelt. Putin muss am Freitag seinen jährlichen Bericht zur Lage der Nation vorlegen.

In Snamenskoje, das etwa 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Grosny liegt, zerstörte die Bombe das Verwaltungsgebäude sowie sechs umliegende Häuser. Darin waren auch die örtliche Polizei und die Filiale des Inlandsgeheimdienstes FSB untergebracht. "Die Explosion riss einen Krater, der 14 Meter breit und bis zu sechs Meter tief ist", sagte der Sekretär des tschetschenischen Sicherheitsrates, Rudnik Dudajew. Rettungsmannschaften suchten noch am Abend in den Ruinen nach weiteren Opfern.

Kadyrow machte in einer ersten Reaktion die Rebellenführer Aslan Maschadow und Schamil Bassajew für den Anschlag verantwortlich. Er ordnete mit sofortiger Wirkung eine dreitägige Trauer in der Republik an.

In Snamenskoje haben auch der russische Menschenrechtsbeauftragte für Tschetschenien und Beobachter des Europarates ihren Sitz. Das flache Gebiet am Fluss Terek gilt eigentlich als ruhig. Bei einem ähnlichen Selbstmordanschlag mit einer Autobombe hatten Rebellen Ende Dezember in Grosny mehr als 80 Menschen getötet.

Im März hatte die tschetschenische Bevölkerung in einem Referendum auf Betreiben des Kremls für eine neue Verfassung ihrer Teilrepublik gestimmt. Auf dieser Grundlage sollen bis zum kommenden Frühjahr Parlaments- und Präsidentenwahlen in Tschetschenien abgehalten werden. Verhandlungen mit den Rebellen hat der Kreml seit dem Wiedereinmarsch russischer Truppen in die Kaukasusrepublik im September 1999 stets abgelehnt.

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