Archiv
Putin will stärker einbezogen werden

Als Konsequenz aus den Anschlägen in den USA hat Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag im Bundestag den Aufbau einer neuen globalen Sicherheitsarchitektur unter Einschluss Russlands gefordert.

rtr BERLIN. Putin sagte am Dienstag in einer auf Deutsch gehaltenen Rede vor dem Parlament in Berlin, nach dem Ende des Kalten Krieges sei es noch nicht gelungen, einen effektiven Mechanismus der Zusammenarbeit der Staaten aufzubauen. "Ohne eine moderne, dauerhafte und standhafte internationale Sicherheitsarchitektur schaffen wir auf dem Kontinent nie ein Klima des Vertrauens", sagte Putin.

Schuld an den Anschlägen seien vor allem "die Politiker, denen einfache Bürger in unseren Staaten ihre Sicherheit anvertraut haben." Sie hätten es immer noch nicht geschafft, "die Veränderungen zu erkennen, die in den letzten zehn Jahren geschehen sind." Putin, der als erstes russisches Staatsoberhaupt eine Rede vor dem Bundestag hielt, fügte hinzu: "Wir leben weiterhin im alten Wertesystem. Wir sprechen von einer Partnerschaft, aber in Wirklichkeit haben wir immer noch nicht gelernt, einander zu vertrauen." Er kritisierte insbesondere, dass Russland aus wichtigen Entscheidungen etwa der NATO ausgeschlossen werde.

Die bisher aufgebauten Koordinationsorgane räumten Russland keine Möglichkeit ein, bei der Beschlussfassung mitzuwirken. "Heutzutage werden Entscheidungen manchmal überhaupt ohne uns getroffen - nur werden wir dann nachträglich gebeten, sie zu bestätigen." An die Abgeordneten des Bundestages gewandt sagte Putin: "Man muss fragen, ob das echte Partnerschaft ist?" Die Welt von heute sehe sich neuen Gefahren wie dem Terrorismus oder dem Drogenhandel ausgesetzt. Dem müsse die Zusammenarbeit in der Sicherheit gerecht werden.

Putin unterstützt den US-Präsidenten

Zugleich unterstützte Putin die Bemühungen der USA um eine Allianz gegen Staaten und Gruppen, denen sie Terrorismus vorwirft. Er sei auch mit dem Einsatz militärischer Mittel gegen Terroristen einverstanden: "Natürlich soll das Böse bestraft werden: Ich bin einverstanden." Er fügte jedoch hinzu, Gegenschläge könnten einen vollständigen, zielstrebigen und gut koordinierten Kampf gegen den Terrorismus nicht ersetzen: "In diesem Sinne bin ich voll und ganz mit dem amerikanischen Präsidenten einverstanden."

Putin rechtfertigte auch den Krieg in Tschetschenien als Kampf gegen fundamentalistische Terroristen. "Religiöse Fanatiker" hätten die Macht in der russischen Teilrepublik an sich gerissen und das Volk zu Geiseln genommen. Terrorismus und Separatismus hätten überall auf der Welt die gleichen Wurzeln. Putin war zuvor mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem politischen Gespräch zusammengekommen. Am Mittwoch besucht Putin Nordrhein-Westfalen, am Donnerstag Dresden, wo er in den 80er- und 90er-Jahren als KGB-Agent tätig war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%