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Puts werden für Anleger attraktiver

Die Unsicherheiten an den Märkten bleiben bestehen, noch immer sind hohe Schwankungen zu beobachten. Anleger, die sich Puts kaufen, können von dieser Situation profitieren.

FRANKFURT/M. Die wichtigsten Aktienindizes haben seit dem 11. September zwischenzeitlich zwar schon wieder das Niveau von vor den Anschlägen erreicht. Nach den Terrorattacken auf New York und Washington haben aber auch die Schwankungen an den Märkten (Volatilitäten) stark angezogen. Anleger von Optionsscheinen sollten berücksichtigen, dass diese immer noch sehr hoch sind.

Wie stark der Deutsche Aktienindex (Dax) schwankt, misst der von der Deutschen Börse berechnete VDax: In der Vergangenheit lag der durchschnittliche Wert bei 23. Nach dem 11. September kletterte der VDax auf 42, am 21. September erreichte er sein Hoch bei 52. Auch heute noch ist der Wert des VDax mit 33 überdurchschnittlich hoch. Das bedeutet, dass die Unsicherheit an den Märkten bestehen bleibt, hohe Kursausschläge in beiden Richtungen sind weiterhin zu erwarten. Als Anlagestrategie empfehlen sich in diesem Umfeld Verkaufsoptionsscheine (Puts) auf Indizes.

"Wenn der Dax fällt, steigt meist die Volatilität", erklärte Optionsscheinexperte Florian Brechtel von der Deutschen Bank. Put-Optionsscheine seien nicht nur deshalb für Anleger interessant, weil diese mit solchen Scheinen auf fallende Kurse spekulieren könnten. Puts gewännen auch bei anziehenden Volatilitäten, denn schließlich steige damit die Wahrscheinlichkeit, dass der Optionsschein am Verfallstag einen inneren Wert habe.

Ein Beispiel: Der Preis eines 4 000-er Puts beträgt bei einer Volatilität von 39 und einem Dax bei 4 530 Punkten 1,83 . Steigt die Volatilität auf 45, ist der Schein 2,37 wert. Bleibt die Volatilität gleich und fällt der Dax auf 4 000 Punkte, kostet der Schein schon 3,63 . Steigt die Volatilität auf 45 und fällt der Dax auf 4 000, kann der Anleger den Schein für 4,21 verkaufen.

Bislang haben die Verkaufsoptionsscheine im Vergleich zu den Kaufoptionsscheinen (Calls) nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Warrant-Emittenten zufolge aber nimmt die Bedeutung der Puts zu. "Die Handelsvolumen in Calls und Puts haben sich zugunsten der Puts verschoben", bestätigte Kim Gayer, zuständig für Optionssscheine bei der Société Générale (SocGen). "Bei Optionsscheinen auf inländische Indizes kamen zu Jahresbeginn noch auf einen Put zwei Calls, inzwischen kommen auf einen Call zwei Puts", ergänzte Brechtel.

"Für uns ist es völlig neu, dass so viele Puts gekauft werden", sagte Geyer. Er vermutet vor allem kurzfristig orientierte Daytrader hinter den Käufen, die auf den fallenden Gesamtmarkt spekulierten oder ihr Portfolio gegen Verluste absichern wollten. Privatanleger wollten hingegen schon aus psychologischen Gründen in der Regel lieber an steigenden Kursen verdienen. Brechtel sieht das etwas anders. "Es gibt auch Anleger, die von der anderen Richtung profitieren wollen. Schließlich haben sie gesehen, dass die Märkte nach unten tendieren", sagte er. Deshalb suchten sie sich Produkte, mit denen sie auf dieses Szenario spekulieren könnten. Immer mehr wollten mit Puts aber auch ihr Depot absichern, räumte er ein.

Dass die Optionsscheinhäuser demnächst mehr Puts als bisher ausgeben, glaubt Brechtel aber trotzdem nicht. Auf Indizes würden immer genauso viele Calls wie Puts begeben, erklärte er. Und ob Anleger auch verstärkt Verkaufsoptionsscheine auf einzelne Aktien nachfragten, sei aus den oben genannten psychologischen Gründen dahingestellt. "Wir fragen auch immer bei den Unternehmen vorher an, ob sie damit einverstanden sind, dass wir Puts auf sie begeben", fügte er hinzu. Da es aber auf die meisten Unternehmen auch Put-Optionen an der Terminbörse gebe, stünden diese dem Optionsscheinmarkt zunehmend offener gegenüber.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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