PwC soll schon 1999 von hoher Verschuldung gewusst haben: Enron-Debakel war frühzeitig absehbar

PwC soll schon 1999 von hoher Verschuldung gewusst haben
Enron-Debakel war frühzeitig absehbar

Die Enron-Pleite zieht immer weitere Kreise. Nach einem Bericht der "New York Times" vom Wochenende hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) bereits vor drei Jahren von den finanziellen Problemen des inzwischen zahlungsfähigen US-Energiehandelsunternehmens gewusst. Bislang hieß es, dass nur Mitarbeiter von Enron beziehungsweise von dessen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen von den Unregelmäßigkeiten in den Büchern Kenntnis hatten.

HB WASHINGTON/DÜSSELDORF. Wie die "New York Times" berichtet, nahmen die PwC-Berater 1999 eine Unternehmenswertermittlung (due diligence) für Enron vor. Dabei seien sie auf Zahlen gestoßen, die gar nicht zum Bild des prosperierenden Industrieriesens passten. Im Verhältnis zum Firmenwert, berichtet die Zeitung, habe die Verschuldungsquote schon damals bei Besorgnis erregenden 70 bis 75 % gelegen. Offiziell betrug Enrons Veschuldung nur 55 %.

Auch ein deutsches Unternehmen ahnte wohl schon frühzeitig etwas von den Enron-Problemen. Die damalige Veba AG, die sich Mitte 2000 mit der Münchner Viag AG zu Eon zusammenschloss, führte Mitte 1999 Fusionsgespräche mit dem US-Energieunternehmen. Obwohl die Verhandlungen gut vorankamen scheiterte das Fusionsvorhaben in letzter Sekunde.

Während die Veba einen "Merger of Equals", also eine Fusion zweier gleichstarker Partner anstrebte, soll Enron einen höheren Anteil an dem deutsch-amerikanischen Energiekonzern für sich reklamiert haben. Veba soll, heißt es in Kreisen des Düsseldorfer Konzerns, jedoch misstrauisch geworden sein, als Enron sich weigerte, seine Bücher offenzulegen. Gegenüber dem Handelsblatt wollte ein Eon-Sprecher das allerdings nicht bestätigen.

Nach bisherigem Kenntnisstand haben die Berater von PwC 1999 für ihre Recherche vor allem öffentlich zugängliche Informationen genutzt. Das bedeutet: Auch Regulierungsbehörden wie die Börsenaufsicht SEC oder das für Geschäftberichte zuständige Financial Accounting Standards Board (FASB) hätten die finanziellen Machenschaften Enrons schon vor Jahren erkennen können. Die SEC startete ihre Untersuchungen erst Mitte 2001.

In den laufenden Anhörungen des amerikanischen Kongresses geht es bisher darum, die Schlupflöcher zu finden, die Enron und seine Wirtschaftsprüfer nutzten. Doch nach den jüngsten Informationen sehen nun einige Experten das Problem mehr in der Kontrolle - und nicht im Regelwerk selbst: "Was geholfen hätte, wäre eine völlige Enthüllung von Enron gewesen. Eine Prüfung durch die SEC oder FASB hätte das Unternehmen vor dem Bankrott gerettet", sagt John Olson, ein langjähriger Enron-Kritiker und Aktienanalyst bei Sanders Morris Harris in Houston/Texas.

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