Qiagen reisst Segment mit in die Tiefe
Neuer Markt mit rasanter Talfahrt

Auf ihrem Weg an die Börse haben die meisten Firmen-Startups in den vergangenen Jahren den Ratschlag genommen, für einen "guten Newsflow" zu sorgen. Damit meinten die Berater, dass die Kommunikationsabteilungen den Fluss von Nachrichten (natürlich nur guten!) stetig dahinplätschern lassen sollten, um den aufstrebenden Börsenneulingen die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Marktes zu sichern.

FRANKFURT/M. Die niederländische Biotechnologiefirma Qiagen folgt diesem Rat derzeit nicht. Zuerst sorgte das Unternehmen mitten in diesen von Bilanzierungsskandalen geprägten Tagen mit dem Wechsel ihres Wirtschaftsprüfers für Unruhe und Kursverluste. Dazu kam gestern auch noch eine Gewinnwarnung, die den Börsenwert der Gesellschaft auf einen Schlag um fast ein Drittel reduzierte. Gut 400 Millionen Euro, einfach futsch.

Da der Titel zu den größten Schwergewichten am Neuen Markt zählt, hinterließ der Kurseinbruch natürlich auch in den Indizes seine Spuren. Der Nemax 50 schloss um 5,4 % leichter bei 527 Punkten. Den Nemax riss es um 5,4 % in die Tiefe, der Index schloss mit 591 Zählern erstmals in diesem Jahr unter der 600-Punkte-Marke. Die New Yorker Technologiebörse Nasdaq, an der sich die Kursverluste in Grenzen hielten, war zur Abwechslung mal nicht tonangebend für das Geschäft in Frankfurt.

Gesamter Biotechnologiesektor unter Druck

Wenn schon nicht der Kapitalmarkt, dann waren es aber zumindest Hinweise auf Branchenentwicklungen aus den USA, die die Ausverkaufsstimmung am Neuen Markt noch anheizten. Und noch einmal Qiagen: Das Unternehmen begründete seine Gewinnwarnung vor allem damit, dass die US-Pharma-Unternehmen ihre Etats für die Biotech-Forschung gekürzt hätten. Das zeugt von ihrer kaufmännischer Vorsicht, denn nur die wenigsten Forschungsprojekte bringen eine marktfähiges Produkt hervor. Da die Suche nach neuen Wirkstoffen und Antikörpern aber extrem kostspielig ist, sind die meisten Biotechfirmen ohne die Konzerne im Rücken nicht viel wert. Kein Wunder also, dass Qiagen den gesamten Sektor belastete. Morphosys verloren mehr als 6 % . Die Papiere des Biotech-Zulieferers Evotec OAI knapp 5 % und die Aktien der bei verschiedenen Biotech-Firmen engagierten Investmentgesellschaft BB Biotech 1,6 % .

Auch für den Chipsektor kam die neue Hiobsbotschaft aus Übersee. Der nach Intel zweitgrößte Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) senkte seine Prognosen zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Das wäre gar nicht nötig gewesen, um die Aktien der SZ Testsysteme AG um knapp 30 % einbrechen zu lassen. Denn auch der kleine Anbieter von Testgeräten für Chips und andere Bauteile hat Planzahlen drastisch reduziert. Der Chipbroker CE Consumer Electronic, der für 2002 inzwischen mit roten Zahlen rechnet, gab noch einmal mehr als 10 % auf 1,83 Euro ab.

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