Qualcomm legen zu
Wall Street zeigt noch keine klare Tendenz

Die Wall Street ist am Montagmorgen erneut mit Verlusten gestartet, eine halbe Stunde nach Handelsbeginn holt sich ein wenig euphorischer Markt erste Gewinnen. Es scheint, dass nur Banker und Broker erholt aus dem Ski-Wochenende kommen, die US-Märkte konnten seit Freitag keine Kraft sammeln. Der Dow Jones Index notiert mit einem Plus von 48 Zählern, die Nasdaq verbessert sich um 5 Pünktchen.

Die Börsianer schließen an eine schwache Woche an, die dank einer Wochenendrally am späten Freitagnachmittag zumindest ein symbolisch versöhnliches Ende fand. Dennoch täuscht auch die späte Kletterpartie nicht darüber hinweg, dass der Dow Jones mit einem Minus von 1,6 Prozent auf 9 744 Punkte die schwächste Woche des jungen Jahres hinter sich hat. Für die technologie-lastige Nasdaq war es mit einem Minus von 4,8 Prozent auf 1 819 Punkte sogar die schlechteste Woche seit der Woche nach den September-Attentaten.

Am Montagmorgen gibt es nur wenige Unternehmensberichte und da auch keine News aus dem konjunkturellen Umfeld vorliegen, hängt der Handel an der aktuellen Stimmung auf dem Parkett. Und dort fragt man sich am Morgen, ob einer allgemein optimistischen aber nicht faktisch untermauerten Umfrage mehr zu glauben sei oder dem sezierenden Blick in einen Konsumenten-orientierten Sektor, der seine moderaten Zukunftserwartungen am Wochenende in New York präsentierte: die Spielzeugbranche:

Während nämlich in einer Umfrage des Wirtschaftsdienstes Blue Chip Economic Indicators 95 Prozent der befragten Ökonomen mit einem Ende der Rezession bis Ende März rechnen, und 42 Prozent die Wende bereits zu beobachten glauben, geben die Spielzeughersteller einen anderen Trend vor: Nach teurem Technik-Schnickschnack wie dem Roboterhund und dem chip-gesteuerten Fusselmonster Furby in den vergangenen Jahren geht der Trend wieder zu ungleich billigeren Puppen, Modellautos und - es ist das Revival des Jahrtausends - zum Yo-Yo. Die Unternehmen rechnen mit anhaltend schwachen Konsumentenausgaben und bedienen den Markt unter 15 Dollar.

Zu den wenigen großen Gewinnern gehört die Aktie von Qualcomm . Das Unternehmen hatte zuletzt im Zuge der Angst vor Bilanz-Ungereimtheiten verloren, am Morgen halten zumindest die Analysten von Morgan Stanley diese Angst für unbegründet, und auch andere Analysten geben Entwarnung. Die Aktie gewinnt 4,5 Prozent.

Etwas Boden gutmachen könnte zum Wochenauftakt auch der Chip-Sektor. Eine der schwächsten Branchen der letzten Handelswoche profitiert am Morgen von Upgrade verschiedener Analysten. Die Experten der Credit Suisse First Boston stufen National Semiconductor und Micrel auf "Kaufen" auf. Sie sehen sowohl für die beiden Unternehmen als auch für die Branche den Boden erreicht. Die beiden mittelgroßen seien gut positioniert, weil sie unter einem aktuellen Tech-Pessimismus weniger leiden als die Marktführer, aber noch immer bessere Wachstumschancen und mehr Kurssicherheit bieten als die Branchenzwerge mit geringer Marktkapitalisierung. Am frühen Morgen legen National Semi und Micrel um 3 Prozent zu.

Abwärts hingegen geht es für Microsoft . Der Computerriese aus Seattle wird von den Analysten von Merrill Lynch nur mit "neutral" eingestuft. Der PC-Absatz bleibe weiter schwach, glauben die Experten, und auch das Geschäft mit Groß- und Firmenkunden dürfte zunächst keine Erholung sehen. Microsoft verliert 1,5 Prozent.

Auch auf die Finanzwerte drücken am Morgen Downgrades. Nach einer starken Woche für den Sektor setzen die Analysten von JP Morgan die Gewinnerwartungen für den Branchenkollegen Goldman Sachs herab. Statt einem Anteilsplus von 95 Cent rechnen sie mit einem Gewinn von nur noch 87 Cent pro Aktie. Schuld daran sei, die Katze beißt sich in den Schwanz, das rückläufige Handelsvolumen an den Börsen.

Unterdessen knöpfen sich die Analysten der UBS Warburg die Fluggesellschaften vor und setzen Delta Airlines auf "kaufen" herab. Die Experten sehen das Unternehmen im Branchenvergleich nicht mehr so stark positioniert, dass sie ein Rating auf "aggressiv kaufen" länger halten könnten.

Kursgewinne verzeichnen einige der großen Industrie-Konglomerate, obwohl die Nachrichtenlage durchwachsen ist. Minnesota Mining & Manufacturing (3M) legt am Morgen trotz eines wenig optimistischen Ausblicks von Lehman Brothers zu. Die Analysten loben zwar die effizienten Sparmaßnahmen, die das Unternehmen in den beiden letzten Quartalen ergriffen hatte, sehen aber nach wie vor "kein Licht am Ende des Tunnels". Sie stufen 3M auf "halten". Auch Tyco gehört zum Wochenauftakt zu den Gewinnern. Der Mischkonzern, ein Opfer der "Enron-itis" hatte die letzte Woche als einer der schwächsten Performer beendet.

Mit einem Plus von fast 3 Prozent startet Halliburton . Finanzchef Doug Foshee hat am Morgen erneut bekräftigt, dass das Unternehmen auch in eventuell teuren Asbestklagen kein Risiko für das angekündigte Gewinnwachstum in 2002 und 2003 sieht. Was die Aktie im Laufe des Tages belasten könnte, sind schlechte Nachrichten aus dem Ölsektor, in dem Halliburton auch vertreten ist: Wenige Wochen, nachdem sich Russland mit den OPEC-Staaten auf eine drastische Reduzierung der Fördermengen geeinigt haben, scheint es, als hielte man sich nicht an die Abmachung. In Russland ist die Fördermenge im Januar um 60.000 Barrel pro Tag gestiegen, was auf den nach wie vor schwachen Ölpreis drückt.

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