Qualität der Bewerber gestiegen: Bin ich Master, bin ich König

Qualität der Bewerber gestiegen
Bin ich Master, bin ich König

Die MBA-Schulen in Europa und den USA verzeichnen Rekordbewerberzahlen. Es wird enger.

Noch nie haben sich so viele Deutsche für einen MBA interessiert wie heute. Das ist, auf den einfachsten Nenner gebracht, das Ergebnis einer Umfrage des in London ansässigen MBA-Messeveranstalters Topmba.com, der weltweit fast 30 MBA-Messen organisiert. Die Interessenten drängen sich in Rekordzahlen auf die in Kooperation mit dem Handelsblatt organisierten MBA-Messen in Frankfurt und München.

"Weltweit verzeichnen Business Schools eine Rekordzahl an MBA-Bewerbungen", sagt World-MBA-Tour-Chef Nunzio Quacqarelli. "Die Steigerungsraten sind zum Teil im oberen Bereich zweistellig."

Dabei unterscheiden sich deutsche MBA-Interessenten in einigen Punkten von denen in anderen Ländern. Zum einen sind sie deutlich älter, was mit der Länge des deutschen Erststudiums zusammenhängt. "Der durchschnittliche deutsche MBA-Interessent ist 28 Jahre alt, während der weltweite Durchschnitt bei 26,9 Jahren liegt", stellte Topmba.com fest. "30 Prozent der Interessenten sind über dreißig Jahre als, die weltweite Zahl liegt bei nur 22 Prozent." Altersmäßig bedingt ist bei Deutschen auch das Interesse an Teilzeit-MBA-Programmen (Executive MBA) größer.

Aber auch in der Motivation unterscheiden sich deutsche MBA-Interessenten. So gaben 56 Prozent der im letzten Jahr in Frankfurt und München befragten World-MBA-Tour-Besucher an, dass sie sich vom Master-Titel einen Jobwechsel versprechen, deutlich mehr als der weltweite Schnitt (48 %). Aber nur 30 Prozent (gegenüber 37,6 %) sehen ihre Motivation in einem höheren Gehalt. Und nur für 19 Prozent ist der MBA der Start für ein eigenes Unternehmen, während weltweit immerhin 27 Prozent von der Selbstständigkeit träumen.

Fast kurios auch die Antworten auf die Frage nach der Finanzierung des mitunter sehr, sehr teuren MBA-Studiums. Deutlich mehr Deutsche als der internationale Schnitt gaben an, auf eigene Ersparnisse zurückgreifen oder die Eltern/Familie anpumpen zu wollen. Und noch immer scheinen Deutsche Schwierigkeiten mit der Idee zu haben, für die Finanzierung ihres Studiums ein Darlehen aufzunehmen - dann soll es schon eher die eigene Firma bezahlen.

Eine stichprobenhafte Befragung von einem Dutzend führender Business Schools, die das Handelsblatt in den letzten Tagen durchführte, ergänzt und nuanciert einige dieser Ergebnisse.

"Die Bewerberzahlen für September 2002/Januar 2003 waren im Vergleich zum Vorjahr enorm gestiegen (plus 50 Prozent)", sagt Helle Jensen bei Insead, einer der drei europäischen Topschulen. "Aber wir erwarten nicht, dass dieser Trend anhält." Mit anderen Worten: Der Nachfrageboom hat seinen Scheitelpunkt möglicherweise schon überschritten.

"Die Bewerbungen sind im letzten Jahr mit plus 40 Prozent sehr stark angestiegen", bestätigt Kim Keating von der US-Topschule Tuck. "Aber bei allen führenden Business Schools in den USA sind die Bewerberzahlen in diesem Jahr schon wieder rückläufig."

Was bedeuten solche Zahlen für deutsche MBA-Interessenten? Da die Business Schools die Zahl der verfügbaren MBA-Plätze nicht erhöhen, bedeutet eine größere Nachfrage mehr Wettbewerb, also möglicherweise auch geringere Chancen, in ein gutes Programm zu kommen, selbst wenn sich die Nachfrage auf hohem Niveau einpendeln sollte und nicht mehr weiter steigt.

"Die Qualität der Bewerber ist in den letzten Jahren immer besser geworden", bestätigt Julia Tyler, MBA-Programmdirektor an der London Business School. "In den letzten fünf Jahren ist das durchschnittliche Ergebnis unserer Bewerber beim Eingangstest GMAT von 620 auf 690 gestiegen. Der Wettbewerb ist knallhart."

Hier und da wird auch der Verdacht geäußert, dass insbesondere US-Schulen versucht sein könnten, bei einer Vielzahl von sehr guten amerikanischen Kandidaten weniger Nicht-Amerikaner zuzulassen oder zumindest bei Stipendien eine nationale Präferenz spielen zu lassen. So lässt sich beobachten, dass bei einigen US-Schulen der Ausländeranteil in diesem Jahr gesunken ist.

Bei den guten Schulen weist man einen solchen Verdacht zurück: "Egal wie die Bewerberzahlen variieren, sucht Wharton die MBA-Studenten nicht nach ihrer Nationalität, sondern nur nach der Qualität aus", sagt Rosemaria Martinelli, Admissions & Financial Aid Director der US-Topschule. "Wir haben keine nationalen Quoten."

Ein ähnliches Bild zeichnet man auch an der Columbia Business School. "In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Deutschen in unserem MBA-Programm bei jedem Jahrgang etwa gleich hoch", sagt Maria Graham von der New Yorker Topschule. "Ich gehe nicht davon aus, dass sich das ändern wird."

Besonderen Optimismus verbreitet die Tuck School of Business: "Wir suchen besonders nach europäischen Bewerbern für unser MBA-Programm, und das Quotensystem spielt zu ihrem Vorteil. Und da sich weniger ausländische Studenten bewerben, erhöht das für die verbleibenden ausländischen Bewerber noch einmal die Chancen. Für deutsche Interessenten ist dies ein großartiger Moment, sich bei uns zu bewerben."

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