Quam-Debakel löst heftige politische Auseinandersetzungen aus
Sonera-Fehlinvestitionen erschüttern finnische Regierung

In Finnland hat der Rückzug des staatlich kontrollierten Telekom-Konzerns Sonera aus dem deutschen UMTS-Geschäft zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung geführt. Sie könnte sich zu einer schweren Belastung für die Koalitionsregierung von Paavo Lipponen entwickeln.

hst STOCKHOLM. Sonera und die spanische Telefónica hatten Ende Juli angekündigt, ihr deutsches UMTS-Joint-Venture Quam auf Eis zu legen. Sonera, die an Quam 40 % hält, hat daraufhin in ihrer Halbjahresbilanz die in Deutschland investierten 3,8 Mrd. Euro abgeschrieben. Hinzu kommen weitere 440 Mill. Euro, die Sonera in den italienischen Mobilfunkbetreiber Ipse investiert hatte.

Mit der Abschreibung räumen die Finnen ein, dass ihre deutsche UMTS-Lizenz, die sie zusammen mit Telefónica ersteigert hatten, einen Buchwert von Null besitzt. "Sonera stärkte den deutschen Haushalt", kritisiert die finnische Presse. Die Generalstaatsanwaltschaft und parlamentarische Ausschüssen beschäftigt derzeit die Frage, ob die finnische Regierung grünes Licht für Soneras Teilnahme an der UMTS-Auktion in Deutschland gegeben hat. Der finnische Staat hält 53 % an Sonera.

Während Regierungschef Lipponen mehrfach beteuert hat, dass seine Regierung sich nicht in die Entscheidungen der Sonera-Konzernleitung eingemischt habe, behaupten ehemalige Sonera-Aufsichtsratsmitglieder das Gegenteil. Der finnische Generalstaatsanwalt untersucht die Angelegenheit.

Während Soneras Deutschland-Abenteuer die finnische Politik derzeit beschäftigt, sorgt die geplante Fusion von Sonera mit der staatlich kontrollierten schwedischen Telekom-Gesellschaft Telia für weitere Kopfschmerzen. Eigentlich hätte die erste grenzüberschreitende Ehe zweier staatlich kontrollierter Telekom-Gesellschaften in Europa bereits im Juli unter Dach und Fach gewesen sein sollen. Doch nach Unklarheiten über die Bewertung beider Unternehmen gab vergangene Woche die amerikanische Börsenaufsicht SEC bekannt, dass sie für eine US-Genehmigung des Deals mehr Zeit benötige. Frühestens Ende September ist mit einer SEC-Genehmigung zu rechnen. Damit besteht die Gefahr, dass das Telia-Angebot an die Sonera-Aktionäre weiter verwässert wird: Im März, als die Eheschließungspläne bekannt gegeben wurden, belief sich das Übernahmevolumen auf rund 7,5 Mrd. Euro. Mittlerweile ist es auf unter 5 Mrd. Euro gesunken.

Quelle: Handelsblatt

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