Quartalsbilanz der Unternehmen ist bislang zufriedenstellend
Für die Wende ist es noch zu früh

Erleichtert reagieren Investoren auf die bisherige Quartalssaison. Größere Ausrutscher wie bei Intel sind die Ausnahme. Viele Firmen wie Microsoft und SAP überraschen positiv. Vor allem bei Technologiewerten hatte die Börse Schlimmeres befürchtet. Dennoch bleiben in diesem Sektor die Probleme am größten.

DÜSSELDORF. An den Börsen ist es ein bekanntes Spiel: Die Unternehmen setzen die Erwartungen weit herunter, um sie anschließend leichter schlagen zu können. Am Ende freut sich der Aktionär, dass die Kurse steigen - nachdem sie vorher gefallen sind. Getreu diesem Schema verläuft auch die bisherige Saison: Vielen vorangegangenen Gewinnwarnungen stehen jetzt ebenso viele gute Quartalsergebnisse gegenüber. Die Mehrheit der Unternehmen schlägt die Prognosen.

Trotz des bekannten Schemas reagiert die Börse dieses Mal so euphorisch wie nie zuvor. Seit Beginn der Datenflut gewann der Deutsche Aktienindex (Dax) 26 %. Der Grund: Die Stimmung war im Vorfeld der Bilanzsaison so schlecht, dass Anleger nach den Ertragswarnungen Schlimmstes befürchtet hatten. "Der Markt freut sich, dass es überhaupt noch Unternehmensgewinne gibt", sagt Sal. Oppenheim-Stratege Ralf Zimmermann. "Die Leute wagen sich wieder vor", erläutert Anthony Iuliano, Chefaktienhändler von Glenmede Trust.

Enthusiastisch reagierten Investoren darauf, dass Marktführer wie General Electric, Nokia, SAP und IBM nicht nur die Prognosen schlugen, sondern zugleich mit hohen Erträgen und steigenden Margen glänzten. Negative Nachrichten wie von Coca Cola und Motorola belasteten dagegen nicht.

Bei aller Euphorie vergaßen Anleger für ein paar Tage, dass sich an der negativen Gesamttendenz nichts ändert. "Die Ergebnisse lesen sich so gut, weil zuvor die Erwartungen stark nach unten revidiert wurden. Eine Trendwende sehe ich nicht", sagt Merrill- Lynch-Stratege Michael Sauerborn. So ändert sich an der gebremsten Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Software und IT-Dienstleistungen nichts, wie die Ausblicke vieler Technologiefirmen zeigen. Die Umsätze stagnieren oder gehen zurück. Höhere Gewinne wie bei SAP und Nokia resultieren aus Restrukturierungen samt Entlassungen. Doch die Kosten lassen sich so nicht immer weiter senken.

"2003 wird ein verlorenes Jahr für die IT-Branche sein", prophezeit Thomas Becker von HSBC. Die Skepsis beruht auf sehr zurückhaltenden Ausblicken. So wagen Nokia und General Electric für 2003 keine Prognose, obwohl sie aktuell bessere Geschäfte als erwartet machen. Zu schwierig und unsicher sei die gesamtwirtschaftliche Lage, heißt es unisono.

Wird die Börsenrally deshalb rasch im Keim erstickt? Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim rechnet auf mittlere Sicht mit höheren Kursen, obwohl die Unternehmensausblicke für 2003 sehr verhalten ausfallen und die fundamentale Situation schwierig bleibt: "Die Börse hat dennoch Platz nach oben, weil viele negative Konjunkturszenarien bereits eingepreist sind. Auf kurze Sicht werden wir wohl aber angesichts des schnellen Anstiegs eher eine kleine Pause einlegen." Zimmermann hält vor allem europäische Aktien gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Rendite gegenüber Anleihen für attraktiv bewertet. Allerdings schränkt er ein: "Technologie-Aktien werden im weiteren Verlauf zurückbleiben, auch wenn sie jetzt stürmisch vorangelaufen sind." Die Gründe: Der High-Tech-Sektor leide unter größeren fundamentalen Probleme als andere Branchen, zudem sei er im Vergleich immer noch teuer. Die schlechten Ausblicke von Intel, Motorola oder Ericsson geben ihm bislang recht.

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