Quartalsergebnis
HypoVereinsbank verfehlt Erwartungen der Analysten

Das Kreditinstitut verbuchte im dritten Quartal einen Gewinn von 280 Millionen Euro.

Reuters MÜNCHEN. Die HypoVereinsbank AG sieht sich trotz eines hinter den Erwartungen zurück gebliebenen dritten Quartals auf gutem Weg, ihre Gewinn- und Renditeziele in diesem Jahr zu erreichen und will ihre Immobilienstrategie neu ausrichten. Europas größter Immobilienfinanzierer müsse sich neu positionieren und seine Effizienz steigern, sagte HVB-Vorstandschef Albrecht Schmidt am Donnerstag in München. Das Vorsteuerergebnis der Bank lag in den ersten neun Monaten bei 1,428 (1999: 0,225) Mrd. Euro. Für das dritte Quartal blieb das Ergebnis damit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. HVB-Aktien verloren am Donnerstag nach Veröffentlichung der Zahlen gegen den Markttrend an Boden.

Für die drei Monate Juli bis September wies das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut einen Vorsteuergewinn von 280 (78) Mill. Euro aus. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit 322 Mill. Euro gerechnet. HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler sagte dazu, die Bank rechne im vierten Quartal noch mit einem Sonderertrag aus Finanzanlagen. "Beim Betriebsergebnis liegen wir voll im Plan", fügte er hinzu. Auch die geplante Eigenkapitalrendite von neun Prozent sei erreichbar. Der operative Gewinn stieg den Angaben zufolge in den ersten neun Monaten auf 1,470 (0,176) Mrd. Euro. Nach Steuern wies die HVB für neun Monate 782 (131) Mill. Euro aus. Bereits von Dezember an werde die Bank Austria, die die HVB im Juli übernommen hatte, in die Bilanz aufgenommen.

"Die Zahlen waren nicht berauschend", sagte ein Händler. Dagegen zeigte sich sich Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck, Finck & Co. mit den Zahlen nicht unzufrieden. "Das erlaubt der Bank immer noch, ihr Ziel von deutlich mehr als zwei Mrd. Euro Gewinn vor Steuern zu erreichen", sagte er.

Die Risikovorsorge, die 1999 noch bei knapp 2,5 Mrd. Euro gelegen hatte, soll drastisch sinken. Die für 2000 angepeilte Marke von unter einer Milliarde Euro werde aber knapp verfehlt. In den ersten neun Monaten war der Wert auf 787 (1854) Mill. Euro gefallen. Zugleich kletterten die operativen Erträge - die Summe aus Zins- und Provisionsüberschuss sowie Handelsergebnis - um 9,7 % kletterten. Dieser Trend werde sich fortsetzen, sagte Vorstandssprecher Schmidt. 1999 hatte die Bank nachträglich ihr Immobilienportfolio erneut um eine Milliarde Euro wertberichtigt. Der Gewinn war daraufhin drastisch eingebrochen.

Die Aktienmärkte reagierten negativ auf die Zahlen. Die HypoVereinsbank-Aktie lag am Donnerstag in der Spitze knapp drei Prozent im Minus und zählte damit zu den größten Verlierern im DAX. Zuletzt lagen die Papiere knapp ein Prozent im Minus bei 62,60 Euro.

Neue Strategie gegen schwaches Immobiliengeschäft

Auf die veränderte Marktlage im Immobiliengeschäft will die HypoVereinsbank mit einer strategischen Initiative reagieren. Um diese soll sich als neues Vorstandsmitglied Claus Nolting kümmern, der bisher Chef der Immobilientochter Bayerische Handelsbank war. Ein Sechs-Punkte-Programm soll Individual- und Mengengeschäft klar abgrenzen und die Internationalisierung des Bereichs weiter vorantreiben. Für das Massengeschäft soll nach den Vorstellungen Schmidts eine "Abwicklungsfabrik" entstehen, die effizienter und kostengünstiger als bisher arbeiten soll. Der Auslandsanteil von bislang 20 % müsse steigen, sagte der HVB-Chef.

Im bisherigen Jahresverlauf wurde das Immobiliengeschäft den Angaben nach vom schwachen Inlandsmarkt belastet. Die Lage in den neuen Ländern habe sich noch nicht entspannt. Der Gewinn des Bereichs vor Steuern ging auf 322 (507) Mill. Euro zurück, die Risikovorsorge stieg auf 381 (164) Mill. Euro. "Auf der Baustelle HypoVereinsbank geht es jetzt darum, den Innenausbau fertig zu stellen", sagte Schmidt. Als nächstes wolle man sich die Fonds- und Vermögensverwaltung vornehmen. Dererfolgreichste Bereich war in den ersten neun Monaten der internationale Wertpapierhandel, der ein Ergebnis von 556 (359) Mill. Euro erwirtschaftete.

Weiter sagte der HVB-Chef, die Ertragsstruktur habe sich bis Ende September "erfreulich verbessert". Das Provisionsgeschäft nahm angesichts stagnierender Zinsüberschüsse an Bedeutung zu. Mit einem unerwartet um ein Drittel höheren Provisionsüberschuss von 1,769 (1,329) Mrd. Euro erreicht es inzwischen 29,6 (25,3) Prozent der operativen Erträge. Der Zinsüberschuss schrumpfte dagegen um zwei Prozent. Die Verwaltungskosten seien auf Grund von Währungseffekten um 3,2 % auf 3,529 (3,418) Mrd. Euro geklettert.

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