Quartalsergebnisse der großen Anbieter brechen reihenweise ein
Software-Industrie bangt um Erholung

Die jüngsten Quartalszahlen belegen: Die lang ersehnte Erholung der Software-Branche rückt in weite Ferne. Mit massiven Sparprogrammen rüsten sich die Firmen für ein schwieriges Jahr 2003.

FRANKFURT/NEW YORK. Die Hoffnung stirbt zuletzt - diese Erkenntnis setzt sich bei immer mehr Managern in der Software-Branche durch. Nachdem gestern Siebel, I2 Technologies und Commerce One teilweise dramatische Umsatz- und Ergebniseinbrüche meldeten, glaubt kaum noch jemand an eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Im Gegenteil: Mit Einstellungsstopps und Stellenabbau richtet sich die Branche auf ein ebenfalls schwieriges Jahr 2003 ein.

Die schlechte Nachrichten häufen sich. So brach der Reingewinn von Siebel Systems, dem Spezialisten für die Steuerung der Kundenbeziehungen (CRM), im abgelaufenen Quartal von 76,6 Mill. auf 29,8 Mill. $ ein. Der Umsatz reduzierte sich von 560 Mill. auf 405 Mill. $. Jetzt will das Unternehmen über 1 000 der 7 164 Stellen abbauen.

Noch dramatischer reagiert i2 Technologies. Der Anbieter von Programmen zur Steuerung der Lieferkette (SCM) will 1 400 von 4 800 Stellen abbauen. Der Umsatz von I2 halbierte sich im zweiten Quartal auf 119,6 Mill. $. Dem steht ein Verlust von 757 Mill. $ gegenüber. Ergänzt wird der Reigen schlechter Nachrichten durch die SAP-Tochter Commerce One, deren Umsatz im abgelaufenen Quartal von 101 Mill. auf knapp 28 Mill. $ fiel.

Selbst in den Zukunftsmärkten CRM und SCM stocken die Geschäfte. Analysten und IT-Experten hatten diesen Nischen bislang noch ein relativ gutes Wachstum bescheinigt, da die Unternehmen mit beiden Produkten schnell ihre Kosten reduzieren können. Doch die Daten der SAP, die gestern ihre bereits bekannten Quartalszahlen im Detail vorstellte, widerlegen diese Annahme. So sackte der Umsatz mit "mySAP SCM" im zweiten Quartal um 31 % auf 104 Mill. ? ab, die Erlöse bei "mySAP CRM" gaben um 3 % auf 101 Mill. ? nach.

Angesichts dessen will auch SAP auf die Kostenbremse treten, um das Ziel einer operativen Ergebnismarge von 21 % im Jahr 2002 doch noch zu erreichen. "Wir werden keine Kündigungen aussprechen, aber frei werdende Stellen nicht wieder besetzen", erklärte Hasso Plattner, Mitgründer und Vorstandsprecher, gestern in New York. Analysten sind skeptisch. "Das ist ein sehr ambitiöses Ziel. Viele Investoren zweifeln daran, was man auch am Kurs der SAP-Aktie sehen kann", sagte David Reynolds von JP Morgan.

Die Branche kämpft damit, dass die Aufträge immer kleiner werden. Hatten große Order früher ein Volumen von 25 Mill. ?, sind es laut Plattner heute 5 Mill. Euro. Zudem musste SAP selbst im robusten Heimatmarkt Europa zusehen, wie mündlich erteilte Aufträge in letzter Minute kippten. SAP-Vertriebschef Leo Apotheker will deshalb seine Mannschaft auf mehr, dafür aber kleinere "Deals" trimmen.

Gleichzeitig verlangen offenbar immer mehr Kunden, dass Verträge nachverhandelt werden. "Es gibt einen neuen Druck auf die Software-Anbieter, existierende Lizenzverträge nach unten zu korrigieren. Dies ist vor allem bei den großen Anwendern zu beobachten. Wird diesem Druck nicht nachgegeben, ist der Anbieter aus dem Rennen", berichtet Helmuth Gümbel, IT-Berater bei Strategy Partners.

Eine schnelle Erholung der Branche wird auch dadurch verzögert, dass viele Konzerne in ihren guten Tagen mehr Software-Lizenzen erworben haben, als sie benötigen. So fanden die Analysten von Morgan Stanley bei einer Umfrage unter Top-Managern heraus, dass 19 % der Unternehmen Lizenzen auf Halde liegen haben, auf die sie zunächst zurückgreifen wollen. "Das ist einer der Gründe, warum es länger dauern wird, bis die Software-Ausgaben wieder anziehen werden", folgern die Analysten.

"Wir sind vorsichtig optimistisch, wir können aber nicht den Rest der Welt ignorieren", wagte SAP-Chef Plattner gestern keine konkrete Prognose für die Zukunft. "Der Markt ist zur Zeit sehr schwer einzuschätzen. Aber ich glaube, SAP ist in einer sehr guten Position", sagte JP-Morgan-Analyst Reynolds.

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