Quartalsergebnisse geben den Werten keinen neuen Schwung
Nur wenig Hoffnung für Telekom-Aktien

Mit Telekomaktien ist im Moment nicht viel los. Die immensen Kosten der UMTS-Lizenzen drücken die Kurse. Zudem stehen die Margen im Festnetz unter Druck. Nur der Mobilfunkriese Vodafone erhält bei Analysten fast durchweg gute Noten. Die Deutsche Telekom wird dagegen ungünstig eingestuft.

FRANKFURT/M. Mitte Oktober konnten die Besitzer von Telekom - Aktien nach langer Durststrecke vorübergehend durchatmen. Nach monatelanger Talfahrt warteten die Kurse der Deutschen Telekom und der übrigen europäischen Branchenriesen endlich wieder einmal mit klaren Kursgewinnen auf.

Doch die Freude währte nur kurz: Die Mini-Rally ist schon wieder beendet, die Kurzzeit-Gewinne sind teilweise zerronnen. Auch die in den letzten Wochen präsentierten Quartalsergebnisse brachten keinen besonderen Schwung. Dabei waren die Zahlen, die die Branchenriesen von Deutsche Telekom bis zur spanischen Telefónica präsentierten, insgesamt gar nicht einmal schlecht. "Es gab keine großen Enttäuschungen", meint etwa Doug White, Telekomexperte bei Commerzbank Securities in London.

Doch den Aktien brachte das nicht den erhofften Auftrieb. "Gute Nachrichten kommen zurzeit nicht durch", bedauert Ralf Hallmann, Telekomanalyst der Bankgesellschaft Berlin. So seien beispielsweise die BT-Zahlen nicht ganz so schlecht wie erwartet ausgefallen. Auch habe das Unternehmen beim Verkauf seiner Beteiligung an dem Schweizer Mobilfunker Sunrise einen guten Preis erzielt. Doch am Aktienmarkt werde "derzeit nur das Negative gesehen", so Hallmann. Das spürt auch die spanische Telefónica, deren Aktienkurs schwächelte, nachdem die Ergebnisse "nur" den Erwartungen der Analysten entsprochen hatten. Nicht einmal der laufende Börsengang der Mobilfunktochter Telefónica Móviles bringt der Aktie Impulse.

Das Umfeld schien etwas verbessert

Die Ernüchterung ist um so größer, als sich das Umfeld für Europas Telekomriesen zuletzt etwas gebessert zu haben schien. Denn in Italien ging vor einigen Wochen die letzte der großen UMTS-Auktionen zu Ende. Mit dem Ende der extrem kostpieligen Versteigerungen - die Lizenzvergaben in Österreich und der Schweiz sind weitaus billiger - sollte nach landläufiger Analystenmeinung eines der Probleme der Branche aus dem Blickfeld der Anleger verschwinden. Überdies scheinen die Telekomriesen aus den Auktionen in Deutschland und Großbritannien gelernt zu haben. Statt mit Milliardenbeträgen um sich zu werfen, zeigten sie sich in Italien und Österreich recht vorsichtig. In der Schweiz platzte die Auktion sogar, weil die Zahl der Bieter auf vier zusammengeschrumpft war.

Freilich sind die UMTS-Kosten nicht der einzige Makel der Branchengrößen. Die "Platzhirsche" leiden zudem unter dem steten Margendruck im Festnetzgeschäft auf Grund der Konkurrenz von Newcomern. "Beides zusammen ist ein bisschen zu viel", meint Fabrice Farigoule, Telekomexperte beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. Alle ehemaligen Telefon-Monopolisten in Europa litten unter wachsender Verschuldung und höheren Risiken in den Bilanzen. Er traut den Aktien auf mittlere Sicht nicht viel zu. Zwar könnte es gelegentlich zu kleineren Kurserholungen kommen, doch dürften diese nur von kurzer Dauer sein und neuerlichen Tiefschlägen Platz machen.

Auch die Commerzbank ist skeptisch. Nach Einschätzung von Doug White dürfte es noch bis weit ins nächste Jahr dauern, bis Telekom-Titel sich freundlich entwickeln. Zuvor stünden u.a. die Platzierungen neuer Telekomaktien - etwa die Mobilfunksparte von France Telecom - einer guten Performance im Weg.

Aus dem Kreis der Branchenführer kann sich Metzler-Experte Farigoule nur für den Mobilfunkgiganten Vodafone begeistern: "Vodafone ist der einzige klare Kauf". Schließlich hätten die Briten als nahezu reinrassiger Mobilfunkanbieter kein Festnetzproblem. Zudem könnten sie Schwächen in einem Land in anderen Märkten ausgleichen.

"Starke Resultate" bei Vodafone im 3. Quartal

Schließlich lieferte Vodafone die bei weitem besten Quartalszahlen. Nicht nur Merrill Lynch spricht von "starken Resultaten", die über den Erwartungen gelegen hätten. Die Börse honorierte das Gewinplus von 24 % mit einem Kursanstieg.

Weniger gut angesehen ist in Analystenkreisen dagegen die Deutsche Telekom. Wie die meisten Ex- Monopolisten sucht die Telekom ihr Heil im Mobilfunkgeschäft, das den Margendruck im Festnetz kompensieren soll. Doch liegen die Deutschen beim Aufbau des internationalen Handy-Geschäfts hinter Konkurrenten wie Vodafone und France Telecom zurück. Nach Ansicht von Farigoule ist die Telekom noch längst kein globaler oder auch nur paneuropäischer Telekomkonzern, sondern nur in zwei Ländern (Deutschland und Großbritannien) wirklich stark. Er rät daher zum Verkauf der Deutsche-Telekom-Aktien.

Ähnlich sehen es die Experten von HSBC. Sie stuften Deutsche Telekom auf "reduzieren" herab. Neben Lücken im europäischen Mobilfunknetz kritisiert HSBC die hohen Schulden, die das Expansionstempo behindern könnten.

Besonders scharf beobachtet wird British Telecom. Um den dahinsiechenden Aktienkurs zu beflügeln, kündigte der hochverschuldete Konzern kürzlich den Börsengang diverser Konzernsparten an. Er will sich im Auslandsgeschäft künftig auf Westeuropa und Japan konzentrieren. Doch die Skepsis bleibt. Dresdner Kleinwort Benson (DKB) etwa glaubt, dass die Umsetzung des Konzernumbaus schwierig sein werde. Und die finanzielle Position bleibe eingeengt. Daher stuft DKB die Aktie nur mit "halten" ein.

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