Quartalsgewinn über Erwartungen
Epcos überrascht Analysten

Der Hersteller elektronischer Komponenten, Epcos, sieht in fast allen Abnehmerbranchen eine Belebung der Nachfrage und rechnet nach einem über den Erwartungen liegenden Ergebnis im abgelaufenen Quartal mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends.

Reuters MÜNCHEN. "Der Aufschwung bei Epcos hat bereits begonnen", gab sich Vorstandschef Gerhard Pegam am Donnerstag optimistisch. In der Automobilelektronik, der Konsumelektronik und auch in der Telekommunikation sei der Auftragseingang gestiegen. Lediglich in der Industrieelektronik gebe es Anzeichen für eine Stagnation. Der Preisdruck werde sich in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2001/02 (zum 30. September) etwas abschwächen. Im zweiten Quartal stieg der Auftragseingang im Vergleich zum Vorquartal um 21 Prozent, der Umsatz legte sieben Prozent auf 338 Millionen Euro zu. Vor Steuern und Zinsen wies Epcos einen Gewinn von drei Millionen Euro aus nach sechs Millionen Euro im Vorquartal und 99,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Die Zahlen des weltweit zweitgrößten Herstellers so genannter passiver Bauelemente, die in fast allen elektronischen Geräten eingesetzt werden, bestätigen den leichten Erholungstrend der Technologiebranche, auf den schon die Entwicklung bei den Halbleiterherstellern hingewiesen hatte. Die Epcos-Aktien reagierten mit Kurszuwächsen von in der Spitze knapp fünf Prozent, lagen am Nachmittag bei 45,65 Euro noch mit 1,3 Prozent im Plus, während der Deutsche Aktienindex 0,6 Prozent im Minus notierte.

"Noch nicht ganz eitel Sonnenschein"

Von Reuters befragte Analysten hatten bei Epcos im Durchschnitt mit einem Ebit im zweiten Quartal von minus zwei Millionen Euro und einem bei 318 Millionen Euro stagnierenden Umsatz gerechnet. "Die Zahlen deuten sicherlich auf eine Stabilisierung, vielleicht sogar auf eine Verbesserung hin, aber auf niedrigem Niveau. So ganz eitel Sonnenschein ist da noch nicht", sagte Achim Fehrenbacher von M.M. Warburg, der die Aktien weiter zum Verkauf empfiehlt. Man müsse abwarten, ob die Erholung bei den Aufträgen nicht nur auf einen Lagerbestandsaufbau bei den Kunden zurückzuführen sei.

Geringerer Preisdruck

Epcos produziert mehr als 40.000 verschiedene elektronische Kleinstkomponenten, so genannte passive Bauelemente, die in allen elektronischen Geräten zum Einsatz kommen. Weltweit sind die Münchener damit die Nummer Zwei hinter dem japanischen Konzern Murata. Etwa ein Drittel des Umsatzes macht Epcos mit Produkten für die Telekommunikationsindustrie und hatte in den vergangenen Monaten daher besonders unter der Marktschwäche in dieser Branche gelitten.

Außerdem hat der Konzern mit einem Preisverfall zu kämpfen - allein im zweiten Quartal gingen die Preise für die Epcos-Produkte im Vergleich zum Vorquartal um sechs bis sieben Prozent zurück. "Wir rechnen damit, dass sich der Preisdruck im zweiten Halbjahr reduzieren wird", sagte Pegam. Für das Gesamtjahr erwarte er weiter einen Rückgang der Durchschnittspreise von 15 Prozent.

Umsatzstagnation nicht ausgeschlossen

"Unsere Prognosen haben wir im zweiten Quartal leicht übertroffen und deshalb sind wir auch für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres und für 2003 zuversichtlich", sagte Pegam. Für das zum 30. September endende Gesamtjahr erwartet er wegen des schwachen ersten Halbjahres weiter einen Umsatzrückgang von 20 bis 30 Prozent (Vorjahr: 1,9 Milliarden Euro) und ein Ebit im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich (208 Millionen Euro).

Für das laufende Quartal schloss Pegam in einem Interview mit dem Nachrichtensender "N24" eine Umsatzstagnation nicht aus. Er rechne mit einem Umsatzwachstum gegenüber dem Vorquartal von null bis fünf Prozent. "Die Aufwärtsbewegung wird sich im laufenden und vor allem im kommenden Jahr fortsetzen und weiter festigen. Daher rechnen wir für das Gesamtjahr 2003 wieder mit zweistelligen Umsatz- und Ergebniszuwächsen", sagte Pegam.

Belebung im Mobilfunkgeschäft erwartet

"Keines unserer Segmente hat ein befriedigendes Ergebnis erzielt", kommentierte Pegam die Spartenergebnisse. Das Geschäft mit Komponenten für die Mobilfunkindustrie sei saisonbedingt im zweiten Quartal noch schleppend verlaufen. So halbierte sich der operative Gewinn in der Sparte Oberflächenwellen-Komponenten (OFW), die vor allem in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen, auf 6,1 Millionen Euro von noch 12,6 Millionen Euro im Vorquartal. Beim Mobilfunk zeichne aber sich eine Nachfrageerholung ab, sagte Pegam. Weiter schwierig bleibe der Markt bei Festnetz-Infrastruktur. Hier rechne er auch 2003 nicht mit einer nennenswerten Belebung.

Die einzige defizitäre Epcos-Sparte Ferrite, die vor allem in der Breitbandtechnologie Verwendung finden, verringerte den operativen Verlust auf 6,7 Millionen Euro von 7,2 Millionen Euro im Vorquartal. "Wir halten nach wie vor an unserem Ziel fest, die Ferrite im Laufe des Geschäftsjahres 2003 wieder in die Gewinnzone zu führen, erklärte Pegam. Für bessere Ergebnisse arbeite Epcos weiter an seiner Kostenstruktur, hieß es. So werde der Konzern im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich 220 bis 230 Millionen Euro einsparen und damit etwas mehr als die ursprünglich angekündigten 200 Millionen Euro. Auf der Suche nach attraktiven Akquisitionen sei Epcos bisher noch nicht fündig geworden.

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