Quartalsverlust rund 130 Millionen Euro vor Steuern
Commerzbank sieht Rot

Die Commerzbank hat nach Angaben aus Finanzkreisen wegen hoher Abschreibungen auf ihr Beteiligungsvermögen im dritten Quartal einen Verlust vor Steuern von rund 130 Millionen Euro geschrieben.

Reuters FRANKFURT. Darin enthalten sei auch ein Restrukturierungsaufwand von rund 30 Millionen Euro für den zum Konzern gehörenden Online-Broker Comdirect sowie eine Risikovorsorge für faule Kredite von über 400 Millionen Euro, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag weiter aus den Kreisen. Die Höhe der Abschreibungen wurde in den Kreisen auf mehr als 720 Millionen Euro beziffert.

Die Commerzbank gab keinen Kommentar ab und verwies auf die offizielle Vorlage des Zwischenberichts am Dienstag. Dann wird Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller zudem einen Abbau von mehr als 350 der 1300 Arbeitsplätze im Investmentbanking ankündigen. Die Aktien der Bank reagierten kaum und notierten bis zum Montagnachmittag bei 7,05 Euro nur leicht im Minus.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn vor Steuern von 62 Millionen Euro erwartet, die Prognosen lagen aber wegen der Ungewissheit über die Höhe der Abschreibungen weit auseinander.

Abschreibungen über Rheinhyp-Einmalgewinn

"Die Abschreibungen liegen über dem Einmalgewinn aus der Dekonsolidierung der Rheinhyp. In diesem Umfang hält die Bank ihre Beteiligungen für langfristig wertgemindert", hieß es in den Kreisen. Trotz des Einmalgewinns von 721 Millionen Euro aus der Zusammenlegung ihrer Hypothekenbank-Tochter Rheinhyp mit den Hypotheken-Töchtern der Deutschen und Dresdner Bank ergebe sich deshalb der Konzernverlust vor Steuern von rund 130 Millionen Euro.Darin enthalten seien die Kosten für den angekündigten Stellenabbau und andere Sparmaßnahmen bei der Online-Tochter Comdirect. Im Vorjahresquartal hatte Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank allerdings noch einen deutlich höheren Vorsteuerverlust von 279 Millionen Euro ausgewiesen.

Ende Oktober hatte Müller gesagt, er wisse nicht, ob die Bank im Gesamtjahr noch Gewinn machen werde. 2001 hatte das Institut 43 Millionen Euro vor Steuern verdient. In den vergangenen Wochen hatte die HypoVereinsbank die Investoren mit einem Vorsteuerverlust von 447 Millionen Euro im dritten Quartal ebenso geschockt wie der Branchenführer Deutsche Bank, der mit einem Minus von 181 Millionen Euro vor Steuern auch tief in die roten Zahlen gerutscht war.

Risikovorsorge im Plan

Analysten hatten bei der Commerzbank zwar schwarze Zahlen erwartet. Sie reagierten aber dennoch verhalten positiv auf den Verlust, der mit etwa 130 Millionen Euro zumindest geringer als der Fehlbetrag von 279 Millionen Euro vor Jahresfrist ausfiel.

"Wenn die Abschreibungen deutlich über 720 Millionen Euro liegen, deutet dies darauf hin, dass die operativ nicht so große Verluste machen wie erwartet", sagte ein Frankfurter Bankenanalyst. Hauptverlustbringer sei im dritten Quartal erneut das Investmentbanking, während die Geschäftsfelder Private Kunden und Firmenkundengeschäft einen bescheidenen positiven Ergebnisbeitrag lieferten, hieß es in Finanzkreisen. Im zweiten Quartal hatte die Bank vor Steuern noch 25 Millionen Euro verdient. Konrad Becker von Merck Finck in München war über die hohen Abschreibungen überrascht, hält aber weitere Wertberichtigungen im vierten Quartal für realistisch. "Das Schlussquartal könnte deshalb besonders schlecht ausfallen."

Mit gut 400 (242) Millionen Euro bleibe die Bank im Rahmen der für das Gesamtjahr angepeilten 1,3 Milliarden Euro Risikovorsorge für das Kreditgeschäft. Die Bank hat Geschäftsbeziehungen zu rund 40 Prozent der mittelständischen Firmen in Deutschland.

Das gesamte Beteiligungsvermögen der Commerzbank hatte zum ersten Halbjahr 2002 einen Wert von rund acht Milliarden Euro. Zu den gelisteten Beteiligungen zählen Anteile am Mischkonzern Linde (zehn Prozent), MAN (6,5 Prozent) oder Heidelberger Druckmaschinen (9,9 Prozent).

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