Quartalszahlen
Bayer mit Einbruch bei operativem Ergebnis

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat im ersten Quartal 2002 einen von Analysten erwarteten deutlichen Rückgang beim operativen Ergebnis verbucht. Eine zuverlässige Prognose für das operative Geschäft im Gesamtjahr lasse sich wegen der unsicheren Konjunkturlage noch nicht machen, teilte Bayer am Freitag vor Beginn der Hauptversammlung in Köln mit.

Reuters KÖLN. "Der Start in das neue Jahr war enttäuschend, um das ganz unmissverständlich zu sagen, auch wenn sich das Bild mittlerweile etwas aufhellt", sagte der scheidende Vorstandschef Manfred Schneider bei der Hauptversammlung am Freitag in Köln. Eindeutige Signale für eine durchgreifende Erholung gebe es gleichwohl noch nicht.

Höherer Jahresüberschuss erwartet

Im ersten Quartal war der Betriebsgewinn im Konzern wie erwartet deutlich eingebrochen. Wegen der schwer abschätzbaren konjunkturellen Lage wollte Bayer eine angekündigte Prognose zur Entwicklung des operativen Gewinns in diesem Jahr nicht abgeben. "Eine belastbare Erwartung werden wir erst in den nächsten Wochen abgeben können", sagte Schneider. Im März hatte er noch eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses in Aussicht gestellt. Schneider bekräftigte in Köln aber, trotz der Unsicherheiten im operativen Geschäft auf Grund des erwarteten "erheblichen Zusatzertrages" aus den geplanten Verkäufen von Geschäften und Beteiligungen 2002 mit einem deutlich höheren Jahresüberschuss als im Vorjahr zu rechnen.

Ergebnis im Rahmen der Erwartungen

Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft vor Sonderposten sank im ersten Quartal um 45,9% auf 493 Mill. ?, lag damit aber im Durchschnitt der Analystenerwartungen. Der Konzerngewinn stieg um 18,3% auf 523 Mill. ?.

Bayer verbuchte im ersten Quartal allerdings den Gewinn aus dem Verkauf des größten Teils der Wohnimmobilien in Höhe von 0,5 Mrd ?. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft ging um 6,5% auf knapp sieben Mrd. ? zurück und damit stärker als von Marktexperten erwartet. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang auf 7,25 Mrd. ? vorhergesagt.

Schwäche in der Pharmasparte

In der Gesundheitssparte habe der Turnaround bei den biologischen Produkten und der anhaltende Aufschwung bei Diagnostika die Schwäche im Pharmageschäft nicht ausgeglichen, sagte Schneider weiter. Im Arbeitsgebiet Gesundheit fiel das operative Ergebnis im laufenden Geschäft vor Sonderposten um 36% auf 244 Mill ?. Der Umsatz der Sparte ging um sechs Prozent auf 2,4 Mrd. ? zurück. Vor allem der im August 2001 vom Markt genommene Cholesterinsenker Lipobay habe im ersten Quartal 2001 noch hohe Umsatz- und Ergebnisbeiträge gebracht, die nun wegfielen.

Auch im Gesamtjahr müsse der Pharmabereich noch weitere Anpassungsmaßnahmen verkraften. In der Sparte Pflanzenschutz stieg der Umsatz in den ersten drei Monaten um sechs Prozent auf 866 Mill. ?. Das Ergebnis sank dagegen um 32% auf 144 Mill. ?. Als Gründe nannte Schneider unter anderem Forderungsausfälle in Lateinamerika und den bereits entstandenen Integrationsaufwand für die übernommene Aventis-Pflanzenschutzsparte CropScience. Im Gesamtjahr werde sich das CropScience-Geschäft voraussichtlich positiv entwickeln, sagte Schneider. Der Integrationsaufwand werde allerdings das operative Ergebnis vorübergehend belasten.

Industriegeschäft labil

Im Industriegeschäft rechnet Bayer in diesem Jahr mit keiner durchgreifenden Verbesserung. Dies gilt sowohl für die Polymere als auch für die Chemie, zumal die Rohstoffpreise wieder anziehen und die Märkte nach wie vor in einer labilen Verfassung sind, wie Schneider sagte. Im ersten Quartal ging das operative Ergebnis im Polymergeschäft um 60% auf 92 Mill. ? zurück. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 7% auf 2,6 Mrd. ?. Beim Chemiegeschäft verschlechterte sich das operative Ergebnis um 42% auf 77 Mill. ?. Der Chemieumsatz sank in den ersten drei Monaten um 17% auf 847 Mill. ?.

Analysten enttäuscht von Pharma und Pflanzenschutz

Die Entwicklung im Gesundheits- und Pflanzenschutzgeschäft - den beiden Flaggschiffen des Unternehmens - sei extrem schlecht gewesen, sagte Tony Cox, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in London. Die Sparten Polymere und Chemie hätten dagegen zum Vorquartal deutlich besser abgeschnitten als erwartet. Das sei keine Entwicklung auf die der Markt gewartet habe, sagte Cox.

Bayer kündigte ferner an, die geplanten Einsparungen weiter zu forcieren. Bis zum Jahr 2005 will Bayer nun seine Kosten im Volumen von insgesamt 2 Mrd. ? reduzieren. Bisher waren Einsparungen von insgesamt 1,8 Mrd. ? geplant. Die Bayer-Aktie legte bis zum Mittag in einem stabilen Gesamtmarkt leicht um 0,2% auf rund 44,30 ? zu.

Schneider zum Aufsichtsratsvorsitzenden von Bayer gewählt

Der bisherige Vorstandschef des Bayer-Konzerns, Manfred Schneider, ist vom neu gewählten Aufsichtsrat nach Ende der Hauptversammlung am Freitagabend zum Vorsitzenden des Kontrollgremiums bestimmt worden. Die Wahl sei einstimmig erfolgt, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich der Agentur Reuters. Gipperich wurde bei der Wahl als stellvertretender Vorsitzender bestätigt. Nach zehn Jahren an der Spitze des Bayer-Konzerns folgte der bisherige Finanzvorstand Werner Wenning mit Ablauf der Hauptversammlung in Köln Schneider als Vorstandsvorsitzender des Chemie- und Pharmakonzerns. Zuvor hatten die Aktionäre Schneider nach Tradition des Hauses in den Aufsichtsrat gewählt.

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