Quartalszahlen enttäuschten zuletzt
Analysten beklagen Transparenz-Mangel bei WCM

In der Kritik von Anlegern und Analysten steht die mangelnde Mitteilsamkeit der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM, die ihr Geld mit Immobilien und Beteiligungen verdient.

DÜSSELDORF. Besonders beliebt sind sie nicht, die so genannten Raider. Die Firmenjäger kaufen unterbewertete Unternehmen mit dem Ziel, den Aktienkurs in die Höhe zu treiben; nach dem Deal zerschlagen sie die Firmen und sanieren sie. Im Idealfall stoßen die Raider am Ende ihre Beteiligungen mit einem satten Gewinn wieder ab. Der Aktienkurs der eigenen Firma schießt dabei allerdings nicht unbedingt in die Höhen, die sich die Firmenjäger für ihre Zielobjekte wünschen.

So geschehen auch bei dem Frankfurter Unternehmen WCM, das sein Geld mit Immobilien und Beteiligungen verdient. Zuletzt stockte WCM den Anteil an der Commerzbank (Coba) auf momentan geschätzte fünf bis zehn Prozent auf - bisher ohne nennenswerte Auswirkungen auf den WCM-Aktienkurs, der um die Marke von zehn Euro dümpelt. Abermals ins Gespräch brachte WCM-Vorstand Roland Flach sein Unternehmen in der vergangenen Woche, als er in einem Interview sagte, er könne sich eine Aufstockung der Coba-Anteile im kommenden Jahr auf über zehn Prozent vorstellen. "Wenn WCM bei der Commerzbank wirklich genug Einfluss bekommt, um etwas zu verändern, kann das durchaus eine lohnenswerte Beteiligung sein", meint Stefan Chahsari, Analyst bei Concord Equity Research.

Die Quartalszahlen, die WCM ebenfalls in der vergangenen Woche veröffentlichte, haben die Analysten nicht zu Begeisterungstürmen hinreißen können. "Enttäuscht" hätten die Zahlen den Markt, kommentierte Wulf Weiler, Analyst bei der WGZ-Bank, das Ergebnis. Das Geschäftsmodell halte er aber weiterhin für intakt. Daher sein Urteil: "Akkumulieren".

Stefan Goronczy von der Hamburgischen Landesbank sieht bei der WCM-Aktie noch Potenzial und empfiehlt sie zum Kauf. "Das Papier ist unterbewertet", sagt er. Auch Concord-Analyst Chahsari, teilt diese Meinung. Er rechnet mit einem fairen Marktwert von 15 Euro. "Das Immobiliengeschäft bildet die solide Substanz von WCM, es macht den Braten allerdings nicht fett. Die Beteiligungen sorgen für Gewinne, sind aber vom Zeitpunkt und von der Höhe nur sehr schwierig kalkulierbar", meint Chahsari.

Gerade diese Ungewissheit könnten Anleger als Manko empfinden. Nicht langsam und gleichmäßig wachsende Erträge erwirtschafte WCM, sondern transaktionsabhängig in einzelnen Jahren besonders hohe Ergebniszuwächse, schreibt WCM-Chef Flach fast entschuldigend im Zwischenbericht für das erste Quartal 2002. "In Zeiten von unsicheren Aktienmärkten bevorzugen die Anleger natürlich Werte, bei denen man die Ergebnisse etwas besser planen kann", sagt Chahsari.

In der Kritik von Anlegern und Analysten steht auch die mangelnde Mitteilsamkeit der Beteiligungsgesellschaft. Einerseits verständlich sagen die Analysten, denn würde WCM ein günstiges Geschäft vor dem Deal in der Öffentlichkeit herum zu posaunen, würde der Übernahmepreis prompt steigen. Ein Analyst, der nicht genannt werden will, bringt die Kritik auf den Punkt: "Ich kann verstehen, dass WCM sich bei zukünftigen Deals bedeckt hält, aber nicht bei Geschäften, die schon länger zurückliegen." Selbst für deutsche Verhältnisse seien die Veröffentlichungen mager, schreiben auch die Analysten von Merrill Lynch in einer Studie. Sie glauben nicht, dass sich die Aktie in absehbarer Zeit zu Höhenflügen aufschwingt und bewerten das Papier mit "Neutral". Unter anderem seien die zukünftigen Ergebnisse zu schwer abzuschätzen.

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