Quartalszahlen europäischer Banken im Blickpunkt der Märkte
Berg- und Talfahrt der Kurse geht weiter

Ein Ende der Achterbahnfahrt an den Börsen ist noch immer nicht in Sicht. Allenfalls könnten die Anleger in dieser Woche eine erholsame Flachstrecke entlangrollen, bevor die nächste Berg- und Talfahrt beginnt.

FRANKFURT/M. Fast in einem Atemzug sprachen Händler in der vergangenen Woche von "panikartigen Verkäufen" und dem "Ausverkauf an der Börse" - andererseits aber auch von "überverkauften" Aktienmärkten. Die hohe Volatilität werten manche Beobachter als Signal für eine anstehende Trendwende.

In den USA habe das Handelsvolumen inzwischen den Höhepunkt vom September 2001 überschritten, sagen die Analysten der Schweizer Bank Vontobel. Auch an den europäischen Märkten sind die Umsätze hoch. Die Interpretationen der Analysten sind unterschiedlich: Während etwa Vontobel das hohe Handelsvolumen als Anzeichen dafür sieht, dass die weitere Kursrückgänge zu befürchten sind, weisen die Börsenbeobachter der DZ Bank darauf hin, dass in den Krisen der vergangenen Jahre die Tiefststände der Aktienmärkte durch hohe Umsatzvolumina bei gleichzeitig sehr volatilem Handelsverlauf gekennzeichnet gewesen seien. Nach Einschätzung von Bankenverbandschef Rolf Breuer neigten die Aktienmärkte in den letzten Tagen zur Übertreibung. Ein Hoch an der Börse sei noch nicht in Sicht, schreibt er in der "Bild am Sonntag". Eine reinigende Krise böte Chancen für solide geführte Unternehmen.

In diesem Zusammenhang hat Bundesfinanzminister Hans Eichel in der "Welt am Sonntag" mögliche Maßnahmen angekündigt, um gegen Bilanzmanipulateure vorzugehen. Wenn notwendig, werde man "drastisch eingreifen, um für die saubere Funktion der Kapitalmärkte zu sorgen", so Eichel. Einig sind sich die Börsenanalysten, dass Anleger und Händler in der kommenden Woche wieder Nerven wie Drahtseile brauchen werden. Die Quartalssaison geht weiter. Unter den Unternehmen, die diese Woche ihre Zahlen veröffentlichen, sind große Banken - also wird erneut die Branche im Blickpunkt stehen, deren Kurse bereits vergangene Woche auf Talfahrt gingen.

Die Liste der Institute, die diese Woche ihre Quartalszahlen vorlegen, ist lang und enthält so prominente Namen wie Deutsche Bank (Donnerstag), Santander Central Hispano (Montag), die spanische BBVA (Mittwoch), BNP Paribas (Donnerstag) und Société Générale (Freitag). Die steigende Risikovorsorge für faule Kredite und der Einbruch des Börsengeschäfts ist für alle Banken ein wichtiges Thema. Bei den beiden spanischen Finanzhäusern SCH und BBVA interessiert vor allem, wie stark ihr Lateinamerikageschäft leidet. Hiobsbotschaften der europäischen Finanzschwergewichte Aegon und Fortis haben in der vorigen Woche die Märkte nach unten gezogen und die Probleme der Versicherer mit gesunkenen Kapitalreserven beunruhigen die Aktienmärkte nachhaltig. Das zeigt, wie stark derzeit das Interesse der Börse an der Finanzbranche ist. Der Volkswagen-Konzern wird nach Einschätzung von Analysten am Dienstag ein niedrigeres Quartalsergebnis und rückläufige Absatzzahlen vorlegen.

Neue US-Konjunkturdaten - Verbrauchervertrauen, BIP für das zweite Quartal, Einkaufsmanagerindex und das Beige Book der Fed - werden Hinweise geben, wie sich die Aktienschwäche auf die Konjunktur auswirkt. Modellrechnungen von Lehman Brothers zeigen, dass der Kursrückgang seit Mitte Mai das Wachstum im zweiten Quartal nur um 0,5 % reduziert habe, aber in den beiden Folgequartalen zu einem Minus von 1,5 % bis 2 % führen werde.

Pessimistisch sind auch die Volkswirte der Hypo-Vereinsbank, die auf Grund der Aktienschwäche ihre Wachstumsprognose für Euroland von 1,5 auf 0,75 % für 2002 reduziert haben und für das kommende Jahr von 2,25 auf 1,25 %. Für die USA erwarten sie "vor dem Hintergrund der bedingungslosen Kapitulation der Aktienmärkte" eine weitgehende Stagnation im Winterhalbjahr nach einem optisch besseren dritten Quartal. Der letzten EZB-Sitzung vor der Sommerpause sehen die Märkte ohne Spannung entgegen, mit einer Zinsänderung am Donnerstag wird nicht gerechnet.

Lachender Gewinner der Misere an den Aktienmärkten sind jetzt die Renten: Ein Anleger, der 1990 in Aktien investiert hat, erzielte damit weniger Ertrag als mit Anleihen, wie eine Rechnung der Vontobel-Analysten zeigt.

Quelle: Handelsblatt

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