Quartalszahlen früher präsentiert
Nokia überrascht mit Zahlen und Prognose

Reuters HELSINKI. Der weltweit größte Mobiltelefon-Hersteller Nokia hat Branchenbefürchtungen vor einem Abflauen des Handy-Booms mit starken Quartalszahlen und einer weiterhin optimistischen Prognose getrotzt.

Der Vorsteuergewinn zwischen Juli und September sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 % auf 1,34 Mrd. Euro (rund 2,62 Mrd. DM) gestiegen, teilte der finnische Konzern am Donnerstag in Helsinki mit. Nokia bestätigte zudem seine bisherigen Vorhersagen für das vierte Quartal, für das ein Rekordergebnis erwartet wird. An der finnischen Börse stiegen die Nokia-Aktien nach Bekanntgabe der Zahlen zeitweise um mehr als 30 %. Bedeutende Nokia-Konkurrenten hatten kürzlich Sorge vor einem Abflauen der Branchenkonjunktur geäußert. Analysten sagten, die Zahlen höben sich völlig von den Wettbewerbern ab.

Wie Nokia weiter berichtete, stiegen in ihrer Mobilfunksparte der Umsatz um 59 % auf 5,46 Mrd. Euro und das operative Ergebnis um 42 % auf 1,07 Mrd. Euro. Damit lag das Verhältnis von Betriebsergebnis zu Erlösen mit 19,6 % allerdings deutlich unter dem Niveau vergangener Drei-Monats-Perioden. Im vierten Quartal soll die Quote nach den Worten von Nokia-Chef Jorma Ollila wieder die 20-Prozent-Marke durchbrechen. Auch beim Gewinn je Aktie steuere der Konzern in diesem Zeitraum auf Rekordzahlen zu.

"Das starke dritte Quartal macht uns zuversichtlich, dass wir unsere Ziele bei Wachstum, Ertragskraft und Marktanteil für 2000 erreichen", sagte Ollila. Seinen Angaben zufolge hat Nokia seine Marktführerschaft im dritten Quartal ausgebaut und will diese Entwicklung in den letzten drei Monaten des Jahres noch forcieren. Der Weltmarktanteil der Finnen wird auf über 30 % geschätzt.

International führende Handy-Hersteller wie Motorola und Philips hatten zuletzt vor einer Abschwächung des Branchenwachstums gewarnt und ihre Prognosen herunter geschraubt. Ollila bekräftigte demgegenüber seine Einschätzung, dass die Branche in diesem Jahr rund um den Globus über 400 Mill. Mobiltelefone verkaufen werde. Für das kommende Jahr rechnet Nokia weiterhin mit rund 550 Mill. und für 2002 mit etwa einer Milliarde verkaufter Handys. Die neuen GPRS- Technikstandards, die 2001 an den Start gehen sollen, werden dem Handy-Markt nach Einschätzung Ollilas nicht vor der zweiten Jahreshälfte spürbare Impulse verleihen.

Analysten werteten die Nokia-Zahlen als positive Überraschung vor dem Hintergrund einer zuletzt getrübten Branchenstimmung. "Das war ein spektakuläres Ergebnis, das die Prognosen deutlich übertraf", sagte Mika Paloranta, Analyst bei ArosMaizels. Die Entwicklung von Nokia hebe sich völlig von der der Konkurrenten ab.

Nokia gab ferner einen Auftrag der British-Telecom- Tochter BT Cellnet über 300 Mill. Pfund (rund eine Milliarde Mark) bekannt. Ollila stellte zudem klar, Nokia werde nicht versuchen, verstärkt an neue Aufträge zu kommen, indem es bei den - von den hohen Lizenzgebühren für die dritte Mobilfunkgeneration belasteten - Telekom-Unternehmen offensiver mit entsprechenden Finanzierungsangeboten werbe.

Nokia gab die Quartalszahlen eine Woche früher als ursprünglich angekündigt bekannt. Damit kamen die Finnen dem schwedischen Erzrivalen Ericsson, weltweit die Nummer drei, zuvor, der seine Ergebnisse am Freitag präsentieren will. Ein Nokia-Sprecher begründete diesen Schritt mit der instabilen Lage an den internationalen Aktienmärkten. Die Nokia-Ergebnisse von Juli bis September lagen unter den Rekordzahlen des Vorquartals. Dies hatte das Unternehmen auch angekündigt und als Gründe die Einführung neuer Mobiltelefone und eine saisonal bedingte Abschwächung angegeben.

Am Nachmittag notierten die Aktien der Nokia an der Börse im Helsinki mit 43,55 Euro rund 22 % über ihrem Vortagesschluss. Kurz nach Handelsbeginn waren sie noch bis auf 46,08 Euro gestiegen. Auch die Titel anderer Telekom-Ausrüster konnten von den Nokia-Zahlen profitieren. So stiegen Ericsson um bis zu zehn Prozent. Philips kletterten um knapp fünf Prozent. Die Aktien der deutschen Siemens AG gewannen fast sechs Prozent.

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