Quartalszahlen mit bösen Überraschungen
Tal der Tränen ohne Ende

Die Welle schlechter Nachrichten auf dem Börsenparkett ebbt nicht ab. Aktuell: Philips weist einen Milliardenverlust aus. Analysten und professionelle Investoren haben angesichts der weltweiten Konjunkturflaute ihre Erwartungen an die Unternehmen schon seit Monaten stetig zurückgeschraubt. Offenbar liegt die Messlatte aber noch immer zu hoch.

dpa FRANKFURT. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Hiobsbotschaft die ohnehin gedrückte Stimmung an den Aktienmärkten weiter vermiest. Ein Ende der Börsen-Depression ist nicht in Sicht.

Am Dienstag schockte der niederländische Elektronikkonzern Philips mit einem Milliarden-Verlust im zweiten Quartal 2001. Nach einem Reingewinn von satten sieben Milliarden Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahres stand nun ein Minus von 1,5 Milliarden Mark zu Buche. "Das ist schon ein Ding", kommentierte Anlagestratege Bernd von Winter von der Deutschen Bank. Schließlich seien die ohnehin stark reduzierten Erwartungen - "knapp" eine Milliarde Mark Verlust wurde befürchtet - nochmal deutlich verfehlt worden. Und: Philips machte deutlich, dass der "Tiefpunkt" in den kommenden drei Monaten erst noch komme. Erst Anfang 2002 werde es im Technologiesektor wieder aufwärts gehen.

Die "Woche der Wahrheit" an den Börsen - in den USA und Europa präsentieren zahlreiche Großkonzerne ihre Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal - scheint also noch manch böse Überraschung bereit zu halten. "Wir müssen den Sommer irgendwie überstehen. Zum Jahresende könnte es wieder besser werden", so von Winter. Wann genau die gebeutelten Anleger das "Tal der Tränen" aber hinter sich lassen, sei kaum vorherzusagen. Auf Jahressicht könne der Deutsche Aktienindex (Dax) von rund 5800 wieder bis auf 7000 Zähler zulegen. Auf eine Prognose zum Jahresende 2001 wollte sich der Experte vom Kreditriesen Deutsche Bank allerdings nicht festlegen.

Zum hiesigen Krisensegment Neuer Markt fällt den Aktienprofis längst nichts mehr ein. "Dazu sagen wir nichts mehr. Der Neue Markt ist gar nicht mehr analysierbar", meinte von Winter. Institutionelle Anleger haben schon lange das Weite gesucht und den angeblichen Wachstumsfirmen den Rücken gekehrt. Viele einstige Hoffnungswerte sind inzwischen fast wertlos und notieren unterhalb von einem Euro.

Mit der Management Data reihte sich am Dienstag eine weitere Firma unter die Kursnieten - dem Software-Spezialisten droht die Pleite. Der Kurs sackte um rund 70 Prozent auf weniger als 0,50 Cent ab.

Der Nemax 50 für die größten Firmen rauscht ungebremst weiter in den Keller. Bis zum Nachmittag ging es auf ein neuerliches Tief von rund 1134 Zähler. Analyst Achim Matzke von der Commerzbank schließt nicht aus, dass sogar die 1000er-Marke bald nach unten durchbrochen wird. Die von der Deutschen Börse AG nun erwogene Regelverschärfung - vor allem die Billigwerte ("Penny-Stocks") könnten nach Vorbild der US-Technologiebörse Nasdaq bald rausfliegen - seien für den Neuen Markt unbedingt zu begrüßen. "Entscheidend ist aber, dass die Firmen endlich mal Gewinne machen", betonte Matzke.

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