Quartalszahlen werden Dax-Geschehen nächste Woche bestimmen
Dax-Ausblick: Zwei Schritte vor, einen zurück

An den deutschen Aktienmärkten ist nach Ansicht vieler Börsenexperten nächste Woche eine weitere Konsolidierung zu erwarten. Größere Abstürze und negative Überraschungen werden überwiegend ausgeschlossen.

HB/ddp/vwd/rtr FRANKFURT. Nach dem weitgehenden Abschluss der Berichtssaison der Unternehmen dürfte die kommende Woche von technischen Faktoren sowie der Unsicherheit über die weitere Entwicklung im Irak-Konflikt geprägt sein, schätzte die Berenberg Bank in Frankfurt am Main am Freitag ein. Für die Commerzbank scheint nach den jüngsten Kursgewinnen eine weitere Konsolidierung angesagt. Trotz deutlich verbesserter Charttechnik der Aktienmärkte könnte "aus fundamentaler Sicht ein neuer Test der Abwärtstrends anstehen", warnte sie.

Noch ist die 3 000 Punkte-Marke nicht gesichert

Angesichts der aber anhaltend schwachen Konjunkturentwicklung erwarten Marktteilnehmer also keine großen Kurssprünge im Deutschen Aktienindex (Dax). "Wenn die Konjunkturindikatoren keinen Halt signalisieren, kann der Markt auch schnell wieder unter 3 000 Punkte fallen", sagte HSBC-Aktienstratege Volker Borghoff. Bis zum späten Freitagnachmittag hat der Dax seit Wochenbeginn rund zwei Prozent auf 3 080 Zähler verloren. Damit gab Deutschlands wichtigster Börsen-Index einen Teil der starken Kursgewinne der Vorwochen wieder ab.

Die Berenberg Bank hält nach der Erholung des Dax ein Unterschreiten der Marke von 3 000 Indexpunkten für wahrscheinlich. Das konjunkturelle Umfeld habe sich weiterhin nicht verbessert, und die jüngste Aufwärtsbewegung dürfte zu einem großen Teil durch das Eindecken von Short-Positionen hervorgerufen worden sein, schätzte sie ein. Da die Berichtssaison weitestgehend abgeschlossen sei, dürften von dieser Seite keine wesentlichen Impulse mehr ausgehen. Wichtiger seien die nächste Woche anstehenden Konjunkturdaten aus den USA wie die Angaben zum Verbrauchervertrauen und zum Arbeitsmarkt sowie erste Schätzungen für das Bruttosozialprodukt im dritten Quartal. "Wir rechnen nicht damit, dass es zu größeren positiven Überraschungen kommen wird", betont die Bank.

Noch zu früh, eine Hausse zu verkünden

Für das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger scheinen "übertriebene Abstürze gesamtmarktmäßig betrachtet nun nicht mehr angesagt". Nach den erwarteten Konsolidierungen und Gewinnmitnahmen, die in erster Linie die Finanzwerte betroffen hätten, würde charttechnisch selbst ein nochmaliger Rückfall des Dax auf 2 800 Punkte dem "kurzfristigen Aufwärtstrend" nicht schaden. Inzwischen gingen kein Unternehmen und damit auch keine Analysten mehr von überproportionalen Gewinnerwartungen aus. Damit dürfte es auch "zu keinen größeren Enttäuschungen am Markt mehr kommen", prognostizierten die Analysten aus Stuttgart. Ein "stetiges langsames Ansteigen für den Aktienmarkt ist durchaus erkennbar", machten sei Anlegern Mut. Zum ersten Mal seit vielen Monaten ergebe sich die Möglichkeit, nicht nur unter reinen Trading-Aspekten zu operieren, sondern ein Aktienengagement auch mittelfristig einzugehen. Generell sei es aber noch zu früh, eine Hausse zu verkünden.

Deutsche Bank, VW, Metro und Deutsche Post legen Zahlen vor

Nach den enttäuschenden Quartalszahlen der Hypo-Vereinsbank warten die Anleger mit Spannung auf die Zahlen des Branchenprimus Deutsche Bank. Börsianern zufolge hofft der Markt, dass im operativen Geschäft, also ohne Erlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen, ein Gewinn übrig bleibt.

Außerdem wird voraussichtlich der Automobilhersteller Volkswagen Zahlen bekannt geben. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch von rund 30 Prozent im abgelaufenen dritten Quartal. Zum Halbjahr hatte VW die seinerzeit ähnlich skeptischen Analysten allerdings mit einem deutlich geringer als erwartet ausgefallenen Gewinnrückgang überrascht.

Die Zahlen des Einzelhandelskonzerns Metro werden zeigen, ob sich die Zurückhaltung der Konsumenten in der Bilanz niederschlägt. "Es wird nicht erwartet, dass Metro die Gewinnziele reduziert, nachdem sie zuletzt so oft bekräftigt wurden", sagte Analyst Andrew Fowler von Merrill Lynch. Ob die Ziele erreicht werden können, werde sowieso erst das vierte und für Metro alles entscheidende Quartal zeigen. Auf dem deutschen Markt bleibe die Lage aber vermutlich schwierig, hieß es.

Bei der Deutschen Post erhoffen sich Analysten Hinweise auf die seit langem erwarteten Kosteneinsparungen. Für die ersten neun Monate des Jahres prognostizieren die Experten einen rund sechs Prozent geringeren Gewinn als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Auch Schering und FMC im Blick

Auch der Pharmakonzerne Schering und der Dialysespezialist Fresenius Medical Care könnten wegen der anstehenden Geschäftszahlen Aufsehen erregen. Bei Schering werden die Investoren besonders auf die US-Verkaufszahlen des Kassenschlagers Betaferon, einem Multiple-Sklerose-Präparat, achten. Das Medikament hatte zuletzt auf dem wichtigen US-Markt Konkurrenz bekommen.

Neben den Dax-Unternehmen werden in der kommende Woche zudem noch die MDax-Firmen Vossloh, Celanese, Software AG und Continental sowie das Neue Markt-Schwergewicht Qiagen Geschäftszahlen vorlegen.

Auf konjunktureller Seite erwarten viele Marktteilnehmer, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober auch den fünften Monat in Folge gefallen ist und damit keine Besserung der Konjunktur signalisiert. Analysten zufolge dürften unter anderem die steuerlichen Belastungen für Kapitalgesellschaften sowie die absehbare Erhöhung der Lohnnebenkosten dafür verantwortlich sein. "Die fundamentalen Rahmenbedingungen lassen noch keinen Aufschwung in den nächsten Monaten erwarten", fasste Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank die schwache Lage zusammen.

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