Quartalszahlen werden präsentiert
Rampl rückt schon im Januar an HVB-Spitze

Dieter Rampl wird HVB-Chef Albrecht Schmidt nach Angaben aus Unternehmenskreisen früher als geplant an der Spitze der Hypovereinsbank (HVB) ablösen und soll Deutschlands zweitgrößte Bank aus der schwersten Ertragskrise ihrer Geschichte führen.

Reuters FRANKFURT. "Der Vorstand hat am Dienstag Rampl zu seinem Sprecher gewählt. Auch im Aufsichtsrat steht die Mehrheit für ihn. Das Kontrollgremium wird sich am Mittwoch außerdem für die Amtsübernahme Rampls ab Januar 2003 statt erst zur Hauptversammlung im Mai aussprechen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagabend im Anschluss an die Vorstandssitzung der Bank aus den Kreisen. Ein HVB-Sprecher wollte dies nicht kommentieren und verwies auf die für Mittwochnachmittag angesetzte Pressekonferenz in München, auf der auch die Quartalszahlen erläutert werden.

Rampl übernimmt früher - Schmidt ab 2003 AR-Chef

Der scheidende Bankchef Schmidt wolle in der angespannten Ergebnissituation eine zu lange Übergangsphase vermeiden und deshalb schon zum 1. Januar an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. "Die Lage ist für alle Banken momentan zu ernst, um eine "Lame Duck"- Diskussion zu riskieren", hieß es in den Unternehmenskreisen. Der bisherige Aufsichtsratschef Kurt Viermetz solle stellvertretender AR-Chef werden.

Wegen rückläufiger Erträge im Provisions- und Handelsgeschäft sowie einer deutlich erhöhten Vorsorge für Kreditrisiken wird die HVB nach Einschätzung von Analysten am Mittwoch einen Quartalsverlust vor Steuern von 260 Mill. Euro bekannt geben. Die ehemaligen Aufgaben Rampls (55) werden sich voraussichtlich die Vorstände Stefan Jentzsch (41) und Stephan Bub (44) ab Anfang 2003 teilen: "Jentzsch erhält die Verantwortung für das Deutschlandgeschäft, Bub rückt in den Konzernvorstand auf und wird vollständig für Corporates & Markets zuständig", hieß es in den Unternehmenskreisen.

HVB gliedert Immobiliengeschäft neu

Die HVB will nach Angaben aus den Unternehmenskreisen außerdem ihr gewerbliches Immobiliengeschäft in der HVB Real Estate Bank - die aus der Fusion der drei Hypothekenbanktöchter hervorgegangen war - bündeln. "Das private Immobilienfinanzierungsgeschäft bleibt davon ausgenommen und ist weiter als Kerngeschäft in der AG angesiedelt", hieß es. Offen sei, wie in den nächsten Monaten das gewerbliche Immobiliengeschäft effizienter gestaltet werde, um unter anderem die Eigenkapitalbindung zu verringern.

HVB muss hohes Kreditportfolio reduzieren



Rampl wird den Sparkurs seines Vorgängers forcieren und muss nach Ansicht von Analysten das hohen Kreditengagement der Bank zurück führen. Denn die HVB hat mit knapp 450 Mrd. Euro das größte Kreditbuch in Europa und leidet unter dem Pleitenrekord und dem schwachen Immobilienmarkt stärker als ihre Konkurrenz. In den nächsten Monaten sollen außerdem strategische Weichenstellungen vorbereitet werden. "Das Potenzial der Kostensenkungen wird immer geringer. Jetzt geht es darum, die einzelnen Einheiten auf den Prüfstand zu stellen", hieß es aus Unternehmenskreisen.

Dabei scheint die Neuordnung des Immobiliengeschäfts nur der Anfang. Kurzfristig soll eine Entscheidung über die Ausrichtung der defizitären Direktbank-Tochter DAB fallen. "Hier werden alle Optionen erörtert: Verkauf, Reintegration oder die Kooperation mit einem Wettbewerber", hieß es in den Kreisen. Nach Informationen aus Bankenkreisen soll DAB-Chef Matthias Kröner - dessen Vertrag allerdings erst im März bis August 2005 verlängert worden war - wegen Erfolglosigkeit abgelöst werden.

Analysten sehen HVB tief in den roten Zahlen

Die weltweit schwachen Kapitalmärkte haben in der HVB-Bilanz im dritten Quartal tiefe Spuren hinterlassen, vor allem weil es diesmal keine Einmalgewinne aus Beteiligungsverkäufen gibt: Im zweiten Quartal hatte die Bank nur dank der Anteilsreduzierung an der Allianz schwarze Zahlen geschrieben und bereinigt um das Finanzanlageergebnis von 457 Mill. Euro einen Verlust vor Steuern von 179 Mill. Euro erlitten. Operativ hat sich die HVB - ebenso wie ihre inländischen Wettbewerber - im abgelaufenen Quartal besonders schwer getan. Das Handelsergebnis dürfte nach Analysten-Schätzungen mit 117 (227) Mill. Euro zum Vorjahreszeitraum deutlich eingebrochen sein, während die Rückgänge beim Zinsüberschuss mit 1,603 (1,721) Mrd. Euro und beim Provisionsergebnis mit 644 (693) Mill. Euro noch moderat erwartet werden.

Am Dienstag hatten die HVB-Aktien in einem schwachen Marktumfeld mit einem Minus von 5,51 % bei 16,62 Euro geschlossen.

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