Quelle für Siegerkränze der Antike ins Hintertreffen geraten
Ehre für Kreta

Bei den Siegerehrungen in Athen zieren von Ölbäumen stammende Kränze die Häupter der Medaillengewinner. 2553 Kränze davon werden für die Spiele benötigt - das sorgt 2553 Mal für Ärger im kleinen Dorf Goumero, 30 Kilometer nördlich von Olympia.

ATHEN. Stelios Kolomvakis, Olivenbauer aus dem kretischen Dorf Moussoura, ist ein wichtiger Mann dieser Spiele. Von seinen Ölbäumen stammen jene Kränze, die jetzt bei den Siegerehrungen in Athen die Häupter der Medaillengewinner zieren. 2553 Kränze werden für die Spiele benötigt, und noch einmal 2960 für die Paralympics im September. Für jeden Kranz werden etwa fünf bis sechs Olivenzweige verarbeitet. Das ergibt etwa 60 000 Zweige.

Rund 4000 Bäume stehen auf Kolomvakis? Grundstück. Jeder muss zehn bis 15 Zweige hergeben. Geeignet sind nur Triebe vom unteren Teil der Bäume, die etwa drei Jahre alt sind. Diese Zweige haben noch die gewünschte Flexibilität und zugleich bereits die notwendige Stärke. Morgens in aller Frühe, wenn es noch kühl ist in den Olivenhainen, werden die Zweige geschnitten. Dutzende Floristinnen flechten die Kränze und arrangieren die Gebinde, die dann in Pappkartons verpackt und ihn Kühl-Lastwagen nach Athen transportiert werden.

Dass die Wahl auf kretische Olivenzweige fiel, hängt mit der Mythologie zusammen. Ihr zufolge soll der kretische Sagenheld Herakles einen Ölbaum von seiner Heimatinsel ins antike Olympia gebracht und dort gepflanzt haben. Von jenem Baum seien in der Antike mit einer goldenen Schere die Zweige für die Siegerkränze abgeschnitten worden, heißt es.

Doch das hört man in Goumero gar nicht gern. Das kleine Dorf liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Olympia in den Bergen der Provinz Elis. Und hier, so glauben die Bewohner von Goumero, wurden die Siegerkränze der Antike geflochten. Die knorrigen Ölbäume in den Wäldern rund um das Dorf seien über 3000 Jahre alt, sagt man in Goumero.

In Briefen an Griechenlands Vize-Kulturministerin Fani Palli Petralia und das Internationale Olympische Komitee haben die Menschen von Goumero für ihre Ölbäume geworben - aber vergeblich. Die Sieger tragen Olivenzweige aus Kreta.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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