Querdenker: Douglas Casey
„Die realistische Inflation ist sechs bis zehn Prozent“

Wohin steuern Dollar, Aktien, Anleihen? Skeptiker halten die jüngste Zinssenkung der US-Notenbank für fatal. Ihre These: Die Inflationsrate sei erheblich höher als offiziell ausgewiesen. Auch Douglas Casey, Investor und Unternehmer, ist überzeugt: „Wir stehen am Beginn einer echten Finanzkrise.“

New Investor: Herr Casey, seit Mitte Juli stecken die Finanzmärkte in großen Problemen, die vom US-Hypothekenmarkt ausgingen. Wie gefährlich ist die Lage?

Douglas Casey: Das kann man gar nicht unterschätzen. Wir stehen am Beginn einer echten Finanzkrise, vielleicht wird es die größte seit einem Jahrhundert. Und die Probleme am Hypothekenmarkt werden noch drastisch zunehmen.

Mit welchen Folgen?

Bei Dollar, Aktien, Anleihen geht der Daumen nach unten. Und die Inflation wird steigen. Die offizielle Inflationsrate von um die zwei Prozent pro Jahr ist ohnehin völlig unrealistisch. In der Berechnung der Kernrate tut man so, als würden die Menschen nicht essen, trinken oder Auto fahren, denn Nahrungsmittel- und Energiepreise bleiben außen vor. Doch die Agrar- und Energiepreise sind geradezu explodiert, das bekommt jeder von uns schon im Alltag mit. Ganz wichtig ist aber, dass Inflation sich langfristig an der Geldmengenentwicklung orientiert. Und die Geldmengen wachsen rund um den Globus mit teilweise zweistelligen Raten.

Was wäre eine realistische Inflationsrate?

Jetzt bei etwa sechs bis zehn Prozent.

Wie wird das auf die Zinsmärkte durchschlagen?

Die langfristigen Anleiherenditen sind abhängig von der Inflation. Wenn die Inflation steigt, fallen die Anleihekurse und spiegelbildlich steigen die Renditen. Mit ihren Leitzinssenkungen gießen die Notenbanken nur Öl ins Feuer, weil sie die Geldmengen noch weiter aufpusten - was die Inflation zusätzlich anheizt. Zur Inflationsbekämpfung müssten die Leitzinsen ja angehoben werden, aber es passiert exakt das Gegenteil. Anleihen sind deshalb nicht nur kein sicherer Hafen, sie werden zu den Verlierern gehören.

Wann werden Anleihen ihren Status als Rettungsanker einbüßen?

Die ausländischen Investoren beginnen sich schon von US-Papieren abzuwenden und drücken damit bereits den Dollar. Wenn die Nachfrage nach US-Bonds erst einmal richtig kippt, steigen die Renditen. Das wird auch die Wahrnehmung verändern. Viele haben vergessen oder können sich aus Altersgründen nicht mehr daran erinnern, dass wir vor einer Generation, durch Inflation getrieben, schon einmal langfristige Renditen von 15 Prozent hatten - drei Mal höher als heute.

Was empfehlen sie einem Anleger?

Zu den billigsten Vermögenswerten gehören meiner Meinung nach Gold, einige andere Rohstoffe und Farmland in Argentinien. Mutige Anleger können die Inflationsidee auch über spezielle Anlageinstrumente spielen. Es gibt Möglichkeiten auf den Terminmärkten oder auch auf dem deutschen Markt für Zertifikate und Optionsscheine – für diejeninigen, die diese Wette mit Hebel spielen wollen und den großen Gewinn im Auge haben.

Douglas Casey gilt als einer der reichsten Männer in den USA. Der Investor und Unternehmer lebt in Stowe im US-Bundesstaat Vermont. Als Gründer von Casey Research und Buchautor hat er sich einen Namen als Querdenker in Finanz fragen gemacht. Er gibt mehrere Börsenbriefe heraus, die sich vor allem auf Rohstoffe und Immobilien konzentrieren, ist wie kaum ein anderer in der Mi nenindustrie verdrahtet. Casey ist gern gesehener Gast in amerikanischen Fe rnseh- und Radioshows. Der Kosmopolit hat in sieben Ländern gelebt und mehr als 150 besucht. Immer noch Polospieler, war er in früheren Jahren auch al s Kampfsportler, Fallschirmspringer und Rennfahrer aktiv.

Quelle: New Investor

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