Quereinsteiger nicht mehr gefragt
Erfahrungen der Old Economy sind für Start Ups Gold wert

Um gute Mitarbeiter müssen die Chefs der Start-Up-Firmen nach wie vor buhlen. Ironischerweise hat der Kurssturz von Aktien vieler Internetfirmen im April und die Pleite einiger Unternehmen, die ihre Mitarbeiter auf die Straße setzten mußten, zu einem härteren Kampf um die Mitarbeiter geführt.

DÜSSELDORF. Denn gut verdienende Manager der Old Economy lassen sich nicht mehr so leicht mit dem Abenteuer New Economy ködern. Um so wichtiger für die Firmen daher, dass sie den Recruiting Prozess professionell durchführen. Headhunter Mathias Hiebeler von der Personalberatung Heidrick & Struggles meint, dass die meisten Firmen nicht schnell genug sind: "Sie müssen den Vogel dann schießen, wenn er fliegt." Er erzählt, dass bei vielen Internetfirmen das demokratische Miteinander dazu führt, dass zu viele Leute bei der Bewerbung mitreden. So muß der Aspirant dann 5 und mehr Interviews führen, verteilt auf mehrere Tage.

Fimen müssen authentisch sein

Erschwerend käme dazu, dass die Entscheidung viel zu lange dauert. Viele Internetfirmen sind sich über ihre genauen Anforderungen nicht im Klaren und wenig geschult im Personalwesen. Falls sie dann nach Wochen ihr o.k. mitteilen, hat vielleicht schon die Konkurrenz den Gesuchten weggeschnappt oder der Bewerber ist enttäuscht. Wenn schon allein der Bewerbungsprozess so lange dauert, dann dürfte die tägliche Arbeit auch mit langen Entscheidungenswegen verbunden ist, vermutet er.

Der typische Bewerber in der New Economy achtet stark auf die emotionalen Faktoren: Herrscht eine gute Stimmung auf den Gängen? Wie reden die Kollegen miteinander und mit ihrem Chef? Wirkt das Unternehmen authentisch? Hans Jörg Eberbach, Geschäftsführer der Kabel New Media Köln, war überrascht, als er die Begründung einer neuen Bewerberin las. Sie hatte sich u.a. für Kabel New Media entschieden, weil ihr das Gebäude (Kabel New Media sitzt in einer umgebauten Fabrikhalle in Kölns Arbeiterviertel Ehrenfeld) "mit dem kaputten Fenster und dem Blick auf die Industrieanlagen Köln gefallen hat". Die "Kollegen mit den Kapuzenpullis" hätten die beschriebene lockere Arbeitsatmosphäre wiedergespiegelt. Personalberater Hiebeler rät daher auch den Firmen: "Seien sie in den Bewerbungsgesprächen authentisch." Er schätzt, dass 90 % der Einstellungen an emotionalen Faktoren und an individuellen Faktoren, die nicht explizit ausgesprochen werden, scheitern.

Die Mitarbeiter merken, ob das überall propagierte lockere Arbeitsklima echt ist. Eberbach zitiert aus einer Befragung einen seiner Angestellten, der bemerkt: "Ich finde es gut, dass der Chef mit uns einen saufen geht und nicht nur so tut, als ob er Spaß dabei hat. Allerdings: Die Zeit der 70-Stunde-Woche und anschließender Party ist auch bei den New Economy-Firmen langsam vorbei. Die Branche sucht keine flippigen Internetfreaks mehr, sondern Leute mit Erfahrung.

Ältere geben Erfahrungen weiter

Personalberater Arnd Fabri, Geschäftsführer der Personalberatung Allocate hält einen Mix von älteren und jüngeren Beschäftigten für sinnvoll. Das Beherrschen vieler Prozesse der Old Economy ist auch für Start-Up-Fimen sinnvoll. Dies bestätigen auch immer mehr Gründer. Michael Urban, Chef von buch.de, kündigte zuletzt an, auch Leute über 30 Jahre zu suchen: "Ganz ehrlich, ich bin 28. Ich kann nicht die Erfahrung eines 56-Jährigen haben", meint der Gründer selbstkritisch in einem Interview.

Manager gesucht

Technische Kenntnisse im Bereich Software und E-Commerce müssen auch die Oldies erstmal lernen. Immer mehr Firmen setzen daher gezielt auf spezielle Weiterbildungsangebote. Die Werbeagentur Scholz & Friends gründete vor zwei Monaten eine eigene New Economy Business School.Die Agentur hat erkannt, dass das alleinige Training on the job bei den vielen Internetinnovationen nicht ausreicht. Der Deutsche Multimediaverband (dmmv) schätzt, dass ungefähr die Hälfte der Top-20-Agenturen Weiterbildung systematisch betreibt. Das Ziel der Business School beschreibt Geschäftsführer Thomas Heilmann so: "Unsere Mitarbeiter sollen die Auswirkungen neuer Technologien und dadurch strategische Wettbewerbsvorteile erkennen lernen." Das klingt nach einem neuen Typus von Start-Up-Beschäftigten. Und Personalberater Arnd Fabri bringt es auf den Punkt: "Gesucht werden Leute mit Managementfähigkeiten."

Problem: Unternehmenskulturen der zugekauften Firmen unter einen Hut bringen

Ein anderen Weg geht Pixelpark . Die Bertelsmann-Tochter hat sich gegen eine eigene Akademie entschieden. Seit Anfang des Jahres bietet der Multimediadienstleister ein Certification Programm an, um einheitliche Standards für die verschiedenen Berufsgruppen festzulegen. Jeder Mitarbeiter hat so die Möglichkeit, an mindestens 8 Tagen an Seminaren, Workshops teilzunehmen. Pixelpark arbeitet mit externen Instituten wie zum Beispiel der HDK zusammen und sucht Kontake zu New Economy Studiengängen der Hochschulen z.B. Illmenau, Jena und Leipzig. Pixelpark hat aber auch noch ein anderes Problem: Das Unternehmen wurde 1991 von zwei Leuten gegründet und wuchs seitdem vor allem durch Neueinstellungen - und auch durch Firmenübernahmen - auf 900 Mitarbeiter. Die verschiedenen Unternehmenskulturen der vielen zugekauften Firmen auf einen Nenner zu bringen, ist eine besondere Herausforderung: "Wir setzten hier auf gegenseitiges Kennlernen, auf Events und Workshops", erklärt Katharina Reeke, zuständig für Recruiting bei Pixelpark. Bei Einstellungsgesprächen achte man auf Leute, die "zu uns passen". Sie müssen besonders teamfähig sein und unternehmerisch denken. Denn die Aufgabenstellungen von Pixelpark erfordern es, dass Techniker, Designer und Berater quer über nationale Grenzen miteinander reden und sich dabei auch verstehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%