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Quo vadis Deutsche Bank - Immer wieder neue Schlagzeilen

Die Deutsche Bank AG ist das Rampenlicht gewöhnt. Den Anfang machte in diesem Jahr das falsch verstandene Siegeszeichen von Vorstandssprecher Josef Ackermann (56) im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess. Es folgten diverse Gerüchte über Fusionen mit anderen Banken - darunter auch die Postbank, die sich durch die Spekulationen beinahe ihren Börsengang verhageln ließ.

dpa-afx FRANKFURT. Die Deutsche Bank AG ist das Rampenlicht gewöhnt. Den Anfang machte in diesem Jahr das falsch verstandene Siegeszeichen von Vorstandssprecher Josef Ackermann (56) im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess. Es folgten diverse Gerüchte über Fusionen mit anderen Banken - darunter auch die Postbank, die sich durch die Spekulationen beinahe ihren Börsengang verhageln ließ.

Und auch nach Ackermanns Freispruch kam die Bank nicht zur Ruhe: Aufsichtsrat Ulrich Cartellieri (67), über lange Jahre selbst im Vorstand der Bank, dementierte Meldungen über seinen geplanten Rücktritt aus dem Kontrollgremium nicht und heizte damit Berichte über einen Konflikt zwischen den Traditionalisten in der Bank und dem international orientierten Ackermann erneut an. Beobachter rechnen damit, dass der frühere CDU-Bundesschatzmeister auf der Sitzung am 28. Oktober offiziell sein Amt zur Verfügung stellt.

Das Echo auf Cartellieris Rückzug war gewaltig. "Ist Ackermann der falsche Chef?" fragte das "manager magazin" auf seiner Titelseite. "Macht ohne Kontrolle" befand der "Spiegel" über die starke Position des Schweizer Managers. Und "Lost in Transition", was so viel wie "verloren im Übergang" heißt, sieht das "Handelsblatt" die Bank. Doch worauf berufen sich die kritischen Stimmen?

Internationalisierung Vorangetrieben

Im Jahrzehnt nach der Ermordung von Vorstandssprecher Alfred Herrhausen 1989 trieb die Deutsche Bank mit aller Macht ihre Internationalisierung voran. In Großbritannien und den USA kaufte sie die Finanzinstitute Morgan Grenfell und Bankers Trust. Investmentbanker mit ihren teuren Anzügen und hohen Bonus-Gehältern hielten Einzug und gewannen an Einfluss. Heute erwirtschaften sie etwa drei Viertel der Gewinne - allerdings mit hohem Risiko. Als "gigantischen Hedge Fonds" bezeichnete das britische Magazin "The Economist" gar das größte deutsche Finanzhaus, das im Ausland schlicht als "Deutsche" bekannt ist.

Weniger zielgerichtet verlief die Entwicklung des Privatkundengeschäfts, das noch vor wenigen Jahren als lästig galt, obwohl es relativ krisenfeste Einnahmen garantiert. Heute ist es in der Bank wieder gefragt, aber im Vergleich zu internationalen Konkurrenten wie Citigroup Inc. oder Hsbc Holdings Plc eher schwach auf der Brust. Kritiker Ackermanns - darunter angeblich auch Cartellieri, der den Kurs der Bank jedoch die ganze Zeit über mitgetragen hatte - halten ihm vor, ein Ungleichgewicht zu Gunsten des Investmentbankings manifestiert zu haben. Außerdem sei der deutsche Heimatmarkt vom Eidgenossen Ackermann vernachlässigt worden.

Aktivere Vertriebsstrategie

Der Vorstandschef reagierte und setzte mit dem Manager Jürgen Fitschen als "Deutschland-Chef" einen neuen Verantwortlichen speziell für Firmenkunden im Inland ein. Er soll die Beratung dieser Unternehmen, darunter zahlreiche Mittelständler, besser koordinieren. Den Privatkunden will die Deutsche Bank mit einer aktiveren Vertriebsstrategie mehr Produkte verkaufen. Außerdem sollen anderen Kreditinstituten Kunden abgeworben werden.

Ob diese eher unspektakulären Maßnahmen die Kritiker auf Dauer beruhigen, muss Ackermann erst noch herausfinden. Zukäufe zum Beispiel vom Sparkassen sind derzeit rechtlich noch nicht möglich. Als Alternative bleibt ihm der große Wurf wie etwa die Übernahme der Commerzbank AG . Doch eine solche Mega-Fusion würde in Deutschland Tausende von Jobs kosten, zahlreiche Filialen in Städten und auf dem Land müssten geschlossen werden. Ob die Kapitalmärkte einen solchen Schritt honorieren würden, gilt ebenfalls als ungewiss. Nur das Rampenlicht wäre dem Deutsche-Bank-Chef wohl wieder sicher.

-- Von Alexander Missal, dpa --

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