Quote stieg auf 9,7 Prozent
Keine Hoffnung für den Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli wegen der schwachen Konjunktur erneut gestiegen. Damit blieb auch sechs Wochen vor der Bundestagswahl das von der rot-grünen Koalition erhoffte Signal für eine Entspannung am Arbeitsmarkt aus.

Reuters NÜRNBERG. Saisonbereinigt habe die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Vergleich zum Vormonat um 8 000 zugenommen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mit. Die Zunahme fiel damit zwar nicht so deutlich aus wie von Volkswirten erwartet, die durchschnittlich mit einem Zuwachs um 30 000 gerechnet hatten. Dennoch sehen Analysten weiter keine Trendwende am Arbeitsmarkt. Die von saisonalen Einflüssen unbereinigte Arbeitslosenzahl zog nach BA-Angaben um 92 000 auf 4,047 Millionen Erwerbslose an. Das waren 249 000 mehr als im Juli 2001. BA-Chef Florian Gerster sagte, in den Zahlen spiegele sich die konjunkturell ungünstige Tendenz am Arbeitsmarkt wieder. Die Finanzmärkte zeigten sich von den Zahlen unbeeindruckt.

Arbeitslosenquote klettert auf 9,7 Prozent

Nach Angaben der BA kletterte die Zahl der Arbeitslosen in Westdeutschland im Juli saisonbereinigt um 18 000 (Juni revidiert: 16.000) Erwerbslose zum Vormonat. In Ostdeutschland sank die Zahl dagegen um 10.000 nach einem Anstieg von revidiert 26.000 zum Vormonat. Bereinigt kletterte die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Deutschland auf 4,105 (Juni revidiert 4,097) Millionen. Die unbereinigte Arbeitslosenquote stieg auf 9,7 von 9,5 Prozent im Juni.

Gerster sagte nach Veröffentlichung der Zahlen in Nürnberg: "Die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit noch zu gering und zu wenig gefestigt, um den Arbeitsmarkt zu beleben." In den neuen Ländern sei der Anstieg aber vergleichsweise moderat ausgefallen. Gerster ergänzte, er erwarte im vierten Quartal des Jahres eine Verbesserung der Arbeitslosenzahlen. Die rot-grüne Bundesregierung hatte ursprünglich darauf gehofft, dass sich der Arbeitsmarkt noch rechtzeitig vor der Bundestagswahl am 22. September wieder beleben werde.

Volkswirte: Noch keine Trendwende in Sicht

Volkswirte sagten, der schwächer als erwartet ausgefallene Anstieg der bereinigten Zahlen signalisiere noch keinen Umschwung. "Man sollte die Daten nicht als Beginn einer Trendwende betrachten, weil die Arbeitslosigkeit wahrscheinlich für den Rest des Jahres weiter steigen wird", sagte Christoph Hausen, Konjunkturexperte bei der Commerzbank in Frankfurt. "Wenn man sich die unbereinigten Daten ansieht, die in der politischen Diskussion eine große Rolle spielen, sind wir wieder über vier Millionen, und das erwarten wir auch für August", fügte er hinzu. Der derzeitigen Koalition werde dies in den Umfragen nicht helfen.

Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank sagte, trotz des verlangsamten Anstiegs der Erwerbslosenzahlen sei der Arbeitsmarkt ohne Dynamik. "Für das gesamte Jahr bleibt der Ausblick düster. Wegen der schwachen Konjunktur wird die Gesamtzahl weiter über vier Millionen bleiben, erst im Frühjahr ist mit Besserung zu rechnen."

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