Qwest muss 35 Milliarden Dollar abschreiben
US-Telekomanbieter bereinigt Bilanzen

Der amerikanische Telekommunikationskonzern Qwest International muss in diesem Jahr 35 Mrd. $ seines Vermögens abschreiben. Das ist etwa die Hälfte des gesamten Vermögensbestandes. Die Wertberichtigungen sind unmittelbare Folge der tiefen Krise im Telekommunikationssektor.

tor NEW YORK. Für Qwest ist der Vermögensverlust jedoch besonders bitter: das Unternehmen steht finanziell mit dem Rücken zur Wand und wird wegen Bilanzmanipulationen von den Justizbehörden und der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) unter die Lupe genommen.

Mit 24 Mrd. $ entfällt der größte Teil der Abschreibungen auf Buchwerte (Goodwill) für Firmenbeteiligungen, die Qwest während des Booms der späten 90er Jahre vorgenommen hatte. Der dramatische Wertverlust von Telekomfirmen an der Börse führt dazu, dass die heutigen Beteiligungswerte weit unter den damals gezahlten Einkaufspreisen liegen. Qwest rechnet damit, dass noch weitere Abschreibungen in Höhe von 6 Mrd. $ dazu kommen könnten.

Darüber hinaus muss das Unternehmen auch den Wert seines Telefonnetzes um insgesamt 10,8 Mrd. $ nach unten korrigieren. "Das zeigt, dass die in den späten 90er Jahren aufgebauten Netze jetzt zum Ballast geworden sind", sagte Susan Kalla, Analystin bei der Anlagegesellschaft Friedman, Billings, Ramsey & Co, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Qwest begründet die enormen Wertberichtigungen auch damit, dass der neue Wirtschaftsprüfer KPMG zu anderen Ergebnissen gekommen sei als Arthur Andersen.

Nicht nur die Bilanz, auch die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens muss nachgebessert werden. So werden jetzt bereits in früheren Jahren verbuchte Umsätze in Höhe von 531 Mill. $ aus dem Verkauf von Netzkapazitäten neu verteilt. Bereits zuvor musste das Unternehmen seine Erlöse von 950 Mill. $ korrigieren. Der Grund: Qwest hatte die Summe aus dubiosen Scheingeschäften mit anderen Telekomkonzernen erhalten und damit seine Ergebnisrechnung aufpoliert. Weitere Umsätze in Höhe von 120 Mill. $ aus dem Mobilfunkgeschäft entfallen komplett.

Die Bilanzkorrekturen werfen ein schlechtes Licht auf das Management des inzwischen gefeuerten Qwest-Chefs Joseph Nacchio. Dieser hatte aus dem kleinen Telekomanbieter Qwest durch die Übernahme der regionalen Telefongesellschaft US-West einen Mitspieler auf dem internationalen Telekommarkt gemacht. Als die Telekomblase platzte, kam das Unternehmen mit seinen aufgebauten Kapazitäten schnell in Finanznöte. Erst vor kurzem musste Qwest deshalb seine Telefonbuchsparte für 7 Mrd. $ verkaufen.

Der neue Konzernchef Richard Notebaert setzt nun alles daran, die Bilanzen zu säubern, um einer harten Strafe durch die Regulierungsbehörden zu entgehen und den Konzern vor dem Konkurs zu retten. Die Aktie verlor gestern zu Handelsbeginn in New York mehr als 7 %. Seit Jahresbeginn hat Qwest an der Börse etwa 77 % seines Marktwertes verloren

Quelle: Handelsblatt

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