Qwest und Worldcom geraten ins Visier der Fahnder
US-Börsenaufsicht prüft weitere Telekoms

Nach Global Crossing nimmt die US-Börsenaufsicht SEC jetzt die Telekomanbieter Qwest und Worldcom unter die Lupe. Die Rettung der hoch verschuldeten Unternehmen wird damit immer fraglicher.

tor NEW YORK. Erst platzt die Internetblase, dann bricht das Geschäft ein und nun untersucht die US-Börsenaufsicht SEC die Bilanzen. Erst bei Global Crossing, dann bei Qwest und jetzt bei Worldcom. Die einstigen Sterne der US-Telekommunikationsindustrie fallen derzeit wie Steine vom Börsenhimmel. Um mehr als 200 Mrd. $ ist der Marktwert dieser drei Unternehmen seit dem Höhepunkt des Internet-Fiebers gesunken. Global Crossing ist bereits zahlungsunfähig. Die Überprüfung der Bücher von Qwest und Worldcom durch die SEC bringt jetzt auch diese beiden Firmen in Nöte.

Die SEC verlangt von Worldcom Auskunft über insgesamt 24 Bilanzierungsfragen. Die Spannweite reicht von Kundenabrechnungen über Kredite an das Management bis hin zur Buchung von Sonderaufwendungen und Akquisitionen. Firmenchef Bernard Ebbers zeigte sich von der Anfrage überrascht: "Ich wäre der erste, der unsere Aktionäre informieren würde, wenn es Grund zur Sorge gebe." Der einst als Übernahmestar gefeierte Ebbers steckt selbst in finanziellen Schwierigkeiten und musste sich von seiner Firma 340 Mill. $ leihen. Worldcom hat bereits eine interne Untersuchung wegen überhöhter Umsatzprovisionen eingeleitet und sich von drei Mitarbeitern getrennt.

Nicht überraschend kommt die Untersuchung offenbar für Qwest-Chef Joseph Nacchio. Nach der Pleite des Energiekonzerns Enron stünden die Bilanzen überall im Mittelpunkt des Interesses, sagte er auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in New York. Nach Angaben des Unternehmens will die Börsenaufsicht vor allem den Verkauf und die Buchung von Glasfaserkapazitäten an andere Telekomfirmen unter die Lupe nehmen.

Nach dem Aufbau riesiger Leitungskapazitäten haben die Unternehmen Teile davon untereinander hin und her geschoben. Was Nacchio als legale und "clevere Geschäftspraktiken" verteidigt, verurteilen die Kritiker als Bilanzmanipulation. Die Kapazitätsverkäufe seien als Einnahmen verbucht worden, obwohl es sich nur um einen Tausch gehandelt habe. Im vergangenen Jahr hat Qwest nach eigenen Angaben 5,1% seines knapp 20 Mrd. $-Umsatzes durch den Verkauf von Leitungskapazitäten erzielt. Geschäftspartner bei diesen umstrittenen Praktiken war zum Beispiel der unter Gläubigerschutz stehende Konzern Global Crossing, gegen den die SEC und die Bundespolizei FBI bereits seit längerem wegen des gleichen Vorwurfs ermitteln. Verwickelt in den Skandal ist auch Arthur Andersen. Die von der Enron-Pleite bereits schwer angeschlagenen Wirtschaftsprüfer haben bei Global Crossing, Qwest und Worldcom die Bilanzen geprüft.

Obwohl die betroffenen Telekomunternehmen die Bedeutung der SEC-Untersuchung herunterspielen, kann allein schon der Verdacht auf Bilanzmanipulationen unangenehme Folgen haben. "Die Märkte reagieren sehr negativ darauf", sagte Jim Lyon, Portfolio-Manager bei der Anlagegesellschaft Oakwood Capital Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Nicht nur die Börsenkurse der Firmen sind dramatisch abgesackt. Es fällt den Unternehmen zunehmend schwerer, ihre Liquidität zu sichern. Die Ratingagenturen haben etwa die Kreditwürdigkeit von Qwest in den letzten Wochen mehrmals zurück gestuft. Das Unternehmen musste daraufhin auf teure Bankkredite zurückgreifen.

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