Rabattprogramme der Autobauer stoßen bei Analysten auf Skepsis
Autoaktien trotz guter Bilanzen nur durchschnittlich bewertet

Null Prozent Zinsen auf Kredite für Neuwagen - die Strategie, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 der Autoindustrie aus der Krise helfen sollte, war eigentlich nur auf sechs Wochen angelegt. Doch wegen des Zuspruchs verlängerten die Konzerne die Aktion immer wieder. Mit Erfolg: Im August kletterte der Autoabsatz in den USA im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 13 Prozent. Allein Marktführer General Motors (GM) verzeichnete ein Plus von 18 Prozent und erhöhte seine Gewinnprognosen für das laufende Quartal und das Gesamtjahr. Analysten bewerten die Branche trotzdem kritisch.

NEW YORK. Ein Grund ist die Sorge, dass die Angebote möglicherweise keine zusätzlichen Käufer gewinnen, sondern nur Kunden ansprechen, die ohnehin einen Neuwagen anschaffen wollten. Damit würden die aktuellen guten Zahlen Raubbau an den Bilanzen kommender Quartale betreiben. "Qualitativ sind die Verbraucherausgaben zurzeit schwach, denn sie stützen sich stark auf die Null-Prozent-Kredite, um die Autoverkäufe anzukurbeln", sagt Analyst Nicholas Heymann von Prudential Securities. Die Rabatte drücken vor allem beim zweitgrößten US-Autobauer Ford auf die Gewinne. An jedem in Nordamerika verkauften Fahrzeug verdiente der Konzern aus Michigan im zweiten Quartal nur 38 Dollar, während GM 800 Dollar und Chrysler 529 Dollar pro Auto einstrichen, wie die Nachrichtenagentur Reuters errechnete. In der vorigen Woche stufte die Investmentbank UBS Warburg die Ford-Papiere von "Halten" auf "Reduzieren" herab und löste damit einen Preissturz von fast zehn Prozent aus. "Im Fahrzeugbereich ist Ford heute der Konkurrenz auf dem Heimatmarkt einfach nicht gewachsen", sagt UBS-Analyst Saul Rubin, "und wenn keine bedeutenden weiteren Restrukturierungsmaßnahmen folgen, wird das auch in absehbarer Zukunft so bleiben."

Beim Konkurrenten GM fallen die Urteile weniger kritisch aus, doch auch hier bleiben die Experten vorsichtig. Ronald Tadross von Banc of America Securities erhöhte zwar jüngst seine GM-Gewinnschätzung für das laufende Geschäftsjahr um satte 30 Cent auf 6,57 Dollar. Dennoch lautet sein Anlageurteil weiterhin "Market Performer".

GM rechne damit, in diesem Quartal 23 000 Fahrzeuge mehr zu produzieren als ursprünglich geplant, was zwar den Erlös steigern sollte, doch auf Dauer den Konzernen keine Luft verschafft. "Wenn sich die Preise ein wenig erholen würden, wäre das ein Allheilmittel für die Autobauer", sagt Tadross. "Ich glaube aber, dass das nur durch eine deutliche Umsatzerholung möglich würde, und damit rechnen wir nicht mehr im vierten Quartal und nicht einmal im nächsten Jahr." Er sieht den fairen Preis der GM-Titel daher bei rund 42 Dollar, etwa sieben Prozent unter dem aktuellen Kurs.

Ohnehin liegt der GM-Preis nur noch rund 15 Prozent von den Jahrestiefständen vom September 2001 entfernt. Die Ford-Aktie testet schon jetzt täglich neue 12-Monats-Tiefs. Einige Analysten können den schwächelnden Kursen doch noch gute Aspekte abgewinnen: "Die Ford-Unternehmensleitung hat einen glaubwürdigen Restrukturierungsplan, die Gewinne im zweiten Quartal haben die Erwartungen leicht übertroffen, und der Preis erscheint sehr attraktiv", meint John Casesa von Merrill Lynch. "Die Aktie wird erst im nächsten Jahr den Boden erreichen, aber wir rechnen damit, dass die Verluste geringer werden und empfehlen Ford weiterhin dem geduldigen, wertorientierten Anleger zum Kauf."

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