Radcliffe läuft Europarekord
Kugelstoßer Bartels holt Bronze

Mit einem 10 000-m-Europarekord im strömenden Regen sorgte Paula Radcliffe für den grandiosen Auftakt der Leichtathletik-Europameisterschaften in München und Kugelstoßer Ralf Bartels (Neubrandenburg) mit 20,58 m für eine Bronzeüberraschung.

sid MÜNCHEN.

In 30:01,10 Minuten steigerte die von 29.000 unentwegten Zuschauern umjubelte Britin die 16 Jahre alte Bestmarke der Norwegerin Ingrid Kristiansen um 12,64 Sekunden. Das erste Gold der Titelkämpfe hatte nach der Eröffnung durch Bundesinnenminister Otto Schily der Spanier Francisco Fernandez in 1:18:37 Stunden im 20-km-Gehen gewonnen. Im Kugelstoßen triumphierte der Ukrainer Juri Belonog mit 21,37 m.

Bald ein ganz Großer

"Mit einer Medaille zum Auftakt konnten wir nach dem Ausfall unserer Geher-Hoffnung Andreas Erm nicht rechnen. Toll dieser Ralf Bartels", freute sich Rüdiger Nickel, Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Bartels hatte sich im fünften Versuch auf 20,58 m verbessert und den Spanier Manuel Martinez (20, 45 m) vom Bronzethron gestoßen. "Unglaublich. Ralf kann einmal ein Großer werden", meinte der verletzte Vize-Weltmeister Oliver-Sven Buder (Ingolstadt) als Zuschauer auf der Tribüne.

Deutsche Favoriten scheitern zum Auftakt

Der Triumph von Bartels kam gerade zur rechten Zeit. Denn aus dem dem Kreis der deutschen Hoffnungen war zum dritten Mal in Serie bei einem Großereignis Ex-Weltmeister Karsten Kobs (Leverkusen) mit 77,44 m im Hammerwurfring auf der Strecke geblieben und ebenfalls in der Qualifikation scheiterte Speerwurf-Medaillentip Dörte Friedrich (Karlsruhe) mit indiskutablen 49,86 m. Während zum Auftakt bereits elf Mitglieder aus dem 92-köpfigen Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf der Strecke blieben, kamen die anderen Hoffnungsträger weiter.

Heike Drechsler im Finalkampf

Zuerst stürmte 400-m-Vize-Weltmeister Ingo Schultz (Dortmund) als Vorlaufsieger in 45,79 Sekunden ins Halbfinale. Im Finalvorkampf steht am Mittwoch auf dem Weg zum erhofften fünften Weitsprung-Titel Heike Drechsler (Karlsruhe), die im Regen mit 6,41 m eine Zitterpartie lieferte, am Donnerstag drei Leverkusener. Hochsprung-Weltmeister Martin Buß reichten 2,21 m in der Qualifikation, der frühere Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek kam mit 16,77 m fast so souverän weiter wie die Olympiavierte Steffi Nerius, die mit 60,27 m zweitbeste Speerwerferin war.

Radcliffe fast unter 30 Minuten

Radcliffe, große Verliererin vieler Medaillenschlachten, drehte ihre Runden auf dem nassen Kunststoff mit der Präzision eines Uhrwerks und hätte fast sogar die 30-Minuten-Barriere unterschritten. Dennoch konnte sie die Kluft zum ominösen Weltrekord der Chinesin Wang Junxia (29:31,78) auf eine halbe Minute reduzieren.

Die erste Medaille ging an einen spanischen Geher

Den ersten der 46 Titel hatte sich der spanische Favorit Fernandez in einer Regenschlacht über 20 Kilometer gesichert. Der EM-Dritte von 1998 schlug den Russen Wladimir Andrejew, Bronze ging an den Spanier Manuel Molina. Nach dem frühzeitigen Verzicht von Medaillenhoffnung Andreas Erm spielten der Berliner Andreas Höhne als 11. sowie der Erfurter Jan Albrecht auf Rang 19 wie erwartet keine Rolle.

Überraschungen beim Kugelstoßen

Im Kugelstoßen wurde Belonog, 1998 EM-Dritter, mit 21,37 m seiner Favoritenrolle gerecht. Bronze ging mit 21,16 m an den Norweger Joachim Olsen. Bartels verdrängte den spanischen Mitfavoriten Manuel Martinez, der mit 20,45 m enttäuschte, noch vom Bronzeplatz.

400 Meter nach Maß

Bei noch idealen Bedingungen am frühen Morgen hatte der 400-Meter-WM-Zweite Ingo Schultz dem DLV einen Auftakt nach Maß beschert und lief trotz eines Fehlstarts locker in die zweite Runde. `Ich hatte alles unter Kontrolle. Die Bahn 2 war dafür prädestiniert, weil ich alle Konkurrenten vor mir sah", sagte der 27-Jährige, der in 45,79 Sekunden als Sieger seines Vorlaufs die insgesamt drittbeste Zeit nach dem Franzosen Marc Raquil (45,70) und dem Spanier David Canal (45,75) erzielte.

Pleite bei den Hammerwerfern

Eine Pleite auf der ganzen Linie erlebten die Hammerwerfer. Karsten Kobs kam nicht über 77,44 m hinaus, blieb damit über vier Meter unter seiner Saisonbestmarke (81,49) und verpasste als 14. das Finale am Mittwoch. `Ich muss diese Saison einfach als Aufbaujahr abhaken. Es war für mich auf dem Weg zu neuen Zielen eine Art Neuauferstehung. Daran will ich weiterarbeiten", suchte Kobs sein Heil in der Flucht nach vorne.

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