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Radikale islamistische Vereine in Deutschland

Der Verfassungsschutzbericht 2000 gibt die Zahl der Mitglieder und Anhänger extremistische Ausländerorganisationen mit 58 800 an. Mit 31 450 Personen wird die Mehrzahl islamistischen Organisationen zugerechnet. Der Bericht listet zahlreiche islamistische Organisationen auf.

dpa BERLIN. Die Islamische Gemeinschaft Milli Görus (IGMG) ist mit 27 000 Mitgliedern und einer nach Zehntausenden zählenden Anhängerschaft die größte Organisation. Die IGMG wurde 1985 in Köln gegründet. Die politischen Ziele beschreibt ein Funktionär wie folgt: "Uns reicht nicht nur unsere eigene Befreiung. Wir setzen uns für die Befreiung der ganzen Menschheit ein und sind die Vertreter einer Gesellschaft, die sich vor keiner Selbstlosigkeit scheut. [...] Die Befreiung der Menschheit, ihr Wohl und Glück sind über den Koran möglich."

Der Kalifenstaat in Köln, 1984 gegründet, hat etwa 1 100 Mitglieder. Die vom selbst ernannten "Emir der Gläubigen und Kalif der Muslime", Metin Kaplan, geführte Organisation strebt die Weltherrschaft des Islam unter der Führung eines einzigen Kalifen an. Der Kalifenstaat lehnt Demokratie und Parteienpluralismus als unvereinbar mit dem Islam ab. Der Verfassungsschutz fand auch eindeutige antizionistische und antisemitische Äußerungen: "Die Muslime können es sich auf keinen Fall gefallen lassen, sich von den Ungläubigen falsche Grenzen setzen zu lassen. [...] Oh Ihr Muslime! Haltet diese Entwicklung auf! [...] bereitet der Herrschaft einer Hand voll stinkender und ängstlicher Juden ein Ende." Das OLG Köln verurteilte Kaplan am 15. November 2000 wegen der Aufforderung zu einer Straftat zu vier Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kaplan zum Mord an einem Widersacher aufgerufen hatte.

Die Arabischen Mudschahedin (Kämpfer für die Sache Allahs) sind in Netzwerken über Europa hinaus organisiert. Sie werden größtenteils von Islamisten arabischer Herkunft gebildet, die als Anhänger des internationalen "Dschihad" (Heiliger Krieg) an Kampfeinsätzen in Afghanistan, Bosnien, Kaschmir oder Tschetschenien teilgenommen haben. Nach ihrem Verständnis verteidigen sie die muslimische Welt gegen "Ungläubige". Sie lehnen den Westen und seine Werte entschieden ab. Als besonders aggressiv gelten die Anhänger der islamistischen Strömung "Takfir wa'l Hidschra" ein, von der eine Verbindung zu Osama bin Ladens "Al Qaida" (Die Basis) reicht.

Die Islamische Widerstandsbewegung (Hamas) ist in Israel und den palästinensischen Autonomiegebiet aktiv. Die in Deutschland lebenden, dem Islamischen Bund Palästinas angehörenden Hamas-Anhänger beteiligten sich laut Bericht bundesweit an Veranstaltungen gegen das Vorgehen Israels in den Palästinensergebieten.

Die Hisbollah agiert im Libanon. Die Aktivitäten der unter iranischem Einfluss stehenden Anhänger in Deutschland konzentrierten sich auf Versammlungen in Moscheen und Demonstrationen.

Die iranischen Volksmudschahedin sind in Deutschland durch ihren weltweit agierenden Nationalen Widerstandsrat vertreten. Sie wollen den politisch-kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Iran stören. Im vergangenen Jahr fielen ihre Anhänger vor allem auf, weil sie den Deutschland-Besuch des iranischen Präsidenten Chatami verhindern wollten.

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