Radikaler Stellenabbau
Premiere will durch Sparkurs überleben

Der existenzbedrohte Bezahlsender Premiere der Kirch Gruppe will durch radikalen Stellenabbau, mehr Erotik im Programm und günstigere Einstiegspreise bis 2005 die Gewinnzone erreichen.

dpa MÜNCHEN. "Mit dem Thema Insolvenz beschäftigen wir uns überhaupt nicht. Wir haben unsere Hausaufgaben zu machen", sagte der neue Premiere-Chef Georg Kofler am Mittwoch in München.

Der Sanierungsplan werde "radikal und schnell" umgesetzt. Mindestens 25 bis 30 Prozent der 2400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Der Aufsichtsrat habe auf seiner Sitzung am Dienstag den Sanierungskurs einstimmig abgesegnet. 2001 machte Premiere erneut drastische Verluste.

Die andauernden Verluste des Bezahlsenders gelten als Hauptursache für die Finanzkrise der Kirch Gruppe. Die Zukunft ist trotz Koflers Sanierungsplans völlig ungewiss. Zu den Verhandlungen mit den Banken und den Gesellschaftern wollte sich Kofler nicht äußern.

Die angeschlagene Kirch Gruppe hat in den vergangenen Jahren Milliarden in das Abenteuer Pay TV gesteckt. "Es gibt aber eine vielversprechende Zukunft bei Premiere", sagte Kofler. 2002 stieg das Minus vor Steuern und Zinsen noch einmal von 743,5 auf 989 Millionen Euro. Der Umsatz ging gleichzeitig leicht auf 813,1 Millionen Euro zurück. Die Finanzverbindlichkeiten Ende des Jahres 2001 bezifferte Kofler auf 962 Millionen Euro. Im laufenden Jahr erwartet Kofler prozentual einstellig steigende Umsätze. Die Zahl der Abonnenten soll von derzeit 2,4 auf über drei Millionen im Jahr 2003 steigen.

Auch bei den Einkaufspreisen für Filme und Sport will Kofler sparen. "Wir haben Preise gezahlt, die auf dem deutschen Pay TV-Markt nicht zu erwirtschaften sind", sagte Kofler. Bei Verhandlungen mit Hollywood-Studios will er die Kosten der Filmrechte drücken. Er sei zuversichtlich, dass es in den kommenden drei Monate erste Einigungen gebe. Dabei sei auch ein Einstieg der Studios bei Premiere möglich. Zudem will Kofler künftig eine Reihe von Sportarten nicht mehr übertragen. Die Fußball-Bundesliga sei aber ein Juwel.

Trotz des großen Angebots frei empfangbarer Sender ist Kofler von den Zukunftschancen des Bezahlfernsehens in Deutschland überzeugt. Bei seiner Neuordnung der unübersichtlichen Programmstruktur will der Südtiroler auf sieben Kanälen möglichst aktuelle Kinofilme zeigen. "Premiere ist Kino pur", sagte der frühere Pro Sieben-Chef. Im Sportbereich will er sich auf die Publikumsrenner Fußball und Formel 1 konzentrieren. Für einzelne Sportereignisse, die neuesten Kinohits und Erotikfilme müssen die Abonnenten im "Pay per View"-Verfahren extra bezahlen. Das günstigste Premiere Start-Angebot gibt es künftig für fünf Euro im Monat. Bisher startete das Angebot erst bei 15 Euro.

Koflers Sanierungsplan sieht vor, dass der Umsatz bis 2005 auf mehr als 1,5 Milliarden Euro steigen soll. Der Verlust vor Zinsen und Steuern soll 2003 knapp 294 Millionen Euro betragen und im Folgejahr 80,8 Millionen Euro. 2005 will Kofler dann 144,8 Millionen Euro verdienen. Als unklar gilt, wer bis dahin die Verluste tragen soll. Wenn der Sender auf Kurs ist, hält Kofler einen Börsengang Anfang 2004 für möglich.

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