Radikalkur
AUA verordnet sich drastisches Sparpaket

Der Weg zurück zur Profitablität wird für die Austrian Airlines AG steinig werden. Nach einem erwarteten Verlust vor Steuern in der Gruppe 2001 von 150 Millionen Euro sollen mit kurzfristigen Maßnahmen 260 Millionen Euro gehoben werden, die das Ergebnis 2002 verbessern helfen, sagte AUA-Vorstandsvorsitzender Vagn Sörensen. Aussagen zum erwarteten Ergebnis 2002 wurden aber nicht gemacht.

Reuters WIEN. Wie andere Fluglinien auch streiche AUA Stellen und werde nicht betriebsnotwendige Beteiligungen und Flugzeuge verkaufen und die Organisation straffen.

AUA will aber auch eine selbständige Fluglinie bleiben. "Wir gehen davon aus, dass AUA als unabhängiges Unternehmen überleben wird", sagte Vagn Sörensen, der ehemalige SAS-Manager, der seit 1. Oktober 2001 im Chefcockpit der AUA sitzt.

Dafür sei aber eine Radikalkur notwendig, denn nur die, die markt- und kostenseitig gut positioniert seien, würden die Krise überleben. Die Industrie erlebe einen dramatischen Einbruch, noch stärker als der nach dem Golfkrieg 1991, sagte Sörensen.

AUA operiert derzeit tief in der Verlustzone. In den ersten drei Quartalen hat AUA bei einem auf 1634,2 (1252,2) Mill. Euro gestiegenen Umsatz ein Betriebsergebnis (EBIT) von minus 16,0 (plus 36,9) Mill. Euro erzielt. In den Ziffern sind erstmals die Lauda Air und die Rheintalflug voll konsolidiert. Das Betriebsergebnis vor Abschreibung, Amortisation und Flugzeugleasingkosten (Ebitdar) ist mit 205,8 (203,0) Mill. Euro in etwa konstant geblieben. Der Verlust vor Steuern hat sich auf minus 75,0 (minus 7,2) Mill. Euro ausgeweitet.

Acht Hauptstrategien

Schon vor dem 11. September 2001 sei die Situation für die AUA nicht rosig gewesen, weil die Konjunktur lahmte und die hohen Kerosinpreise auf das Ergebnis drückten. Zudem habe die Lauda Air große Probleme bereitet. Seit den Anschlägen habe sich die Situation dramatisch verschärft. Nach einem Minus von 6,1 Prozent im September war das Passagieraufkommen im Oktober mit minus 11,2 Prozent neuerlich stark rückläufig. Über das Jahr gerechnet müßten die europäischen Fluglinien heuer mit einem Minus von 7,7 Prozent rechnen, sagte AUA-Marketing-Vorstand Josef Burger.

AUA kürzen deshalb die Produktion. Nach zehn Prozent Anfang Oktober werden noch einmal acht Prozent Kapazität aus dem Markt genommen. Und das könnte noch nicht einmal das Ende sein, sagte Burger. Weitere drei Maschinen werden aus dem Verkehr genommen und erhöhen die Zahl der stillgelegten Flugzeuge auf sieben.

Mit einer Erholung rechnet Burger im dritten Quartal 2002. Insgesamt werde die AUA - so wie die Industrie - um zwei bis drei Jahre zurückgeworfen, sagte Sörensen.

Die Personalkosten sollen im nächsten Jahr um 15 Prozent sinken und das Management will einen Gehaltsverzicht, einen "Solidarbeitrag" der Belegschaft, von im Durchschnitt sieben Prozent, was 20 Millionen Euro bringen würde. Der Betriebsrat hat sich bereits dagegen ausgesprochen.

Bis Ende 2002 sollen - bezogen auf den Stichtag 31. August - 930 Menschen ihren Job verlieren. Teilweise werde dies durch Pensionierung, Altersteilzeit und andere Modelle erfolgen. Es werde aber auch Kündigungen geben, sagte Sörensen.

Die Töchter Lauda, Tyrolean und Rheintalflug werden zu Produktionsgesellschaften, an den verschiedenen Marken soll aber festgehalten werden. Lauda soll künftig nur mehr Charter bzw. im Auftrag von AUA Langstrecke fliegen, sagte Burger. Ingesamt will man die gute Position als Drehscheibe zu Osteuropa stärken und das Angebot nach Westeuropa verdichten. An der Langstrecke halte man fest, weil damit auch Passagiere ins eigene Kurzstreckennetz gespeist würden, sagte Burger.

Die 260 Millionen Euro Ergebnisverbesserung sollen aus einer Summe von Maßnahmen kommen. Auch höhere Erträge - höhere Preise und Zuschläge für Sicherheit - seien eingeplant, sagte Thomas Kleibl, Finanzvorstand der AUA. Investitionen würden auf ein Minimum reduziert, die Auslieferung sechs neuer Flugzeuge werde so weit wie möglich verschoben und auch die Refinanzierung von Flugzeugen - sale-and-lease back-Geschäfte - überlegt.

Zum Beteiligungsverkauf gab es keine detaillierten Angaben, außer, "dass es keine Tabus gibt", wie Sörensen sagte. AUA hat etwa Anteile am Verkehrsbüro, in Frage steht auch, ob man am Caterer Airest beteiligt bleiben wolle.

Selektiv sollten auch ältere Flugzeuge zu verkaufen sein, sagte Kleibl, obwohl nach dem 11. September laut Sörensen weltweit 800 Flugzeuge außer Dienst gestellt wurden.

Dass der Schuldenabbau - AUA hat mit 260 Prozent eine hohe Nettoverschuldung - dadurch verzögert werde, sei klar, sagte Kleibl.

Keine Gespräche mit Lufthansa

Für Michael Kukacka, Fondsmanger der Ringtum KAG, gehen die Kosteneinsparungen nicht weit genug. AUA könnte die derzeitige Krise der Luftfahrt nicht überstehen und könnte übernommen werden.

"Ich bin nicht sehr optimistisch. Sie ist einfach zu klein", sagte Kukacka. Man betreibe vier Luftlinien, wobei eine schon genügen würde. Ideal wäre, wenn die Deutsche Lufthansa AUA übernehmen würde, sagte er.

Gespräche mit der Lufthansa gebe es nicht, sagte Sörensen. AUA wolle aber mit der Credit Suisse First Boston (CSFB) über die Pläne für ihren AUA-Anteil sprechen. CSFB hält das 10-Prozent-Paket der Swissair, die das Paket verpfändet hat.

Positiv hingegen äußerte sich Georg Waldner, Analyst der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen. "Das neue Konzept macht Sinn. Das Management versucht an allen Fronten Veränderungen herbeizuführen", sagte Waldner.

Zumindest ein Problem ist für die AUA aber gelöst. Im monatelangen Streit mit Niki Lauda, dem Gründer der Lauda Air, haben sich die Kontrahenten geeinigt. Die Privatstiftung Niki Lauda verkauft ihre knapp 30 Prozent an Lauda Air der AUA, die damit mit 99 Prozent die Kontrolle hat. Lauda Air gibt auch ihre Anteile an der Lauda Air Italy ab und transferiert drei Boeings an Lauda Air Italy. Nähere Angaben über Geldflüsse - in Frage stand der Preis für das Lauda-Paket - wurden nicht gemacht.

AUA notierten zuletzt mit 5,84 (6,10) Euro. Seit Jahresbeginn haben AUA über 52 Prozent an Wert verloren, während der Leitindex ATX(.ATX) rund 1,85 Prozent eingebüßt hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%