Radsport
Der „Stinkefinger" und seine Folgen

Weder das Nationale Olympische Komitee (NOK) noch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wollen die Silbermedaillen-Gewinnerin für ihren "Stinkefinger" bestrafen. Lediglich der Weltverband UCI verhängte eine Geldbuße von 200 Schweizer Franken. Damit bleibt der viel diskutierte Aufreger auf der Ziellinie für Judith Arndt weitgehend ohne Konsequenzen.

HB ATHEN. "Dem juristischen Grundsatz folgend, niemals jemanden für ein Vergehen zwei Mal zu bestrafen, gibt es von uns keine weiteren Sanktionen. Wenn Judith dieses Szenario braucht, um eine Medaille zu holen - dann meinetwegen", sagte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk.

Die 28-jährige Leipzigerin hatte ihren merkwürdigen Auftritt bei der Zieldurchfahrt des Frauen-Straßenrennens am Sonntag nach 118,8 km offensichtlich geplant. Bevor die Weltranglisten-Zweite hinter Sara Carrigan aus Australien als Zweite die Ziellinie passierte und den ausgestreckten Mittelfinger zeigte, hatte sie ihre Rennhandschuhe zu Boden geworfen. Sie wollte dem Verband ihre Missachtung zeigen. Die Nicht-Nominierung ihrer Lebensgefährtin Petra Roßner, die trotz deutschem Meistertitel nicht mit nach Athen durfte, hatte Arndt noch immer nicht verarbeitet.

Die Verbands-Präsidentin hatte den Nominierungs-Streit längst als erledigt betrachtet: "Ich hatte danach sowohl mit Judith und Petra lange telefoniert." Die 200 Franken Strafe für Arndt sollen laut BDR- Sportdirektor Burkhard Bremer mit den Siegprämien verrechnet werden. Nach der Siegerehrung hatte Arndt in der Pressekonferenz mit starrem Blick die Fragen der Journalisten beantwortet - allein mit ihrem Ärger und ohne erkennbare Freude über die erst zweite deutsche Olympia-Medaille in Athen. "Durch diesen ganzen Unsinn hat sie sich den Spaß über die Medaille total vermiest", meinte Schenk.

Als die erste Erregung verflogen war, entschuldigte sich die Bronzemedaillen-Gewinnerin von Atlanta im Fernsehen für ihre Entgleisung: "Es war ein Fehler, ich habe ja auch eine Vorbild- Funktion", bekannte Judith Arndt reumütig. Am Abend im "Deutschen Haus" konnte sie zusammen mit der Athen-Touristin Petra Roßner (37), die für das Saisonende ihren Rücktritt verkündete, sogar schon wieder lachen und ein wenig feiern.

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