Radsport
Erster Dopingfall bei Olympia

Die Olympischen Spiele in Peking haben ihren ersten Dopingfall: Die spanische Radfahrerin Maria Isabel Moreno ist bei einer Trainingskontrolle mit dem Blutdopingmittel Epo erwischt worden. Jetzt droht dem Radsport womöglich der Olympia-Ausschluss.

Der Radsport hat seine "Tour de Dopage" auch auf der olympischen Bühne fortgesetzt und muss nun den Ausschluss aus dem Programm der Sommerspiele fürchten. Radfahrerin Maria Isabel Moreno sorgte für den ersten Dopingfall bei Olympia 2008 in Peking und untermauerte damit den zweifelhaften Ruf Spaniens als mutmaßliche Doping-Drehscheibe in Europa.

Am 31. Juli wurde die 27 Jahre alte Medaillenhoffnung der Iberer kurz nach ihrer Ankunft in der chinesischen Hauptstadt bei einer Kontrolle positiv auf das Blutdopingmittel Erythropoietin (Epo) getestet. Moreno wusste offenbar schon, was ihr blüht. Ohne das Ergebnis der Kontrolle abzuwarten, reiste sie noch am gleichen Abend in ihre Heimat ab. "Panikattacken" waren passenderweise die offizielle Begründung für ihre überstürzte Flucht. Das IOC hat die Akte Moreno, den 91. Dopingfall in der Geschichte der Olympischen Sommerspiele, an die UCI weitergeleitet. Ihr droht nun eine zweijährige Sperre. Dann wäre sie gemäß dem neuen IOC-Reglement auch gleich bei den Spielen 2012 ausgeschlossen.

Diskussionen über Olympia-Bann der Radfahrer

Sogleich kamen die Diskussionen über eine mögliche Streichung des Radsports aus dem Programm für die Spiele 2016 wieder in Gang. "Ich denke, der Radsport hat genauso wie Gewichtheben verstanden, dass ein Ausschluss droht, sollten die Betrügereien weitergehen", sagte der Australier John Fahey als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) klipp und klar: "In einigen Sportarten hat sich eine richtige Dopingkultur entwickelt."

Im November wird die Wada mit dem IOC Gespräche über mögliche Ausschlüsse von Sportarten führen, im Herbst 2009 entscheidet die Programm-Kommission des IOC dann über die Sportarten-Belegung für die Spiele 2016. Bislang galt der Radsport als unantastbar, auch weil IOC-Präsident Jacques Rogge als Enkel eines Radprofis und Hein Verbruggen als früherer Präsident des Radsport-Weltverbandes (UCI) genügend Einfluss besitzen.

Der Status einer olympischen Kernsportart bröckelt allerdings mit jedem Dopingfall. Und davon gab es in der Vergangenheit reichlich. Erst bei der vor zwei Wochen zu Ende gegangenen 95. Tour de France wurden fünf Radprofis erwischt. Auch die beiden skandalösen Frankreich-Rundfahrten aus den Jahren 2006 und 2007 mit den Affären um Jan Ullrich, Ivan Basso, Floyd Landis, Michael Rasmussen und dem Astana-Rennstall mit Alexander Winokurow sind noch in bester Erinnerung.

"Mal ein Jahr ohne Spanien fahren"

Im deutschen Lager hielt sich die Überraschung über den Dopingfall Moreno in Grenzen. "Das wundert mich nicht, dass eine Spanierin erwischt wurde. Vielleicht sollte man einfach mal ein Jahr ohne Spanien fahren. Erstaunlicherweise fallen immer wieder die Gleichen durch das Sieb", sagte Frauen-Bundestrainer Jochen Dornbusch dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Von einer Streichung des Radsports aus dem Olympischen Programm hält Dornbusch nichts. "Dann müsste man auch bei anderen Sportarten wie Gewichtheben oder Leichtathletik den Hebel ansetzen", sagte der Coach.

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