Radsport Olympia
Gutes Pflaster für Klassiker-Ass Schumacher

Der Kurs des olympischen Straßenrennens in Peking ist Radprofi Stefan Schumacher auf den Leib geschnitten. Nur die Hitze macht dem Gerolsteiner-Ass stark zu schaffen.

Tropische Temperaturen, Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent und eine Kletterpartie in Chinas Bergen: Auf dem Weg zu den ersten Medaillen im Radsport steht Stefan Schumacher und Co. das schwerste Straßenrennen der Olympia-Geschichte bevor. "Die Strecke in Verbindung mit dem Wetter ist schwer, hinterhältig schwer", prophezeit Hans-Michael Holczer als Sportlicher Leiter der deutschen Mannschaft und erwartet eine einzigartige Tortur über 245,19km.

"Es wird ein extremes Rennen, ein Ausscheidungsfahren geben", glaubt auch Schumacher, der nach seinen zwei Etappensiegen bei der Tour de France und der zweitägigen Fahrt in Gelb nun auch in den Olymp einziehen will: "Eine Medaille wäre ein Traum. Ich habe gut trainiert und bin hochmotiviert."

Doch eins ist klar: Den 125 Fahrern wird am Samstag (Start: 11. 00 Uhr/5.00 Uhr Mesz) alles abverlangt. "Das sind die Olympischen Spiele mit der höchsten Luftfeuchtigkeit. Dazu kommt die Hitze, die vergleichbar mit den Bedingungen in Athen, Atlanta oder Los Angeles ist. Das ist das Schwierigste, was man den Athleten zumuten kann", erklärt der leitende deutsche Mannschaftsarzt Prof. Wilfried Kindermann.

"Trinken, trinken, trinken", heißt deshalb die Devise. Für jeden Fahrer stehen zehn Liter an klarem Wasser und Elektrolytgetränken bereit. Bei den Pedaleuren geht die Angst vor gesundheitlichen Schäden um. "Jeder hat irgendwie Druck auf den Lungen, die Augen brennen ein wenig. Wir sind am Mittwoch viereinhalb Stunden gefahren, es fühlte sich an wie sieben, acht Stunden", berichtet Schumacher von den Trainingseinheiten.

Der WM-Dritte ist kein Freund von Hitze und "leidet deshalb extrem" (Holczer). Allerdings wird es laut Wetterprognosen möglicherweise regnen - ein Hoffnungsschimmer für Schumacher. Die Strecke dürfte dem Nürtinger allerdings liegen. Nachdem es 80km flach an diversen Sehenswürdigkeiten wie dem Platz des Himmlischen Friedens (Schumacher: "Davon habe ich im Training nichts gesehen. Ich konnte keine 100 Meter weit gucken.") vorbeigeht, beginnt die Kletterpartie vor den Toren Pekings. Sieben Runden a 23,8km müssen bewältigt werden, inklusive eines Anstiegs von elf Kilometern mit durchschnittlich vier Prozent Steigung.

"Die Fahrer, die bei Lüttich-Bastogne-Lüttich vorne sind, erwarte ich auch hier", sagt Holczer. Die besten Chancen werden neben Schumacher vor allem dem italienischen Weltmeister und Olympiasieger Paolo Bettini sowie dem Spanier Alejandro Valverde zugerechnet. Aber auch das starke Luxemburger Trio mit den beiden Schleck-Brüdern Andy und Fränk sowie Kim Kirchen oder Gerolsteiner-Profi Davide Rebellin dürften beste Chancen haben.

Voigt und Wegmann suchen das Heil in der Flucht

Sollte die Karte Schumacher nicht stechen, hat das deutsche Team noch weitere Möglichkeiten in der Hinterhand. Jens Voigt (Berlin) etwa, ist immer für einen Ausreißversuch gut. Oder Fabian Wegmann (Freiburg), der seine Sturzverletzungen von der Tour auskuriert hat. Für die ganz unwahrscheinliche Variante einer Sprintentscheidung stünde Gerald Ciolek (Pulheim) bereit.

Der gleiche Kurs ist auch am Sonntag (14.00 Uhr/8.00 Uhr Mesz) für die Frauen zurückzulegen, allerdings muss das deutsche Trio Judith Arndt (Leipzig), Hanka Kupfernagel (Werder) und Trixi Worrack (Dissen) nur zweimal den Rundkurs bewältigen.

Medaillenchancen dürfte vor allem Arndt haben. Als Weltcupführende und Siegerin der anspruchsvollen Thüringen-Rundfahrt ist die Olympia-Zweite bestens vorbereit. "Olympia ist das Größte. Der Titel ist mehr wert als ein WM-Sieg", beschreibt Arndt das Ziel. Aber auch mit Kupfernagel als Zeitfahr-Weltmeisterin dürfte durchaus zu rechnen sein.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%