Radsport
Tour de France-Nominierung bleibt spannend

Bei der kleinen Tour übt Erik Zabel für die große. Der Auftakt war schon vielversprechend: Der Spitzenreiter der Weltrangliste gewann die erste Etappe der Deutschland-Tour in Tauberbischofsheim.

dpa TAUBERBISCHOFSHEIM. Zabel konnte sich dabei auf bewährtes Teamwork stützen und wünschte sich für den Juli: "Von mir aus könnte es in Frankreich so weiter laufen". Gut vier Wochen vor Beginn der Tour de France in Luxemburg kann Zabel, der am Montag seinen achten Saisonsieg perfekt machte, mit gutem Gewissen sein siebentes Grünes Trikot in Folge anpeilen. Wer ihm dabei im Team Telekom helfen darf, ist zur Zeit die spannendste Frage.

Team Telekom ohne Kapitän

Die Tour-Absage von Jan Ullrich eröffnet völlig neue Möglichkeiten. "Wir haben keinen Kapitän. Jan ist nicht zu ersetzen. Deshalb werden wir bei uns im Team eine neue Taktik bei der Tour erleben. Nicht das Gesamtklassement - Etappensiege sind unser Ziel. Dafür sind bei uns außer Erik auch Winokurow, Aldag, Wesemann, Guerini, warum nicht auch Julich und Bölts gut", meinte Teamsprecher Olaf Ludwig und nannte fast ein komplettes Tour-Team, das erst während der Tour de Suisse in drei Wochen benannt werden soll.

Hondo soll ins Team

Zabel hielt am Montag nach seinem Erfolg in der Fechterstadt Tauberbischofsheim ein kleines Plädoyer für Danilo Hondo, der nach seinem Zwangsstopp in der ersten Giro-Woche wegen des Todes seiner Mutter vor der Tour-Premiere stehen könnte. "Auf ihn kann ich mich hundertprozentig verlassen, genau wie auf Gian-Matteo Fagnini. Danilo hat bei der Luxemburg-Rundfahrt super gearbeitet, und ich habe eine Etappe gewonnen. In Tauberbischofsheim gab er mir als letzter Windschatten. Wenn es nach mir ginge, wäre er in unserem Tour-Team", betonte der Super-Sprinter.

Der kleine Ritterschlag durch den "Sportler des Jahres" war Hondo gar nicht so recht. Der Cottbuser sähe in einer Berufung in das neunköpfige Tour-Aufgebot auch ein kleines persönliches Risiko: "Dort würde man mich doch nur als Anfahrer für Zabel wahrnehmen." Hondo, in der Telekom-Erbfolge erster Mann der Sprintergarde hinter dem 31-jährigen Zabel, könnte in der Tour ähnlich vom Chef lernen wie Zabel ab 1994 von Ludwig.

Eine andere Variante des weiteren Saisonverlaufs würde dem zweifachen Giro-Etappengewinner des Vorjahres allerdings vermutlich besser gefallen. "Die Weltmeisterschaft im Oktober in Belgien reizt mich. Sie hat immer eigene Gesetze und ich wäre dort nicht automatisch nur für Erik da. Vor der WM könnte ich die Vuelta fahren und dort versuchen, Etappen zu gewinnen", meinte Hondo. Er wollte schon im Vorjahr in Spanien auf eigene Faust fahren wollte, wurde aber in den Dienst von Zabel gestellt.

Mehr Verantwortung für Zabel

Eine Tour ohne Ullrich ist für Zabel ein zweischneidiges Schwert. Im Vorjahr musste er sich den Interessen des Toursiegers von 1997 ein Mal mehr unterordnen - und fuhr als "Einzelkämpfer" die beste Tour seiner Karriere (drei Etappensiege/Grünes Trikot). Diesmal wird er unter Umständen in Fagnini und Hondo zwei direkte Helfer an die Seite bekommen und muss diese Eskorte dann rechtfertigen.

Aber der tollkühne Sprinter hat keine Angst vor der Verantwortung. "Die Orientierung wird klarer sein. Wir sind schwerer auszurechnen, weil wir mehrere Kandidaten für Etappensiege haben. Ich bin zwei Touren ohne Jan gefahren, und sie sind für mich und das Team gut gelaufen", erläuterte er. 1995 trat Telekom in einem Mixed-Team mit ZG Mobili aus Italien an und Zabel gewann seine ersten beiden Tour-Etappen. 1999 ging er bis auf das Grüne Trikot leer aus - Giuseppe Guerini "rettete" mit seinem Sieg in L'Alpe d'Huez die Mannschaft.

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