Räikkönen erneut vorn
Fiasko für Ferrari in Sao Paulo

Fiasko für Ferrari, weitere Sternstunde für die Silberpfeile und ein Chaosrennen wie seit Jahren nicht mehr: Der dritte Fahrfehler nacheinander hat ausgerechnet "Regenkönig" Michael Schumacher am Sonntag beim Großen Preis von Brasilien den ersten Ausfall seit 20 Monaten beschert.

HB/dpa SAO PAULO. Auf der nach Wolkenbrüchen teilweise überschwemmten Strecke im Autodromo Jose Carlos Pace kreiselte der fünfmalige Formel-1-Weltmeister schon in der 27. Runde des turbulenten Rennens in einen Reifenstapel. Dadurch fiel der Ferrari-Star aus Kerpen im Titelrennen weit zurück. Der WM-Führende Kimi Räikkönen feierte mit dem McLaren-Mercedes zwei Wochen nach seinem ersten Platz in Malaysia seinen zweiten Grand-Prix-Sieg und den dritten Erfolg für die Silberpfeile im dritten Saisonrennen.

Das Rennen wurde nach 55 von 71 Rennen nach einem schweren Unfall des Jaguar-Fahrers Mark Webber abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte überraschend der Italiener Giancarlo Fisichella vor Räikkönen geführt und durfte sich im 200. Grand Prix seines Jordan-Rennstalls schon als Sieger fühlen. Doch gewertet wurde die Reihenfolge nach 53 Rennen, sodass Räikkönen vor Fisichella, Fernando Alonso und dem zweiten Silberpfeil-Fahrer David Coulthard in der Siegerliste auftauchte. Sauber-Pilot Heinz-Harald Frentzen wurde Fünfter, Ralf Schumacher wurde im BMW-Williams Neunter. "Vielleicht ist der Sieg etwas glücklich, aber Sieg ist Sieg. Es war ein schwieriges Rennen mit einer Safety-Car-Phase nach der anderen", meinte der Finne Räikkönen.

Bei der Siegerehrung fehlte Alonso. Der Renault-Fahrer war auf dem Weg ins Krankenhaus, nachdem er mit seinem Wagen in die Schrottteile des Webber-Jaguars gefahren war und spektakulär verunglückte. Aus der Klinik kam Entwarnung: Der 21 Jahre alte Spanier hatte keine ernsten Blessuren erlitten. In der Gesamtwertung liegt Räikkönen vor Coulthard, auch bei den Konstrukteuren führt McLaren-Mercedes.

Das Desaster für Ferrari machte Rubens Barrichello perfekt. In Führung liegend schied der 30 Jahre alte Brasilianer auf seiner von ihm als sein "Kinderzimmer" bezeichneten Heimstrecke in der 47. Tunde mit einem Defekt aus. Es war sein zehnter Ausfall bei seinem elften Grand Prix von Brasilien.

"Wir haben einen Riesenschrottplatz hier gesehen. Ich bin froh, dass das Rennen vorbei ist", sagte Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug. Schon vor dem plötzlichen Ende des 700. Grand Prix in der Formel-1-Geschichte herrschte ein Durcheinander mit Wolkenbrüchen, Ausfällen, Unfällen und vier Safety-Car-Phasen. In dem Regen-Roulette war Michael Schumacher der prominenteste der zehn Ausfälle. Allein in der Curva do Sol (Sonnenkurve), in der er rausflog, schieden unter anderem auch BMW-Williams-Pilot Juan Pablo Montoya und Antonio Pizzonia mit dem Jaguar aus. Schumacher hatte 25 Rennen hintereinander die Zielflagge gesehen. Zuletzt war er beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring am 29. Juli 2001 ausgeschieden.

"Der Unfall geht im Prinzip auf mich. Ich bin in der Gischt von Coulthard gefahren und habe das Aquaplaning nicht gesehen. Am meisten ärgert mich aber, dass meine Zuverlässigkeit in die Brüche gegangen ist. Besser aber bei so einem chaotischen Rennen", sagte Schumacher, der erstmals seit 2000 zum dritten Mal hintereinander nicht auf dem Podest stand. "Es ist noch früh in der Saison. Ich bin immer noch ziemlich relaxed." Schon in den ersten beiden WM-Läufen dieser Saison in Australien und Malaysia hatte nach Fahrfehlern nur die Plätze vier und sechs belegt.

Das Rennen begann wegen der heftigen Regenfälle mit 15 Minuten Verspätung. Erstmals seit dem Grand Prix von Belgien 1997 fuhr vom Start weg das Safety Car aus Sicherheitsgründen vor dem Feld. Erst nach acht Runden gab das Sicherheitsauto die Strecke frei.

Den fliegenden Start nutzten die Silberpfeile am besten. Coulthard schoss an dem aus der Pole-Position startenden Barrichello vorbei, auch BMW-Williams-Pilot Montoya kam bis auf Rang drei vor. Pech hatte der Mönchengladbacher Nick Heidfeld, der nur eine Runde nach dem fliegenden Start seinen Sauber mit Motorproblemen abstellen musste. Derweil arbeitete sich Räikkönen weiter nach vorn und übernahm in der 16. Runde nach einem packenden Duell die Führung von Coulthard.

Hinter ihnen startete Michael Schumacher eine Aufholjagd. Von Platz sieben, seiner schlechtesten Startposition seit dem Grand Prix von Deutschland 1998, arbeitete er sich bis auf den dritten Platz vor. Doch die Jagd endete jäh im Reifenstapel.

Danach wechselte ständig die Führung. In der 44. Runde jubelten die brasilianischen Fans, als Barrichello an die Spitze fuhr. Doch drei Runden kam das Aus. Der Weg schien frei für die Silberpfeile. Überraschend zog dann aber Fisichella in der 54. Runde an Räikkönen vorbei. Doch der Abbruch des Rennens vereitelte den ersten Sieg für den Italiener.

Der Regen hatte die Veranstaltung in Sao Paulo im Griff. Schon die Qualifikationen am Freitag und am Samstag glichen eher einem Glücksspiel. Am Sonntag fiel die traditionelle Fahrer-Parade wegen eines Wolkenbruchs aus. An einigen Stellen stand die Strecke unter Wasser. Den Teams wurde wegen der Wetterbedingungen erlaubt, Veränderungen an ihren Wagen unmittelbar vor dem Start vorzunehmen.

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