Räikkönen verteidigt WM-Spitze
Schumi siegt nach Schrecksekunde in der Box

Selbst wild auflodernde Flammen beim ersten Boxenstopp konnten Michael Schumachers sicheren Sieg in Spielberg nicht verhindern. Der fünfmalige Formel-1-Weltmeister ließ mit seinem Erfolg beim Großen Preis von Österreich seinen "Sieg der Schande" vergessen und rehabilitierte sich für das Skandalrennen im Vorjahr.

HB/dpa SPIELBERG. "Ich fühle mich jetzt wie ein Gewinner", sagte der Ferrari-Star nach seinem sportlich sauberen Erfolg aus eigener Kraft am Sonntag. "Ich bin extrem glücklich." Schumacher machte einen Freudensprung, warf Kusshändchen ins Publikum und spottete über das Feuer: "Meine Mechaniker dachten vielleicht, mir sei es zu kalt und wollten mich etwas aufwärmen."

Trotz seines dritten Saisonsieges hintereinander verfehlte Schumacher den erhofften Sprung an die WM-Spitze. McLaren-Mercedes - Mann Kimi Räikkönen verteidigte durch seinen zweiten Platz knapp die Führung. "Das war ein Super-Job von Kimi. Er hat gekämpft wie ein Löwe", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug den Finnen. Rubens Barrichello rundete als Dritter im zweiten Ferrari den "roten Festtag" beim Abschiedsrennen auf dem A1-Ring ab.

Schumacher gewann den wegen eines zweimaligen Startabbruchs um zwei auf 69 Runden verkürzten 6. Saisonlauf in 1:24:04,888 Stunden. Er hatte beim 67. Grand-Prix-Sieg seiner beeindruckenden Karriere 3,362 Sekunden Vorsprung vor Räikkönen. Sein Bruder Ralf belegte nach 298,494 km hinter Barrichello, Jenson Button und David Coulthard im zweiten Silberpfeil den sechsten Rang. Der Wahl-Österreicher im Williams-BMW ist damit der Einzige, der in allen Saisonrennen gepunktet hat.

Titelverteidiger Michael Schumacher (38 Punkte) muss nun noch zwei Zähler wettmachen, um den Finnen (40) von der Spitze zu verdrängen. Barrichello (26) übernahm den dritten Platz, da Jung-Star Fernando Alonso (25) in Spielberg ausgeschieden war. Ralf Schumacher (20) bleibt Gesamtsechster.

Heinz-Harald Frentzen hatte ausgerechnet an seinem 36. Geburtstag keinen Grund zum Strahlen. Wegen eines Motorproblems an seinem Sauber-Petronas konnte der Mönchengladbacher nicht Boxengasse starten. Teamkollege Nick Heidfeld, der als Trainingsvierter für eine Riesenüberraschung gesorgt hatte und lange in den Punkten lag, fiel wegen Mitte des Rennens auftretender technischer Probleme immer weiter zurück. Er schied in der 49. Runde aus.

Der Grand Prix begann kurios: Zwei Mal musste der Start wegen eines technischen Problems an Cristiano da Mattas Toyota abgebrochen werden. Im dritten Anlauf klappte es schließlich. Michael Schumacher verteidigte seine Pole-Position, während Räikkönen Montoya passieren lassen musste. Allerdings rückte schon in der zweiten Runde das Safety-Car aus, damit Jos Verstappens gestrandeter Minardi geborgen werden konnte. Nach vier Runden begann das Rennen endlich richtig. Der Ferrari-Star konnte schnell einen Vorsprung herausfahren, gefolgt von Juan Pablo Montoya, Räikkönen und Barrichello.

Michael Schumacher knöpfte seinem nächsten Verfolger im Williams- BMW bis zur 15. Runde 10,6 Sekunden ab, verlor dann aber innerhalb von zwei Umläufen wieder sechs Sekunden auf Montoya. Die durch Blütenstaub schon glitschige Piste wurde nach ersten Regenschauern noch rutschiger. "Ich fuhr da etwas vorsichtiger, um die Führung nicht aufs Spiel zu setzen", sagte der Kerpener. "In der ersten und zweiten Kurve regnete es eine Zeit lang heftig."

Ein Brand bei seinem ersten Boxenstopp in der 23. Runde kostete den Rheinländer die Führung. Beim Tanken brach ein Feuer am Tankstutzen des F2003-GA aus, das die Mechaniker mit drei Feuerlöschern bekämpften. "Ich wusste nicht, wie ernst das Problem war", sagte Schumacher. Er stand 20,4 Sekunden und damit doppelt so lange wie die weiß-blauen bzw. silbernen Rivalen, verlor durch den Zwischenfall wertvolle Zeit und fiel hinter Montoya und Räikkönen auf den dritten Platz zurück.

Ein Motorschaden beendete in der 32. Runde jäh den Traum des kolumbianischen Williams-BMW-Piloten vom ersten Grand-Prix-Sieg seit seinem bislang einzigen Triumph in Monza 2001. Schumacher nutzte die Gunst der Stunde und zog auch gleich am Finnen vorbei erneut in die Führungsposition, ehe er in der 42. Runde wieder - und dieses Mal ohne Probleme - tankte. Nach den Boxenstopps von Räikkönen und Barrichello wenig später war die alte Hackordnung hergestellt: Der Kerpener lag wieder an der Spitze.

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