Rätselhafter Kursanstieg
Morphosys-Anstieg wegen Biowaffen-Bedrohung unwahrscheinlich

Die Aktie des Biotechnologieunternehmens MorphoSys befindet sich mittlerweile seit zwei Wochen ohne nennenswerte Nachrichten im Aufwind. Seit Ende September stieg der Kurs von knapp 17 auf rund 46 Euro an. Auch am Donnerstag legte der Kurs in der ersten Stunde um über elf Prozent zu, nachdem der Titel am Vortag um fast neun Prozent Plus verbuchte.

vwd BERLIN. Selbst Vorstandsvorsitzender Simon Moroney zeigte sich bei der Bestätigung seiner Prognosen Anfang Oktober überrascht über den starken Anstieg. Auch die in dieser Woche in Hannover stattfindende Biotechnologiemesse Biotechnica hat für MorphoSys keine neuen Nachrichten gebracht.

Einige Analysten machen charttechnische Gründe für den Kursanstieg verantwortlich und erwarten einen weiteren Anstieg bis auf 68 Euro. Zudem sei das Unternehmen lange deutlich unterbewertet gewesen. Andere Experten raten schon seit Anfang Oktober zu Gewinnmitnahmen. Spekulationen um eine bevorstehende Übernahme wurden ebenfalls laut. Einige Experten vermuten sogar, dass Biotechnologiewerte derzeit von der Angst vor möglichen Terrorangriffen mit biologischen Waffen profitieren.

Hans-Peter Ewert von der SEB AG kann sich den Anstieg nicht recht erklären: "Eine Übernahme halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Auch Zusammenhänge zu möglichen Anschlägen mit Biowaffen sind für mich nicht nachvollziehbar", sagte der Analyst.

Kaufempfehlung der DZ Bank

Ewert begründet seine Empfehlung "Kauf" vor allem mit dem großen Zukunftsmarkt für Antikörper und dem bevorstehenden Strategiewechsel bei MorphoSys. Dieser zielt auf die Produktion eigener Medikamente ab. Auch Thomas Hoeger von der DZ Bank ("Akkumulieren") hat keine Erklärung: "Der Anstieg ist fundamental schwer nachzuvollziehen, wobei ich auch eine Übernahme für eher unwahrscheinlich halte", sagte der Experte für Biotechnologiewerte. Auch einen möglichen Biowaffenterrorismus hält Hoeger als Erklärung für höchst unwahrscheinlich.

Entwicklung von Antikörpern

Die MorphoSys AG mit Sitz in Martinsried bei München entwickelt mit rund 100 Beschäftigten so genannte Antikörper und erstellt medizinische Bibliotheken mit Informationen über verschiedene Proteinmoleküle, die in der pharmazeutischen Industrie zur Entwicklung von Medikamenten verwendet werden. Zukünftig will MorphoSys sogar eigene Medikamente entwickeln. Dabei arbeitet das Unternehmen eng mit Pharmakonzernen wie Bayer zusammen. Im ersten Halbjahr hat das Morphosys die Erwartungen von Experten übertroffen. Der Verlust wurde um 15 Prozent auf 2,2 Millionen Euro (4,3 Millionen Mark) verringert. Der Umsatz wuchs um 172 Prozent auf 7,9 Millionen Euro.

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