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RAF-Terroristin Klump muss für zwölf Jahre in Haft

Die frühere RAF-Terroristin Andrea Klump ist wegen eines Sprengstoffanschlags 1991 in Budapest zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Stuttgart sprach sie am Dienstag der Beihilfe zu versuchtem Mord für schuldig.

dpa STUTTGART. Die frühere RAF-Terroristin Andrea Klump ist wegen eines Sprengstoffanschlags 1991 in Budapest zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Stuttgart sprach sie am Dienstag der Beihilfe zu versuchtem Mord für schuldig.

Bei dem Attentat auf einen Bus mit jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion waren sechs Menschen verletzt worden. Klump hatte in einem Teilgeständnis eingeräumt, ihren ehemaligen Lebensgefährten, den RAF-Terroristen Horst Ludwig Meyer, logistisch unterstützt zu haben.

Der Anschlag sei "heimtückisch und menschenverachtend" gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Udo Heissler. Motiv sei der Hass auf Israel und seine Einwanderungspolitik gewesen. Klump hatte nach eigener Aussage Meyers Haushalt geführt, konspirative Wohnungen angemietet und Zugverbindungen in andere osteuropäische Länder erkundet. Das Paar wurde 1999 in Wien gestellt. Meyer wurde erschossen, Klump festgenommen.

Die Ermittler kamen der 47-Jährigen im Jahr 2001 durch eine DNA-Analyse der Bettwäsche in der Budapester Wohnung auf die Spur, die Meyer und Klump vor dem Anschlag benutzt hatten. Die Ex-Terroristin sitzt bereits seit fünf Jahren in Haft. In die Strafe bezog das Gericht eine frühere Verurteilung zu neun Jahren Gefängnis für den Anschlag auf einen Nato-Stützpunkt im spanischen Rota 1988 ein.

Die Bundesanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert, die Verteidigung plädierte nicht für ein konkretes Strafmaß. Ob Klump das Urteil annimmt, ist nach Aussagen ihres Verteidigers Elard Biskamp noch nicht klar. Klump wurde sowohl wegen der Beihilfe zum versuchten Mord in mindestens 32 Fällen als auch wegen Beihilfe zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verurteilt. Zu Gunsten Klumps wertete das Gericht das Teilgeständnis, die lang zurückliegende Tatzeit, ihre geringe Tatbeteiligung und ihre Abhängigkeit von Meyer als "beherrschendes Tatmotiv".

Das mit mindestens 20 Kilogramm Sprengstoff beladene Auto war am 23. Dezember 1991 wegen eines Fehlers der Funk-Fernbedienung früher als geplant am Straßenrand explodiert. Getroffen wurde deshalb vor allem ein vorausfahrendes Polizeifahrzeug. Zwei Beamte wurden schwer, vier jüdische Emigranten leicht verletzt. Zur Tat bekannte sich die palästinensische Terrororganisation "Bewegung für die Befreiung Jerusalems".

Bislang wurden knapp 30 RAF-Terroristen zu lebenslänglichen Gefängnisstrafen verurteilt. Derzeit sitzen noch vier von ihnen in Haft.

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